Business & Beyond Sahin und Türeci verlassen Biontech – für die nächste mRNA-Revolution

Sahin und Türeci verlassen Biontech – für die nächste mRNA-Revolution

Die Biontech-Gründer steigen 2026 aus und starten ein neues Biotech-Unternehmen. Ihr Ziel: die nächste Generation mRNA-Medikamente entwickeln. Biontech erhält dafür Minderheitsbeteiligung und Lizenzgebühren.

Ugur Sahin und Özlem Türeci drehen der Firma den Rücken zu, die sie zu Milliardären machte. Ende 2026 verlassen die Biontech-Gründer das Mainzer Unternehmen, um ein neues Biotech-Projekt zu starten. Der Fokus: mRNA-Medikamente der nächsten Generation. Ihre Anteile an Biontech – derzeit rund 15 Prozent – behalten die beiden. Das ist kein Rückzug, sondern ein kalkulierter Neustart.

Vom Impfstoff-Imperium zum nächsten Kapitel

Die Eheleute gründeten Biontech 2008 mit einem klaren Ziel: Krebstherapien auf mRNA-Basis entwickeln. Die Corona-Pandemie änderte alles. Biontech gewann das Rennen um den ersten zugelassenen Covid-19-Impfstoff, gemeinsam mit Pfizer. Die Folge: Milliardenumsätze, globale Expansion und Auszeichnungen wie das Große Verdienstkreuz. Doch die Pandemie-Gewinne sind Geschichte.

Umsätze und Gewinne schrumpften deutlich, während die Forschung an Krebstherapien wieder in den Mittelpunkt rückt. Jetzt wollen Sahin und Türeci zurück zu den Wurzeln – aber mit neuem Unternehmen. Laut Bild soll das neue Biotech-Projekt Rechte und mRNA-Technologien von Biontech übernehmen. Im Gegenzug erhält Biontech eine Minderheitsbeteiligung, Lizenzgebühren und Meilensteinzahlungen bei Entwicklungsfortschritten. Die bindende Vereinbarung soll bis Mitte 2026 stehen.

Der Deal hinter dem Ausstieg

Biontech bleibt nicht mit leeren Händen zurück. Das Mainzer Unternehmen sichert sich finanziell ab: Minderheitsbeteiligung am neuen Projekt, laufende Lizenzeinnahmen und Zahlungen bei erreichten Entwicklungszielen. Das Impfstoffgeschäft läuft weiter, die Pipeline mit Krebsmedikamenten bleibt unangetastet. Bis 2030 plant Biontech mehrere Zulassungsanträge für Onkologie-Therapien – das einzige Produkt am Markt ist bisher das Covid-Vakzin.

Der Aufsichtsrat hat bereits die Nachfolgersuche gestartet. Aufsichtsratschef Helmut Jeggle betont laut Focus, man unterstütze die Entscheidung der Gründer, ihre Stärken einem neuen Unternehmen zu widmen. Für Sahin und Türeci ist es nach Ganymed Pharmaceuticals (2001) und Biontech (2008) die dritte Firmengründung. Details zum neuen Unternehmen – Name, Standort, Rechtsform – bleiben vorerst geheim. Sicher ist: Es wird keine Biontech-Tochter.

Vom Ford-Werk zur Biotech-Elite

Beide sind Kinder türkischer Einwanderer. Sahin kam mit vier Jahren nach Köln, sein Vater arbeitete bei Ford. Türeci wuchs im niedersächsischen Cloppenburg auf, ihr Vater war Arzt. Sie lernten sich während der medizinischen Ausbildung in Homburg kennen und gingen später gemeinsam nach Mainz.

Ihre Karriere: von der Uniklinik zur globalen Biotech-Elite. Die Ankündigung kommt Monate nach der Curevac-Übernahme. Biontech schluckte den Tübinger Konkurrenten, nachdem beide ihren Patentstreit um Corona-Impfstoffe beigelegt hatten. Ein strategischer Schachzug, der die deutsche Biotech-Landschaft neu ordnete.

