Productivity & New Work Unsere Kolumnistin Hanne Horvath gibt zu: Manchmal habe ich Angst vor Montag

Unsere Kolumnistin Hanne Horvath gibt zu: Manchmal habe ich Angst vor Montag

Eine Kolumne von Hanne Horvath

Viele kennen das Gefühl, es taucht meistens am Sonntagnachmittag auf. Dann, wenn noch sehr wenig Zeit vom Wochenende bleibt und der Montag unaufhaltsam näher rückt. So ein Unwohlsein wird dann spürbar, vielleicht ein flaues Gefühl in der Magengegend, leichte Kopfschmerzen oder innere Unruhe.

Ich gebe zu, auch mir ist das nicht unbekannt. Manchmal wird es mir am Sonntag beim Gedanken an die beginnende Arbeitswoche leicht schlecht. Ich habe dann Angst vor der Arbeit. Statt meinen Sonntagabend so richtig zu genießen, schaue ich schon mal in meinen Terminkalender und mache mir einige Notizen zu den Aufgaben der kommenden Woche. Oft stelle ich dabei fest, wie viel am Freitag noch liegen geblieben ist und mir dämmert: Der Wochenstart wird trubelig!

Wer hat hier Angst vor der Arbeit?

Es gibt viele Ausprägungen der Angst vor der Arbeit. Mit meiner habe ich noch “Glück”. Denn ich habe meine Strategien gefunden, kann mein Unwohlsein sogar nutzen und die Freude an meinem Job überwiegt klar. Es gibt aber auch eine Form der Angst, die sehr belastend ist. Betroffene beschreiben in diesem Fall oft ein diffuses Angstgefühl, das jedes Mal beim Gedanken an den Job ausgelöst und so zum ständigen Begleiter wird.

Die Angstreaktion kann sich in Herzrasen, zitternden Händen, Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafstörungen ausdrücken, manchmal bis hin zur Panikattacke. Angenehm ist das alles nicht, weshalb Betroffene erst mal viel Energie in Vermeidungsstrategien investieren. Je nach Ursache der Angst werden entweder bestimmte Kollegen oder Kolleginnen gemieden oder Aufgaben immer wieder umgangen.

Kommt dir das bekannt vor? Bist du schon mal in einen Meetingraum geflüchtet, weil du beispielsweise deine Vorgesetzte auf dem Flur erspäht hast? Oder hast du dich am Tag einer Präsentation krankgemeldet, weil du einfach panische Angst davor hast, Vorträge zu halten? Falls ja, dann weißt du natürlich, dass diese Lösungen alle nur ganz kurzfristig für Erleichterung sorgen, aber dein Problem hast du danach immer noch.

Dr. Hanne Horvath ist Psychologin und Mitgründerin der Online-Therapieplattform HelloBetter, wo sie unter anderem die weltweit erste digitale Burnout-Therapie auf Rezept mitentwickelt hat.

Wahrscheinlich ist sogar, dass sich die Angst dadurch noch verschlimmert hat. Oftmals gesellt sich zur Angst dann noch ein unangenehmes Schamgefühl, weil es dir auch irgendwie peinlich ist, dich so zu verhalten. Du beginnst vielleicht auch daran zu glauben, dass du an deiner Situation nichts ändern kannst, aber das stimmt nicht. Es gibt einen Ausweg: Stell dich deiner Angst! In der Ursache liegt der Schlüssel zur Lösung.

Was müsste sich ändern, damit ich weniger Angst beim Gedanken an die Arbeit empfinde?

Mir ist bewusst, dass es zunächst nicht einfach klingt, aber es führt leider kein Weg daran vorbei, sich mit der Angst auseinanderzusetzen. Hilfreich kann es sein, sich mal folgende Frage zu stellen: “Was müsste sich ändern, damit ich weniger Angst beim Gedanken an die Arbeit empfinde?”

Wünschst du dir zum Beispiel, dass ein bestimmter Kollege oder deine Vorgesetzte kündigt, dann weißt du was los ist. Deine Angst wird durch eine Person ausgelöst und meistens steckt da viel mehr dahinter, als jemanden einfach nicht zu mögen. Oft geht es hier um Ausgrenzung, unfaire Behandlung bis hin zu Mobbing und Belästigung.

Wenn dir das bekannt vorkommt, dann empfehle ich dir, jemanden ins Vertrauen zu ziehen und dir Unterstützung von außen zu holen. Du hast ein Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz und musst durch diese Situation auch nicht alleine. Sprich, falls möglich, am besten mit jemandem aus der Personalabteilung.

Auch wenn es sich im ersten Moment unangenehm anfühlen mag und viel Überwindung kostet, ist ein Gespräch darüber, wie es dir geht, der erste Schritt zu einer möglichen Lösung. Falls sich trotz deiner Bemühungen nichts ändert, lohnt es sich vielleicht auch, dich mal nach einem anderen Job umzusehen.

Sind es bestimmte Aufgaben?

