Personal Finance Steuerfabi: „Ich packe das klassische Steuerdeutsch so in eine Story, dass es die Leute interessiert“

Steuerfabi: „Ich packe das klassische Steuerdeutsch so in eine Story, dass es die Leute interessiert“

Steuer-Einmaleins gefällig? Tiktok-Star Fabian Walter aka Steuerfabi beherrscht es wie kein anderer. Ein Gespräch über die schläfrige Steuerbranche, Christian Lindner und Espresso.

Fabian, nicht jeder dürfte mit dem Thema Steuern eine ernsthafte Leidenschaft verbinden. Erinnerst du dich noch an den Moment, in dem du das erste Mal davon gehört hast?

Das muss im Bauch meiner Mutter gewesen sein, weil mein Vater damals schon selbstständiger Steuerberater war. Bewusst wahrscheinlich im Kindergarten. Wir hatten dort einen Verkleidungswettbewerb für Berufe, und ich bin als Steuerberater gegangen, so richtig mit Aktenkoffer in der Hand.

Später hast du BWL und Steuern studiert. Da hätte sich doch angeboten, anschließend die Kanzlei deines Vaters zu übernehmen, oder nicht?

Ich habe tatsächlich neben dem Master in der Kanzlei meines Vaters gearbeitet. Ich habe mich dort aber gefragt, ob das denn meine Erfüllung ist, für immer in diesem kleinen, beschaulichen Ort im Schwarzwald zu bleiben. Das wäre eine Lebensentscheidung gewesen. Aber ich habe mich für einen anderen Weg entschieden und bin zur Haufe Group gewechselt.

Dort warst du ein Jahr. Dann hast du dich vollkommen für die Karriere auf Social Media entschieden. Warum?

Ich habe bei Haufe mindestens acht Stunden am Tag gearbeitet, nachts habe ich Videos für Tiktok gedreht. Irgendwann konnte ich nicht mehr beides machen. Der Tag hat nur 24 Stunden. Deswegen habe ich den Schlussstrich gezogen und mich letztes Jahr im Juli selbstständig gemacht.

Wie bist du denn zu deinem ersten Tiktok-Video gekommen?

Ein Kumpel von mir hat in München eine Agentur für Influencermarketing und mir gesagt, ich soll mir doch mal diese App namens Tiktok herunterladen. Ich habe mich nur gefragt: Was ist das, ein Klopfgeräusch, oder was? Ich hatte überhaupt nichts mit Social Media zu tun. Aber er wollte, dass ich mal ein Video mache, in dem ich einfach die Steuern erkläre.

Und das hast du getan. Worum ging’s im ersten Video?

Ob man Kaffee von der Steuer absetzen kann. Ich habe das Video hochgeladen, die App geschlossen. Drei Stunden später schrieb mein Kumpel mir, das Video hätten 50 000 Menschen gesehen. Ich habe das gar nicht verstanden. Das war der Wahnsinn. Ich habe mir gedacht: Krass, was, wenn ich das jeden Tag mache?

Das ist knapp zwei Jahre her. Heute hast du auf Tiktok knapp 700 000 Follower und mehr als acht Millionen Likes. Erzähl mal: Was ist dein Erfolgsgeheimnis?

Der Inhalt meiner Videos. Ich überlege mir, was steuerlich interessant ist, und erkläre es so, dass es so gut wie jeder versteht. Ich breche komplexe Sachverhalte so weit herunter wie möglich. Das hat es so in dieser Form noch nie gegeben.

Steuern sind nach wie vor auch in Deutschland kein nahbares Thema.

Ja, die Steuerbranche, das ist eine ganz spezielle Branche, sehr steif. Deswegen versuche ich, es locker zu machen. Ich muss das klassische Steuerdeutsch so in eine Story packen, dass es die Leute interessiert.

Das deutsche Steuersystem ist eines der komplexesten. Wie filterst du die Themen für deine Videos?

Oft sind es aktuelle Themen, zum Beispiel die Benzinpreise, das 9-Euro-Ticket oder Fahrtkostenzuschüsse. Diese aktuellen Themen verbinde ich mit klassischen Themen. Da gehe ich praktisch von oben nach unten einmal das ganze Steuerrecht durch.

Wie verdienst du mit diesen Videos Geld?

