Drive & Dreams Honda stoppt E-Autos: Rückzug aus der Zukunft?

Honda stoppt E-Autos: Rückzug aus der Zukunft?

Honda stoppt mehrere Elektroauto-Projekte – und sorgt damit für Stirnrunzeln in der Branche. Während die Autoindustrie gerade massiv auf Stromantrieb und Software setzt, zieht sich der japanische Hersteller zurück. Kritiker warnen: Das könnte Honda langfristig teuer zu stehen kommen.

Rückzug aus der Elektrozukunft

Es ist keine leichte Zeit für traditionelle Autobauer, Elektroautos zu verkaufen: staatliche Förderungen werden gekürzt, gleichzeitig wächst der Druck durch chinesische Hersteller. Doch Honda geht nun einen besonders radikalen Schritt. Der Konzern beendet mehrere seiner ohnehin überschaubaren Elektroauto-Programme – und damit womöglich auch seine Chancen, im globalen Wettbewerb der Zukunft mitzuhalten. Als Gründe nennt das Unternehmen unter anderem US-Zölle und den starken Wettbewerb aus China. Doch Beobachter sehen das Problem tiefer: Honda hatte nie eine wirklich überzeugende Elektrostrategie. Der Rückzug begann mit der Einstellung der Entwicklung des elektrischen Acura RDX sowie der Modelle Honda 0 Sedan und Honda 0 SUV – eigentlich die ersten von Grund auf neu entwickelten Elektroautos des Unternehmens. Kurz darauf wurde auch bekannt, dass die Produktion des Honda Prologue gestoppt werden soll, eines Elektroautos, das im Grunde von General Motors entwickelt und gebaut wurde.

Verpasste Chancen bei Elektroautos

Viele traditionelle Hersteller betrachten Elektroautos immer noch als gewöhnliche Autos mit anderem Antrieb. Die Vorstellung dahinter: Man wartet die Übergangsphase ab und ersetzt später einfach Motor und Tank durch Batterie und Elektromotor. Doch diese Strategie hat sich häufig als Fehler erwiesen. Fahrzeuge, die ursprünglich für Verbrennungsmotoren konstruiert wurden, funktionieren mit Batterien oft schlechter – sie sind schwerer, ineffizienter und teurer zu produzieren. Wird ein Elektroauto hingegen von Anfang an als solches entwickelt, eröffnet das neue Möglichkeiten beim Design, bei der Effizienz und bei den Produktionskosten. Beispiele zeigen, wie wichtig solche Entscheidungen sind: Der Ford Mustang Mach-E verkauft sich zwar gut, bringt dem Hersteller aber wenig Gewinn. Ein Grund liegt laut Ford-Chef Jim Farley in alten Konstruktionsentscheidungen – etwa einem Kabelbaum, der rund 30 Kilogramm schwerer ist als bei Tesla. Solche Details summieren sich schnell zu einem Kostennachteil. Indem Honda seine Projekte stoppt, verliert das Unternehmen auch wichtige Lernchancen: Erfahrung in Entwicklung und Produktion, neue Lieferketten für Batterien und Elektronik – und vor allem wertvolles Feedback von Kunden darüber, was sie an Elektroautos wirklich schätzen.

Die zweite Revolution: Software im Auto

Neben dem elektrischen Antrieb verändert noch ein zweiter Trend die Branche grundlegend: das softwaredefinierte Fahrzeug. Dabei werden zentrale Funktionen eines Autos durch Software gesteuert und können über Updates verbessert oder erweitert werden. Kunden, die Fahrzeuge von Tesla, Rivian oder chinesischen Herstellern fahren, haben sich bereits an regelmäßige Updates, leistungsfähige Infotainment-Systeme und moderne Assistenzfunktionen gewöhnt. In diesem Bereich hat Honda bislang kaum Fortschritte gemacht. Zwar könnten solche Fahrzeuge theoretisch auch mit Verbrennungsmotor funktionieren. In der Praxis gehen Softwareplattformen und Elektroautos jedoch oft Hand in Hand: Die großen Batterien liefern genug Energie für leistungsstarke Computer, und Updates lassen sich bequem „over the air“ installieren, während das Auto steht. Für Honda wäre der Aufbau solcher Systeme auf Basis klassischer Fahrzeuge möglich – doch das würde enorme Investitionen erfordern. Stattdessen setzt das Unternehmen weiterhin stark auf bestehende Technologien.

Identitätskrise eines Traditionsherstellers

Das Problem geht jedoch noch tiefer. Honda war jahrzehntelang vor allem für eines bekannt: hervorragende Verbrennungsmotoren. Genau dieses Alleinstellungsmerkmal verliert nun an Bedeutung. Auch andere Markenwerte geraten unter Druck. Honda galt lange als Hersteller sportlicher, leichter und effizienter Fahrzeuge – klassische „Driver’s Cars“. Doch wenn Autos zunehmend autonom fahren, verliert dieser Ansatz an Relevanz. Hinzu kommt, dass der Markt für fahrerorientierte Fahrzeuge ohnehin begrenzt ist. Die meisten Käufer entscheiden sich für Honda, weil die Autos zuverlässig und vergleichsweise günstig sind. Doch Elektroautos versprechen grundsätzlich höhere Zuverlässigkeit als Verbrenner – und mit sinkenden Batteriepreisen könnten sie auch günstiger werden. Vor allem chinesische Hersteller zeigen bereits, wie schnell Kosten im Elektrosegment fallen können.

Warnsignal aus China

Die Folgen dieser Entwicklung zeigen sich bereits auf dem größten Automarkt der Welt. Honda räumte in seinem jüngsten Geschäftsbericht ein, dass seine Fahrzeuge in China nicht mehr ausreichend konkurrenzfähig sind. Neue Elektroautohersteller bieten dort mehr Ausstattung und Technologie für den Preis. Das Ergebnis: sinkende Marktanteile und erhebliche Verluste – zuletzt rund 16 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Ohne eine klare Strategie für Elektroautos könnte sich dieses Szenario bald auch in anderen Regionen wiederholen. Die entscheidende Frage lautet daher: Wenn die Branche immer elektrischer und softwaregetriebener wird – wofür steht Honda dann künftig eigentlich noch?

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