Es kann aber auch sein, dass die Angst eher durch bestimmte Aufgaben ausgelöst wird. Erkennen kannst du das daran, dass die Antwort auf die Frage nach der Änderung deines Jobs eher so lautet: “Ich müsste nie mehr Vorträge halten”.

Hier kann ich aus Erfahrung sprechen. Seit dem Studium habe ich eine leichte Angst vor Präsentationen aller Art. Der Gedanke daran, vor anderen zu sprechen, im schlimmsten Fall noch auf einer Bühne vor großer Leinwand, verursachte bei mir früher Schweißhände und Herzklopfen. Was mir geholfen hat, ist mich immer wieder der Situation auszusetzen und es trotzdem zu machen. Nach Jahren mit vielen Vorträgen ist die Aufregung immer noch da, aber sie hält  sich im Rahmen und ich komme gut klar.

Je nachdem, wie stark deine Angst ausgeprägt ist, kannst du ja auch erst mal intern üben. Gibt es bei dir im Unternehmen Meetings, bei denen die Stimmung etwas lockerer ist? Vielleicht werden bei dir am Freitagnachmittag im Team Projekte vorgestellt, um euch gegenseitig auf dem Laufenden zu halten? Sowas könnte eine gute Gelegenheit sein. Denn du kannst sicher sein, dass viele deiner Kollegen und Kolleginnen mit den Gedanken schon im Wochenende sind. Dir ist also nur die halbe Aufmerksamkeit garantiert. Gut für dich!

Worauf du auch mal achten kannst: Macht es für dich einen Unterschied, ob du während der Präsentation sitzt oder stehst? Ob du in ein Mikro sprichst oder nicht? Wenn du weißt, womit du dich wohler und sicherer fühlst, kannst du versuchen, den Rahmen deines Vortrags so zu wählen, dass es möglichst zu dir passt. Alles noch eine Nummer zu groß? Dann empfehle ich dir dich in Meetings engagierter zu Wort zu melden.

Es spricht auch übrigens gar nichts dagegen, dir Hilfe von außen in Form von Sprech- und Präsentationstrainings zu holen. Im besten Fall sogar vom Arbeitgeber spendiert. Wenn sich jemand seiner Angst bewusst ist und sich dieser stellen möchte, auch um besser performen zu können, wird das häufig belohnt. Deine Chancen stehen also gut. Wenn das was für dich sein könnte, trau dich und nimm das Thema mit ins nächste Feedbackgespräch.

Vielleicht ist es auch Zeit für eine berufliche Veränderung?

In manchen Fällen aber nützt das alles nichts. Dann kann es sein, dass du einfach den falschen Job hast oder dir ein anderer Arbeitskontext mehr entsprechen würde. Wenn dir als eher introvertierte Person die Rampensau einfach nicht liegt, ist das völlig in Ordnung. Oder du stellst nach einigen Nervenkrisen fest, dass du mehr Planungssicherheit und Struktur brauchst, es in deinem Job aber drunter und drüber geht, also maximale Flexibilität gefragt ist. Dann schaue dich ruhig nochmal neu um.

Letztlich ist es das genaue Erspüren der Angst, worauf es ankommt, um deine Situation zu deinem Besseren zu ändern. Stimmt was nicht im Außen? Kannst du das ansprechen und dich, auch mit der Unterstützung von anderen, um eine Lösung bemühen? Gibt es einen inneren Konflikt in dir? Wie sieht der genau aus und was würde dir helfen? Deine Angst überwinden oder dir ein passenderes Umfeld suchen? Nimm dich in diesem Prozess ernst und mach dir immer wieder klar: Nicht alle müssen alles können. Und schon gar nicht alleine.

Als Vorgesetzte liegt es mir sehr am Herzen, das zu vermitteln. Deshalb nehme ich mir in Terminen auch ausreichend Zeit und frage nach, wie es gerade läuft. Durch konkretes Nachhaken wird meinen Mitarbeitenden bewusster, was ihnen leicht fällt und Freude macht und wo es vielleicht öfter hakt. Außerdem weiß ich so natürlich besser, wem was liegt und wer vielleicht bei manchen Tasks noch Unterstützung braucht, um sich weiterzuentwickeln.

Besonders wachsam bin ich, wenn jemand aus meinem Team unkonzentriert wirkt, beginnt vergesslich zu werden und Deadlines reißt. Dann gehe ich nicht davon aus, dass die Person faul ist und einfach keinen Bock hat, sondern dass irgendwas nicht stimmt. Manchmal kann Arbeit auch deshalb überfordern und Angst machen, weil eine Aufgabe zu groß erscheint und wir uns damit alleine gelassen fühlen.

Dann fällt es natürlich schwer einen Anfang zu finden, die Unsicherheit wird größer und die Vermeidungsstrategien locken. Hilfreich ist es in diesem Fall gemeinsam kleine Aufgabenhäppchen und konkrete Zwischenziele zu definieren und dann den Elefanten Stück für Stück zu essen.

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