Am Anfang wusste ich gar nicht, dass man damit Geld verdienen kann. Bis eine Anfrage von Gelbe Seiten kam. Einem Unternehmen, das sehr früh schon auf Tiktok aktiv war. Die haben Tiktoker eingekauft, um Werbung zu machen.

Dein Cash-Startschuss auf Tiktok?

Ja, danach kamen immer wieder Anfragen. Von Tiktok selbst gibt es einen Creator Fund, aber das ist mehr Bürokratieaufwand als Geld, das dabei rumkommt.

Die Kooperationen sind also die primäre Einnahmequelle. Fließt mehr Geld über Instagram oder Tiktok?

Ich muss sagen: Mit Instagram habe ich auch nicht angefangen, um Geld zu verdienen. Das ist im Leben eh ein schlechter Ratgeber, wenn man Sachen nur macht, um viel Geld zu verdienen. Dennoch muss man sagen: Instagram ist wirtschaftlich interessanter als Tiktok, weil die meisten Unternehmen ihre Werbebudgets mehr oder minder in Instagram stecken.

Es gibt bald 1 000 Videos von dir zu sehen. Wie viele Videos produzierst du pro Tag?

Es kommt immer darauf an, was los ist. Es gibt ja auch noch einen Steuerfabi außerhalb von Social Media, ich bin zum Beispiel Aufsichtsratsmitglied in einer Aktiengesellschaft, halte verschiedene Vorträge. Es gibt bei mir keinen typischen Arbeitstag. Es gibt nur eine Konstante: Jeden Tag muss ein Video kommen. Ich schaue meistens, dass ich einigermaßen vorproduziere. Aber ich habe jetzt keine 40 Videos in der Pipeline.

Neben alldem hast du jetzt auch noch ein Buch geschrieben. Ist das nicht etwas oldschool für einen Tiktok-Star?

Ich werde immer wieder gefragt, wo man all die Sachen aus meinen Videos komprimiert nachlesen kann. Ich verschicke dann oft Blogs oder Buchtipps. Die wurden dann auch gelesen, aber nicht verstanden. Es gibt nirgendwo die Basics zum Steuerrecht in einfacher Sprache. Also habe ich selbst ein Buch geschrieben.

„Sei doch nicht besteuert“ echtEMF Verlag,224 Seiten, 14 Euro,erscheint am 22.11.

Sprichst du damit die gleiche Zielgruppe an wie auf Tiktok?

Vielleicht interessant zu wissen: 20 Prozent meiner Follower sind 35 Jahre und älter, darunter zum Beispiel viele Geschäftsführer. Die Hälfte etwa ist 24 bis 35 Jahre, also in meiner Altersklasse. Ein kleinerer Teil ist dann eben 16 bis 18 Jahre alt. Die Videos richten sich also an alle, die aus der Schule kommen bis ins hohe Alter. Das Buch ist so geschrieben, dass jeder etwas mitnimmt und versteht.

Finanzratgeber gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Sag doch mal: Was machst du besser?

Ich bekomme sehr viele Nachrichten über Social Media, manchmal an die 1 000 am Tag. Ich weiß also genau, wo die Fragezeichen aufpoppen. Ich spiele das dann manchmal hundertmal durch, um zu wissen, was genau nicht kapiert wird. Menschen geben ungern zu, wenn sie etwas nicht verstehen. Mein Buch soll jeder verstehen.

Du hast schon öfter mit Finanzminister Christian Lindner in Livestreams über Steuern gesprochen. Real Talk: Wer hat da wem Tipps gegeben?

Das ist immer Ansichtssache. Grundsätzlich habe ich ihn interviewt, also hat er mir meine Fragen beantwortet. Aber ich habe mir mal an der ein oder anderen Stelle erlaubt, ihm eine Anregung mitzugeben.

Zum Schluss ein kleines Gedankenexperiment: Wenn du das Thema Steuern aufgeben müsstest, was würdest du stattdessen machen?

Gute Frage. Ich habe vor Kurzem eine Kaffee GmbH gegründet. Ich bringe also bald meinen eigenen Kaffee heraus. 19.6 heißt er, so wie die Lohnsteuerrichtlinie aus meinem ersten Video. Sehr wahrscheinlich würde ich dann also noch stärker im Kaffeebusiness aktiv sein und ein paar Cafés eröffnen.

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