Life & Style Caroline Nichols: „Den Foodwatch-Vorwurf der Verbrauchertäuschung müssen wir strikt von uns weisen“

Caroline Nichols: „Den Foodwatch-Vorwurf der Verbrauchertäuschung müssen wir strikt von uns weisen“

Auch in diesem Jahr hat Foodwatch fünf Produkte für den Negativ-Preis „Goldener Windbeutel“ nominiert. Verliehen wird er für die dreisteste Werbelüge des Jahres. Verbraucher:innen können eigenständig Produkte für die Nominierung einreichen. Stehen die fünf Produkte fest, kann für den Preis abgestimmt werden. Einer der Kandidaten in diesem Jahr ist 3Bears. Das Startup verkauft Porridge-Mischungen. Nominiert ist das Produkt „Kerniger Klassiker“. Vorwurf von Foodwatch: „Teure Täuschung: Es sind halt einfach Haferflocken“.

Das Startup reagierte auf Social Media direkt mit einem Statement. Im Interview hat uns 3Bears-Gründerin Caroline Nichols Fragen schriftlich beantwortet.

Caroline, ihr wurdet von Foodwatch für den Negativ-Preis „Goldener Windbeutel 2023“ nominiert und findet das ungerecht. Erzähl mal, was dich am meisten daran stört? 

Wo soll ich anfangen?

Ich schätze die Arbeit von Foodwatch wirklich sehr, echte Lebensmittelskandale aufzudecken, Lügen in der Food-Branche zu entlarven, ungesunde oder einfach schlechte Produkte den Verbraucher:Innen vor Augen führen.

Aber ein hochqualitatives Premium-Produkt, aufgrund des Premium-Preises und in unserem Fall der quasi „zu cleanen“ Zutatenliste zu kritisieren, das finde ich schlichtweg falsch und nicht gut recherchiert. In nahezu jeder Food-Kategorie gibt es Lebensmittel im Preiseinstieg, im mittleren Feld und im höheren Bereich. Hierbei bieten oft Eigenmarken der Supermarktketten den günstigsten Preis, da sie einen klaren Einkaufs- & Mengenvorteil haben oder auch oft der Strategie folgen, über niedrige Preise auf Grundnahrungsmitteln Kund:innen in den Laden zu bekommen. Markenartikel liegen meist im mittleren- und oberen Bereich. Das kennt man beispielsweise von Pasta. Es gibt Nudeln für wenige Cent bis hin zu über 5,99 Euro.

Kurzum: den Foodwatch-Vorwurf der Verbrauchertäuschung müssen wir strikt von uns weisen. Und wir finden es befremdlich auf dieser Liste zu stehen. Vor sieben Jahren haben mein Mann und ich unsere Jobs aufgegeben, um unserer Vision „gesunde, ehrliche, nachhaltige Lebensmittel“ zu folgen. Also gerade genau für das Gegenteil, dessen was Foodwatch bekämpft.

Es gibt bestimmt auch Stimmen à la: Foodwatch denkt sich keine Nominierungen aus und wählt diese bewusst.

Foodwatch reagierte auf unseren eigenen Instagram-Post zu dem Thema, dass sie den Verbraucher, welcher uns über eine bestimmte Online-Plattform nominiert hatte, genannt hat. Ob es nur dieser eine Verbraucher war, der uns vorgeschlagen hat, weiß ich nicht.  

Auf der anderen Seite wurdet ihr von der Lebensmittel Zeitung zur Top-Marke 2023 ausgezeichnet. 

Ja, diese Auszeichnung freut uns natürlich sehr. Übrigens: Für diesen Award, den bekanntesten der Lebensmittelindustrie, kann man sich nicht bewerben und er basiert komplett auf Daten des Verbraucherverhaltens. Um ihn zu gewinnen, muss man im Handel Wachstum zeigen, nicht nur über mehr Umsatz, denn das ginge ja auch über pure Preissteigerungen, sondern vor allem auch Jahr um Jahr mehr Käufer:innen für sich zu begeistern.

