Leadership & Karriere Pro & Contra: Muss ich meinem Arbeitgeber in harten Zeiten treu bleiben?

Pro & Contra: Muss ich meinem Arbeitgeber in harten Zeiten treu bleiben?

JA!

Aha. Jetzt zeigt sich, wer nur der vergünstigten Mitgliedschaft bei McFit wegen hier rumsitzt. Wer nur ein paar Monate lang das Jobrad abgreifen wollte. Wer lediglich noch die Mails mit den Corporate Benefits im Einzelhandel liest. Wer sich am Obstkorb bedient, das Toilettenpapier einsteckt, den Kaffeeautomaten leer trinkt – ohne für die Struktur zu brennen, die das alles ermöglicht hat. Ich jedenfalls nicht. Denn mich persönlich hat ja immer John F. Kennedys berühmter Demut-Talk abgeholt. Sprich: Nicht fragen, was die Organisation für einen tun kann; stattdessen sich fragen, was man selber für die Organisation leisten kann. Damit ging es Jahre später immerhin bis zum Mond, auch wenn Kennedy das dann leider nicht mehr erlebt hat.

Gut: Vielleicht habe ich das auch ein wenig zu sehr verinnerlicht. Schließlich habe ich oft genug Startup-Läden bis zum Ende die Treue gehalten, selbst noch, als schon die Dienstleister kamen, um wegen nicht bezahlter Rechnungen die gemieteten Büropflanzen abzuholen. Selbst, als vom einen auf den anderen Tag der gesamten Personalabteilung gekündigt wurde und niemand mehr da war, der mich dann entlassen konnte. Vielleicht hat mich gerade das an die harten Zeiten gefesselt: Im sonst nicht ereignisreichen Büroalltag waren das die Augenblicke, die man nie vergisst.

Harte Zeiten machen die besten Geschichten. Und wer keine Geschichten hat, ist ein armer Mensch. Auch wenn er im neuen, rundlaufenden Unternehmen viel verdient.

Alexander Langer

NEIN!

Ein prall gefüllter Obstkorb (in dem bitte nicht nur Zitronen liegen), eine Snackbox, die sich regelmäßig von selbst auffüllt, gekühltes Sprudelwasser und genug Hafermilch für den Kaffee: Dieser Gimmicks wegen bin ich ein Fan meines Arbeitgebers. Dieser Gimmicks wegen bleibe ich meinem Unternehmen treu. Punkt. Ach so, ja, ich meine, natürlich neben dem oberhammermäßigen Gehalt – das versteht sich von selbst. Können alle diese schmackhaften Dinge plötzlich nicht mehr gewährleistet werden, sehe ich keinen Grund, hier zu verweilen. Ja klar, „Loyalität bedeutet gegenseitiges Vertrauen“, „Loyalität basiert auf Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit“, „Auf loyale Menschen kann man sich verlassen“: Sätze, die man schon im frühen Kindesalter aus unterschiedlichen, vermeintlich vorbildhaften Positionen gehört hat. Bla, bla, bla. Ich habe es verstanden.

Und ich bin wirklich loyal: gegenüber meinen Freundinnen und Freunden, gegenüber meinem Team, gegenüber meiner Familie, gegenüber meinem Hund. Gegenüber meiner Nachbarin, obwohl sie mich mit ihrem Klavierträllern oft in den Wahnsinn treibt, gegenüber meiner vertrauten Späti-Dame. Aber ein Arbeitgeber ohne free Snacks? Pah, da verlässt mein loyales Ich schnurstracks meinen Körper.

No Snacks schreit nach Krise. Einer Krise, die von der Unternehmensspitze ausgeht. Einer Krise, für die ich nichts kann. Sorry, not sorry. Ich nehme jetzt die letzten Zitronen und Hafermilchreste an mich, und dann heißt es: Goodbye!

Tina Block

Da ist das Ding! Dieses Mal dreht sich in unserem Dossier alles um das Thema Immobilien und den Traum vom Eigenheim. Außerdem haben wir Netflix-Showrunnerin Anna Winger getroffen und die Brüder Ahmed und Mike Chaer, die deutsches Wrestling groß machen wollen. Viel Spaß beim Lesen! Hier gibt es das Magazin zum Bestellen.

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