Business Punk Check

Sahin und Türeci verlassen Biontech auf dem Höhepunkt – oder kurz danach. Die Pandemie-Milliarden sind verbrannt, die Krebstherapie-Pipeline liefert noch keine zugelassenen Produkte. Jetzt wollen sie die nächste mRNA-Generation entwickeln, während Biontech mit schrumpfenden Umsätzen kämpft. Kluger Move oder Flucht nach vorn? Die Wahrheit: Biontech sitzt auf einem einzigen kommerziellen Produkt. Bis 2030 sollen Krebsmedikamente folgen – ein ambitioniertes Ziel in einer Branche, wo Zulassungen Jahre dauern und scheitern können.

Die Gründer sichern sich ab: 15 Prozent Biontech-Anteile, Minderheitsbeteiligung am neuen Projekt, Lizenzgebühren. Finanziell clever, aber riskant für Biontech-Investoren. Was bedeutet das für die deutsche Biotech-Szene? Sahin und Türeci beweisen, dass Serial Entrepreneurship auch in der Pharmabranche funktioniert. Ihr Track Record spricht für sich: zwei erfolgreiche Exits, ein Pandemie-Impfstoff, globale Anerkennung. Aber mRNA-Medikamente jenseits von Impfstoffen sind Neuland. Die Technologie ist da, die klinischen Beweise fehlen noch. Wer jetzt auf das neue Projekt setzt, wettet auf Pioniergeist – nicht auf sichere Rendite.

Häufig gestellte Fragen

Warum verlassen Sahin und Türeci Biontech jetzt?

Die Gründer wollen die nächste Generation mRNA-Medikamente entwickeln – jenseits von Impfstoffen. Biontech konzentriert sich auf Krebstherapien und das Covid-Vakzin-Geschäft, während Sahin und Türeci mit einem neuen Unternehmen experimentellere Ansätze verfolgen. Ihre Dienstverträge enden Ende 2026, der Zeitpunkt ist strategisch gewählt: Biontech ist operativ stabil, die Nachfolge kann geordnet ablaufen.

Was passiert mit den Biontech-Aktien der Gründer?

Sahin und Türeci behalten ihre rund 15 Prozent Biontech-Anteile. Sie bleiben also finanziell am Erfolg des Mainzer Unternehmens beteiligt, während sie parallel ihr neues Biotech-Projekt aufbauen. Diese Doppelstrategie sichert sie ab und zeigt Vertrauen in beide Unternehmen.

Welche Technologien gehen an das neue Unternehmen?

Biontech überträgt bestimmte mRNA-Rechte und Technologien an das neue Projekt. Im Gegenzug erhält Biontech eine Minderheitsbeteiligung, Lizenzgebühren und Meilensteinzahlungen. Die genauen Details bleiben vertraulich, die bindende Vereinbarung soll bis Mitte 2026 abgeschlossen sein.

Wie wirkt sich der Ausstieg auf Biontech-Investoren aus?

Kurzfristig könnte der Gründer-Abgang Unsicherheit schaffen. Langfristig hängt alles von der Nachfolge und der Krebstherapie-Pipeline ab. Biontech plant bis 2030 mehrere Zulassungsanträge für Onkologie-Medikamente – gelingt das, ist der Gründer-Ausstieg verkraftbar. Scheitern die Zulassungen, wird es eng.

Was bedeutet das für die deutsche Biotech-Branche?

Sahin und Türeci setzen ein Signal: Serial Entrepreneurship funktioniert auch in der Pharmabranche. Nach Ganymed Pharmaceuticals und Biontech folgt jetzt das dritte Projekt. Ihr Erfolg könnte andere Biotech-Gründer ermutigen, nach einem Exit nicht in den Ruhestand zu gehen, sondern weiterzumachen. Die deutsche Biotech-Szene braucht genau diese Mentalität.

Quellen: Focus, Bild

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