Und das ist für mich auch der entscheidende Punkt: Wir machen vieles richtig mit unseren Produkten und unserer Qualität. Um zum kritisierten Produkt, dem Kernigen Klassiker zurück zukommen: Es würde unsere Basis-Mischung ja gar nicht mehr geben, wäre sie nicht so beliebt bei unseren Kund:innen.

Auf Linkedin und Instagram habt ihr direkt Stellung dazu bezogen und erhaltet auch viel Zuspruch. Foodwatch hat euch auf Instagram in den Kommentaren geantwortet und den Preis dennoch kritisiert im Vergleich zu Bio-Haferflocken. Auch sagen die, dass eure Rechtfertigung für den Preis auf der Verpackung intransparent sei. Was sagst du dazu?

Foodwatch hat mehrmals den Vergleich zu der Eigenmarke eines Bio-Supermarktes gebracht. Wie oben beschrieben finde ich diesen Vergleich nicht ganz passend. Denn viele Supermarkt-Ketten haben die Stärke und Größe über kleine Preise auf solchen Grundnahrungsmitteln herauszustechen. Diese Strategie sehen wir ganz oft – eben auch bei Pasta und Brot. Ich stehe nach wie vor zu meinem Wort, dass unser Preis für unsere Basis-Porridge-Mischung absolut fair ist. Wir sind Experten in Sachen Premium-Porridge, all unsere Prozesse sind regional in Deutschland und wir verwenden Zutaten in höchster Qualität. Wir haben keine höheren Margen, wenn dann eher niedriger als in der Food-Branche üblich.

Unser Preis für unseren „Kernigen Klassiker“, der in der Kritik steht, ermittelt sich aus hochqualitativen Zutaten und Herkunft sowie Produktionsverfahren. Nicht nur unsere Haferflocken kommen aus dem Schwarzwald, sondern wir produzieren auch in Deutschland. Alle verarbeiteten Haferflocken beziehen wir seit Anfang an aus einer familiengeführten Hafermühle im Schwarzwald. Die gesamten Porridge-Mischungen, werden von unserem Produktionspartner am Bodensee hergestellt. Bei unserer Basis-Porridge-Mischung „Kerniger Klassiker“ sorgt gerade der Ursprung der Haferflocken, die Rezeptur und das besondere Produktionsverfahren für das Resultat: ein Premium-Porridge. Wenn wir also von „geheimer Mischung“ sprechen, beziehen wir uns auf die Vollkorn-Haferflocken verschiedener Mahlgrade und auch, dass beim Verfahren und bei der Herstellung eine Porridge-Mischung entsteht, die cremig und bissfest zugleich ist.

Dass unser Preis höher ist, als zum Beispiel die Eigenmarken der Discounter oder anderer Supermarkt-Ketten, kann an vielen Aspekten liegen. Herkunft der Zutaten, Ort der Produktion, Qualität, Abnahmemengen und so weiter. Übrigens: Seit es uns gibt, also seit sieben Jahren, kostet der Kernige Klassiker 3,99 Euro. Wir haben den Preis, das gilt auch für die anderen Sorten mit Frucht oder Kakao, nicht erhöht. Auch nicht im letzten Jahr, wo alle Hersteller Preiserhöhung durchführten. Sehr bewußt wollten wir den Verbrauchern das nicht zumuten, und haben dagegen eine Reduzierung der eigenen Marge, aufgrund der stark gestiegenen Rohstoffpreise, hingenommen.

Konntet ihr sonst mit Foodwatch reden? 

Wir sprechen noch diese Woche, vorher war leider kein Termin möglich und ich freue mich schon jetzt auf einen offenen und konstruktiven Austausch.

Sonst waren immer große Unternehmen nominiert. In diesem Jahr mit euch und YFood gleich zwei Startups. Was kann das für ein Startup bedeuten, für so einen Negativ-Preis nominiert zu sein, im Gegensatz zu einem großen Unternehmen?

