Productivity & New Work Warum soziale Benachteiligung hauptsächlich ein finanzielles Problem ist

Warum soziale Benachteiligung hauptsächlich ein finanzielles Problem ist

Wolfgang Gründinger bezeichnet sich selbst als Possibilist: also als einen Menschen, der alles dafür tut, damit die Dinge besser werden. Er ist Chief Evangelist beim Startup Enpal, das Solaranlagen installiert und zu Deutschlands ersten grünen Unicorns gehört. Eine solche Top-Position zu erreichen, war für ihn alles anderes als selbstverständlich: Er gehört zu den ein Prozent der Arbeiterkinder, die einen Doktortitel haben.

Ob bei der Karriere alles möglich ist, unabhängig vom sozialen Background? „Möglich ist vieles“, sagt Gründinger. „Faktisch haben es Menschen ohne finanziell gut ausgestattetes Elternhaus deutlich schwieriger.“ Man sehe immer nur die Leute in der Öffentlichkeit, die es geschafft haben. Das seien aber die Ausnahmen. Survivorship Bias nennt sich das. „Dadurch glauben wir, dass alles für alle Menschen möglich ist, wenn sie es nur versuchen würden.“

Sozialer Aufstieg ist laut Gründinger auch eine Frage des Geldes. Als Arbeiterkind lebe man in einem Umfeld finanzieller Knappheit. Das Mindset „was andere tun, ist nichts für uns“, sei deswegen weit verbreitet. Man habe nun mal als Arbeiterkind einen anderen Habitus. „Man muss unglaublich viel Energie darauf aufwenden, dass man in anderen Milieus nicht negativ auffällt.“ Soziale Benachteiligung ist es für Gründinger dennoch nicht, sondern eine finanzielle.

Schafft man als Arbeiterkind den sozialen Aufstieg im Job doch, entwickelt sich eine hohe Loyalität dem Arbeitgeber gegenüber. Die Angst sei groß, den Status wieder zu verlieren. CEO und Gründer von Enpal, Mario Kohle, holte Gründinger zu Enpal. Kohle ist selbst Arbeiterkind. „Ich glaube es hat deswegen ganz gut zwischen uns harmoniert“, sagt er. „Die Bodenständigkeit merkt man jeden Tag in der Firma. Wir arbeiten viel und mit Disziplin und ohne, dass sich die Gründer auf Bühnen stellen und sich selbst abfeiern.“

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