Innovation & Future Kernfusion: Was bedeutet der Durchbruch aus den USA?

Kernfusion: Was bedeutet der Durchbruch aus den USA?

Mit Durchbrüchen ist das so eine Sache: Es kommt immer darauf an, wohin man will. Bei einer neuen Meldung aus dem Lawrence-Livermore-Labor in den USA gibt es aktuell wieder eine Mischung aus Hype und Hinweisen auf Challenges. Allerdings sprach die Energieministerin persönlich von einem „Durchbruch, der in die Geschichtsbücher eingehen wird.“ Was da los war?

In der Forschungseinrichtung für Kernfusion gelang es den Forscher:innen erstmals, dass sie mehr Energie herausbekommen, als ein starker Laser abgab, um das Experiment zu starten. Insgesamt ist es aber doch wieder ein Minusgeschäft, denn der Laser verbraucht mehr Energie, als er selbst abstrahlen kann.

Was heißt das ganze für unsere Energieversorgung? Immerhin soll Fusion sehr viel Energie erzeugen, ohne Klimaschaden und die gruseligen Risiken aktueller Kernspaltungs-Kraftwerke. Trotz des Durchbruchs: Noch ist es ein langer Weg bis zur Nutzbarkeit.

20 Jahre, das ist die optimistischste Schätzung des KIT-Forschers Klaus Hesch gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Nach den Maßstäben der Fusionsforschung ist das eine kurze Zeit. Und Startups wollen es noch schneller schaffen.

Was ist Kernfusion? Das erfahrt ihr in diesem Text aus unserem Archiv (Nov. 21):

Deus ex Machina: Wenn das Aus naht, wenn die Angst am größten ist, kommt sie aus dem Nichts: Eine Lösung, die alle Konflikte in Harmonie aufgehen lässt. Deus ex Machina ist ein Kniff des Theaters, reine Dichtung, keine Wirklichkeit. Und doch gemahnt es an das Wunder der Bühne, und zugleich ist es wirklich, was die Mutigen sich auf einem Feld zutrauen, das lange wie eine Reihe gebrochener Versprechen wirkte: Strom aus verschmolzenen Materieteilchen, Kernfusion. Eine Technologie, die unsere Energieerzeugung revolutionieren könnte. Nur sind bis zur Anwendbarkeit Ingenieursleistungen zu vollbringen, die seit Jahrzehnten Genies verzweifeln lassen.

Das Versprechen ist dabei die Erzeugung sauberer Energie. Ohne dass klimaschädliche Gase ausgestoßen werden. Ohne Angst davor, dass etwas in die Luft fliegen könnte und den Planeten verstrahlt. Ohne Schwankungen, ausgelöst durch Wolken oder weil der Wind nicht wehte. Fast zu schön, um wahr werden zu können. Doch hier sind drei, die es einlösen wollen.

Thomas Klinger vor Wendelstein 7-X Foto: IPP, Ben Peters
Heike Freund von Marvel Fusion Foto: Quirin Leppert
Heinrich Hora von HB11

Da ist der Mann aus der Stadt am Meer, der seine Karriere der Erforschung von etwas gewidmet hat, das dem Sonnenfeuer gleicht. Und als Wissenschaftler und Mann des Zweifels wägt Thomas Klinger seine Worte. Er sagt vorsichtig optimistisch: „Es könnte klappen.“

Da ist die Frau, die weiß, wie man Menschen so zusammenarbeiten lässt, dass sie schwierigste Herausforderungen bewältigen. Und sich jetzt an die Konstruktion der vielleicht komplexesten Maschine wagt, die Menschen nur ersinnen können. Heike Freund heißt die Organisationsexpertin. „Wir sind eine kleine Firma“, sagt sie über ihr Startup Marvel Fusion. „Eine kleine Firma, die in einer kurzen Zeit eine extrem große Aufgabe bewältigen will.“ Nur bis 2030 haben sie sich Zeit genommen, um das Versprechen einzulösen, einen Fusionsreaktor zu bauen. Neun Jahre, die bei einer Herausforderung wie dieser als Nichts erscheinen.

Und da ist der Professor, der noch zu Lebzeiten Thomas Alva Edisons geboren wurde und sich in seinem neunten Lebensjahrzehnt anschickt, sein Werk zu krönen. Heinrich Hora, Deutsch-Australier. „Wir leben in einer Zeit, in der man die Umweltzerstörung mit Sorge betrachtet. Gerade in den letzten Jahren sind diese Fragen noch dringender geworden“, sagt er. Und: „Da muss etwas geschehen.“ Dafür hat er am anderen Ende der Welt HB11 gegründet, ein Startup, das Nuklearphysik und Lasertechnik zusammenbringen soll.

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