Ich glaube das ist ganz individuell. Mir geht es hier auch gar nicht um „groß oder klein“. Mir war bewusst, dass ich mich als Unternehmerin und Gründerin in der Food-Branche den gleichen Herausforderungen, Chancen, Möglichkeiten, und aber auch Risiken stellen muss, wie die großen Companies. Ich muss ebenso die strengen Vorschriften der Lebensmittelbehörden erfüllen, ich muss ebenso für jeden Regalplatz kämpfen in den Supermärkten und unsere Produkte werde an den gleichen Kriterien gemessen. Das ist alles ok und dem stelle ich mich gern.

Was ich nicht verstehe und was mich enttäuscht, wenn es Ungerechtigkeiten gibt, völlig unerheblich von der Größe des Konzerns. Mein Mann Tim und ich sind Gründer geworden, um etwas zu verändern und zu bewegen. Wir verfolgen die Vision, das Leben vieler Menschen zu verbessern. Ohne den Kompromiss zwischen „gesund“ und „lecker“.

Wenn man dann zu Unrecht für einen solchen „Negativpreis“ nominiert wird, der eigentlich schlechte Lebensmittel aufzeigen sollte, mache ich mir schon Gedanken, was das für uns, als kleines Familienunternehmen, womöglich bedeuten kann. Aber ich hoffe, dass uns unsere Kund:innen treu bleiben und weiterhin unsere Innovationsprodukte schätzen. Möglicherweise werden auch neue Kund:innen durch diesen Wirbel neugierig. Denn das wäre doch das Beste aus der ganzen Geschichte: neue Menschen mit unserer Qualität und dem einzigartigen Geschmack begeistern.

Wie gehst du als Gründerin mit so einem „Rückschlag“ jetzt im Daily-Business um? 

Heute war mein erster Tag zurück im Office und damit „Daily Business“ nach unserem Familienurlaub. Leider ist die Meldung während unseres Urlaub an uns übermittelt worden, absolut schlechtes Timing. Wir als Team nehmen die Kritik sehr ernst, aber auch ein stückweit mit der richtigen Portion Gelassenheit. Unmittelbar nach der Bekanntgabe haben wir proaktiv auf Instagram, Facebook und auf unserer Website klar Stellung bezogen. Für uns ist maximale Transparenz wichtig. Wir verstecken uns nicht, üben uns nicht in Stillschweigen. Unser Tagesgeschäft geht natürlich ganz normal weiter. In diesem Jahr haben wir noch viel vor. Ich würde sogar sagen, dass ich jetzt noch motivierter bin als vorher. Und wir werden sicherlich detaillierter das Thema Aufklärung über Zutaten und Produktionsverfahren mit aufgreifen.

Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Was wollt ihr aufgrund der Kritik verändern? 

Foodwatch hat uns durch seine Nominierung nochmals bewußt gemacht, was das Besondere an uns ist: Unsere Mischungen sind unsere wirklichen USPs. Diese wollen wir jetzt noch stärker hervorheben – im Onlineshop können wir das natürlich schnell umsetzen. Es kam auch der Vorschlag, auf dem Packaging mehr in Bezug auf Herkunft, Verfahren und Mahlgrade einzugehen. Wir prüfen nun, ob und ab wann eine Anpassung der Verpackung möglich ist. Man kann immer noch besser werden, als man bisher war.

Das könnte dich auch interessieren

Endlich vorbei! Wie wir nach dem “Dry January” eifrig weiter trinken Life & Style
Endlich vorbei! Wie wir nach dem “Dry January” eifrig weiter trinken
Die Herausforderungen der Remote-Arbeit: Generation Z ist von Einsamkeit betroffen Life & Style
Die Herausforderungen der Remote-Arbeit: Generation Z ist von Einsamkeit betroffen
T-Mobile-Mitarbeiter klaut Nacktfotos von Kundin Life & Style
T-Mobile-Mitarbeiter klaut Nacktfotos von Kundin
Die Wahrheit über Deutschlands Sterne-Köche Life & Style
Die Wahrheit über Deutschlands Sterne-Köche
Der Mittelstand macht mehr Play hard Life & Style
Der Mittelstand macht mehr Play hard