Leadership & Karriere OK, Boomer: So verstehst du deine Gen Z-Kolleg:innen (und umgekehrt)

OK, Boomer: So verstehst du deine Gen Z-Kolleg:innen (und umgekehrt)

Ein Gastbeitrag von Andrea Trapp, Vice President Business International von Dropbox 

Spätestens wenn die Gen Z in Anlehnung an das gleichnamige Meme aus 2019 nur noch mit einem „OK, Boomer“ auf die verstaubt wirkenden Sichtweisen der Babyboomer reagiert, wissen wir: Generationenkonflikte am Arbeitsplatz sind real. Dass derzeit bis zu vier Generationen in einem Unternehmen arbeiten, macht das Miteinander im Job nicht einfacher. Diese Generationen unterscheiden sich grundlegend in ihren Erfahrungen, Wertvorstellungen, Arbeits- und Kommunikationsweisen.

Klar, dass dadurch Jüngere und Ältere gerne einmal aneinander vorbeireden. Denn die Sprache entwickelt sich von Generation zu Generation weiter und bekannte Sätze wie „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ oder „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ sind für die Generation Z vor allem eines: #cringe.

Alle Generationen vereint: romantische Träumerei oder greifbare Chance?

Während junge Menschen von der Erfahrung der älteren Generationen profitieren, bereichert der Nachwuchs die gemeinsame Arbeit mit frischen Ideen und digitalem Know-how. Beim Blick in den Arbeitsalltag vieler Unternehmen mag diese Vorstellung eher nach einer romantischen Träumerei klingen. Bereits 2015 sagten in einer ADP-Studie 60 Prozent der Arbeitnehmenden in Deutschland, dass sie Konflikte zwischen verschiedenen Generationen am Arbeitsplatz erlebt haben. Muss das wirklich sein? 

Betrachtet man ein generationenübergreifendes gutes Miteinander als Ziel für die eigene Unternehmenskultur, ergeben sich neue Chancen: Aus einem Arbeitsklima, das alle Generationen willkommen heißt, gehen zufriedene Mitarbeitende hervor – die Arbeitsproduktivität steigt. Mit einem gesunden Arbeitsklima lässt sich sogar der Fachkräftemangel abmildern. Zufriedene Mitarbeitende wechseln seltener das Unternehmen. Zugleich suchen die begehrten jungen Talente nach Arbeitgebenden mit einer attraktiven Unternehmenskultur.

Die Kluft, die der Generationswandel rein zahlenmäßig in unsere Arbeitswelt reißt, lässt sich nicht schönreden. Das Institut der Deutschen Wirtschaft spricht davon, dass Deutschland bis 2030 an die 7,3 Mio. Fachkräfte verlieren* wird, von denen etwa zwei Millionen in Sektoren arbeiten, in denen bereits heute ein Arbeitskräftemangel herrscht. Überfrachtet eine ungesunde Unternehmenskultur die junge Taskforce nun noch mit vermeidbaren Konflikten und Missverständnissen, vergraulen wir vielleicht auch noch den Rest der Nachkommenden, die kraftvoll mit zupacken wollen. Unternehmen stehen unter Druck.

Von der kommunikativen Kluft zur #Brücke?

Um ein gutes Miteinander über alle Generationen hinweg zu fördern, braucht es eines besonders: gegenseitiges Verständnis. Mich brachte das zu der Überlegung, ob das Aneinander-Vorbeireden von „alten Hasen“ und den berufsunerfahrenen Neu- und Quereinsteigern nicht durch Sprachbarrieren noch verschärft wird.

Der Schlüssel zu einem gegenseitigen Verständnis zwischen den Generationen: eine offene Kommunikation. So einfach diese Lösung in der Theorie erscheint, so komplex ist sie in der Umsetzung. Die jüngsten Entwicklungen machen die kommunikative Kluft zwischen Jung und Alt größer denn je.

In den letzten Jahren hat sich die Art und Weise, wie wir kommunizieren, stark verändert – insbesondere durch den Aufstieg der sozialen Medien und die Verbreitung der Mobiltechnologie. Die Globalisierung macht auch vor den sozialen Medien nicht Halt. Anglizismen prägen die Sprache junger Menschen. Früher führte man unter Kolleginnen und Kollegen noch Telefonate, heute dominieren Video-Calls das Daily Business.

