Life & Style „Wir alle zelebrieren den Schwachsinn“ – die Band Schorl3 im Interview

„Wir alle zelebrieren den Schwachsinn“ – die Band Schorl3 im Interview

Sprudelig, sprudeliger, Schorl3: Die Hamburger Band macht Songs für die gute Laune. Ein Gespräch über feuchtfröhliche Inspirationen und das neue Album.

Schorl3, euer Bandname wird wie das Getränk ausgesprochen. Klingt schwer nach Verewigung des Gründungsmoments bei Apfelsaft und Wasser – richtig?

So ähnlich. Wir haben uns an einem Abend zu dritt getroffen und zwei Flaschen Schnaps getrunken. In jeder Runde mussten wir alle einen Namen vorgeschlagen. Am nächsten Morgen ist Schorle hängen geblieben. Das passt einfach, weil wir alle drei gerne Weinschorle trinken. Und es passt zur Musik: Es sprudelt und macht dich leicht besoffen, wenn du es konsumierst.

Soso, dann ersetzen wir Apfelschorle also durch Weinschorle.

Darauf können wir uns einigen. Man muss übrigens anmerken, dass vieles eine Schorle sein kann. Genau genommen ist auch Bier nur Hopfenschorle, oder? Es gibt viel mehr Schorlen, als wir denken, und wir probieren regelmäßig Neues aus.

Alles klar, wir sehen schon: So eine gemeinsame Leidenschaft kann tatsächlich echt verbinden.

Es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber auf den zweiten. Und dafür umso heftiger. Wir haben alle drei schnell gemerkt, dass wir einen ähnlichen Musikgeschmack haben. Und eine Idee davon, wie wir uns musikalisch ausdrücken wollen, die wir so noch nicht erlebt haben. Anfang 2020 haben wir dann angefangen, zusammen Musik zu machen.

Eure Debüt-EP ist dann Anfang 2021 erschienen. Wie habt ihr das Jahr zwischen Gründung und Veröffentlichung genutzt?

Durch die Pandemie konnten wir erst sehr spät wirklich live spielen. Das war gut, weil es keine Ablenkungen für uns gab. Außerdem hatten wir das Glück, dass wir gemeinsam in einem Studio zu dritt Musik machen konnten und unsere Zeit dort recht frei gestalten durften.

Habt ihr in der Zeit eine Routine fürs Songschreiben entwickelt?

Bis heute haben wir keinen Plan, wie wir an unsere Songs rangehen. Es kommt aus unserem Bauchgefühl heraus. Die einzige Gesetzmäßigkeit, die wir uns angewöhnt haben, ist, regelmäßig zusammen Musik zu machen.

Warum genau ist für euch diese Regelmäßigkeit wichtig?

Nicht jeder Tag ist ein Tag, an dem man total kreativ ist. Manchmal auch wochenlang nicht. Solche Phasen gibt es einfach beim Musikmachen, oder generell, was Kunst angeht. Das ist keine klassische Büroarbeit, es ist kreatives Arbeiten. Wir machen regelmäßig Musik, um zu gucken, wie die anderen ticken, und um zu lernen, im Team zu arbeiten. Wir merken, wenn eine gewisse Magie im Raum ist, und nutzen diese, um in den Flow zu kommen.

Wie würdet ihr eure Musik jemandem beschreiben, der noch nie von euch gehört hat und keinen Zugang zu Spotify und Co. hat?

Sie ist sehr gut, aber nicht die beste. Okay, Spaß beiseite. Wir machen Musik, damit man eine gute Zeit hat. Damit man sich für einen Moment mal über nichts Gedanken macht, außer zu tanzen und zu fühlen. Wir beschreiben es auch als Abenteuerspielplatz. Ich glaube, wir alle drei machen genau das, was wir immer machen wollten: Musik. Und das soll ankommen.

Machen wir doch mal die Eigenanalyse: Worum geht es konkret in euren Songtexten?

Es ist nicht so, dass wir philosophische Großwerke aufs Parkett legen, aber zumindest unsere Themenauswahl ist sehr breit. Die Texte sollen das Gefühl von unserer Jugend transportieren. Unsere Musik lebt von nachvollziehbaren Situationen unserer Generation. Dinge, die jeder kennt. Situationen, die nicht völlig aus der Luft gegriffen sind. Aber gleichzeitig so weit von der Realität weg, dass man den Spaß am Zuhören nicht verliert.

Eure Musik erinnert häufig an den Disco-Vibe aus den 90er-Jahren. Spürt ihr eine gewisse Sehnsucht nach dieser Zeit?

Wir müssen hier anmerken, dass keiner von uns wirklich viel von den Neunzigern mitbekommen hat. Wir erinnern uns höchstens an unsere Kindergartenzeit. Es ist also schwer, sich in eine Zeit zu wünschen, die man nicht wirklich erlebt hat. Heute gibt es so viel Musik wie überhaupt jemals. Wir finden es schön, dass wir uns an allen möglichen Songs und Ästhetiken bedienen können, ohne irgendwo Abstriche zu machen. Wir können Musik wie aus den Achtzigern oder Neunzigern machen, und es ist gleichzeitig aktuelle Musik.

Neun spritzige Songs, die das Wohnzimmer zur Disco machen:„Pinguine sind auch nur Pandavögel“ (erschienen am 19.8.)

Die verschiedenen Einflüsse sind auch auf eurem neuen Album „Pinguine sind auch nur Pandavögel“ zu hören. Erklärt mal: Wie kommt man auf so einen Namen?

Es ist doch ganz offensichtlich, und trotzdem sieht es keiner – Pinguine sind Pandavögel. Die Aufgabe des Albums ist es, das in unserer Gesellschaft deutlich zu machen. Wir alle zelebrieren im normalen Leben den Schwachsinn mehr als den tatsächlichen Sinn. „Pinguine sind auch nur Pandavögel“ ist kein klassisches Konzeptalbum. Wir haben einfach über einen Zeitraum von einem halben Jahr Songs gesammelt, die neun stärksten ausgewählt und den Titel drübergeschrieben.

In den letzten zwei Jahren wurden euch Live-Auftritte erschwert. Was habt ihr euch für die kommenden Konzerte vorgenommen?

Gerade bereiten wir die Tour zum neuen Album vor. Dazu muss man sagen: Live sind wir in einer anderen Konstellation unterwegs. Wir sind ein Gespann aus einem Sänger und zwei Keyboardern. Das funktioniert live nicht, deshalb sind wir dann zu siebt mit Schlagzeug, Gitarre, Bass und Saxofon auf der Bühne. Und das ist großartig. Es bedeutet zwar mehr Proben, aber es macht auch mehr Spaß.

Da es jetzt gerade erst richtig losgeht: Gibt’s noch Lampenfieber vor Auftritten?

Am Anfang haben wir auf komischen Stadtfesten gespielt, wo die Leute lieber Bockwurst gegessen haben als zu tanzen. Das ist jetzt anders. Nicht nur wir auf der Bühne haben Bock, sondern auch die Leute vor der Bühne. Mit diesen Menschen im Publikum hat man kein Muffensausen, sondern eher noch mehr Bock.

Was macht ihr denn in eurem Leben, wenn ihr nicht gerade im Studio oder auf der Bühne steht?

Noch mehr Musik.

Im Ernst: Verfolgt ihr noch andere Jobs im Alltag?

Wir machen wirklich mehr Musik. Wenn wir keine Musik für Schorl3 machen, dann produzieren und schreiben wir für andere Menschen.

Um euch doch noch festzunageln: Wenn ihr die Musik aufgeben müsstet, was würdet ihr dann machen?

Das ist ganz schwierig. Niemand kann uns den Geldhahn abdrehen, weil wir kein Geld haben. Aber wenn es so wäre: vielleicht studieren, vielleicht ein Restaurant eröffnen. Ein Sabbatjahr machen – oder einfach ganz viele Schorlen mixen.

Dieser Text stammt aus unserer Ausgabe 4/22. Gregor Gysi, Claudia Obert und die Tiktokker Elevator Boys haben mit uns über Geld gesprochen. Außerdem haben wir Streetwear-Legende Karl Kani getroffen und unseren Reporter Dolce Vita auf der Modemesse Pitti Immagine Uomo genießen lassen. Hier geht es zur Bestellung – oder ihr schaut am Kiosk eures Vertrauens vorbei.

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