Vorbei sind die Zeiten, in denen schnörkelige Poesie eine der stilvollsten Ausdrucksformen war. Stattdessen kann Kommunikation heute durchaus nach Belieben auf Hashtags und Emojis verknappt beziehungsweise auf den Punkt gebracht sein.

Der Dialog zwischen Faust und Margarethe „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?“ wäre heute verkürzbar zu einem schlichten, aber präganten #bemine (= dt. sei mein), Gretchens Antwort „Bin weder Fräulein, weder schön, kann ungeleitet nach Hause gehn“ übersetzbar mit #neinheißtnein.

Ageismus: Wenn der Schein trügt

Kurze Sätze, Hashtags, Emojis – die effiziente Sprachökonomie junger Menschen verleitet zu vorschnellen Urteilen. Faul sei die heutige Jugend. Und noch mehr: Sie wolle nur die Vorteile der Arbeitswelt ohne Mühen auf sich zu nehmen. Alte Menschen mit ihrer antiquierten Sprache seien unmotiviert und keineswegs offen für Neues. Sie hielten stets an alt Bewährtem fest und stünden Neuerungen nur im Weg.

So ist es doch – oder? Darüber lässt sich nur eines sicher sagen: Derartige Vorurteile sind gelebter Ageismus, eine Form der Altersdiskriminierung, bei der Menschen aufgrund ihres Lebensalters negativ bewertet und ausgegrenzt werden.

Meist sind augenscheinlich alte Menschen betroffen, jedoch sehen sich teils auch junge Menschen aufgrund ihres Alters ausgegrenzt. Das Phänomen zieht sich auch durch die Arbeitswelt. Ein Bewusstsein für Altersdiskriminierung gibt allen Generationen die Möglichkeit, ihren bisherigen Umgang mit anderen Altersgruppen zu hinterfragen und Vorurteile aus der Welt zu schaffen. Es bietet die Gelegenheit, das Erscheinungsbild von Jung und Alt schlichtweg das sein zu lassen, was es ist: eine Erscheinung. Das Maß aller Dinge sollte stattdessen immer noch das sein, was ein Mensch für das Team leistet – zwischenmenschlich wie ergebnisbezogen.

Statt Alter zu diskriminieren, lieber Wissen transferieren

Ältere Menschen haben oft einen Erfahrungsschatz, von dem das gesamte Team profitieren kann. Mentoring-Programme bringen ganz bewusst Jung und Alt zusammen, schaffen einen Austausch auf Augenhöhe und sorgen für gegenseitiges Verständnis. In regelmäßig stattfindenden Gesprächsterminen teilen erfahrene Mitarbeitende ihr Wissen mit jüngeren Arbeitskräften und geben ihnen Orientierungshilfe in Karrierefragen.

Umgekehrt können sich Ältere beim Nachwuchs Tipps und Ideen einholen, beispielsweise im Umgang mit kollaborativen Cloud-Storage-Tools und anderen effizienten und kreativen Techtools.

Und sollten die Generationen nicht physisch, sondern remote aufeinandertreffen, gibt es glücklicherweise Tools, die authentisches Feedback oder unmittelbare Botschaften durch Screenshots, GIFs oder einfache Screen-Recordings wie bei Dropbox Capture ganz ohne direkt zeitraubende Meetings terminieren zu müssen, ermöglichen. Fazit: Geteiltes Wissen und offenes Feedback lässt das gesamte Team gemeinsam wachsen – über alle Altersstrukturen hinweg.

Jung versus Alt hat ausgedient

Auf der Suche nach kulturellen Rissen und Unterschieden zwischen der bestehenden und der zukünftigen Workforce, stößt man schnell auf so einiges. Sprachbarrieren, unterschiedliche Perspektiven und Altersdiskriminierung erschweren es den verschiedenen Generationen, in der Arbeitswelt reibungslos zusammenzuarbeiten. Dabei ist ein gutes Arbeitsklima keine romantische Träumerei, sondern eine greifbare Chance.

Für Unternehmen, die auch zukünftig konkurrenzfähig sein möchten, ist ein wertschätzendes Miteinander elementar – gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels. Offene Kommunikation, gegenseitiges Verständnis, ein wertschätzendes Miteinander und ein organisierter Wissenstransfer sind die Schlüssel für einen Wandel hin zu einer Betriebskultur, durch die Arbeitnehmende aus allen Altersgruppen gemeinsam an einem Strang ziehen.

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