Work & Winning ifo-Umfrage entlarvt: Jede zwölfte Firma sieht das Ende – 8,1 Prozent in Existenzangst

ifo-Umfrage entlarvt: Jede zwölfte Firma sieht das Ende – 8,1 Prozent in Existenzangst

8,1 Prozent aller deutschen Unternehmen fürchten um ihre Existenz – Rekordwert laut ifo-Institut. Gastgewerbe und Einzelhandel besonders betroffen. Energiekosten, Bürokratie und Billigkonkurrenz treiben Firmen in die Krise.

Das ifo-Institut liefert mit seiner aktuellen Umfrage eine Zahl, die aufhorchen lässt: 8,1 Prozent aller befragten Unternehmen bangen um ihr Überleben. Besonders dramatisch zeigt sich die Lage im Gastgewerbe, wo fast jeder fünfte Betrieb nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll. Die Krise ist längst keine abstrakte Gefahr mehr – sie sitzt in den Bilanzen, Liquiditätsplänen und Entlassungslisten deutscher Firmen.

Gastgewerbe und Einzelhandel am Abgrund

Hotels, Restaurants und Pensionen kämpfen mit einer toxischen Mischung: 20 Prozent der Betriebe im Gastgewerbe sehen ihre Existenz akut gefährdet. Hohe Energie- und Betriebskosten treffen auf ausbleibende Gäste. Investitionen werden verschoben, Neueinstellungen gestrichen.

Im Einzelhandel sieht es kaum besser aus – 17,4 Prozent der Händler fürchten das Ende, so Bild. Online-Giganten wie Temu und Shein sowie Billiganbieter aus dem Ausland setzen stationären Geschäften massiv zu. „Viele müssen mehr für Benzin ausgeben und haben deshalb kein Geld für gerade nicht notwendige Ausgaben„, erklärt ifo-Experte Klaus Wohlrabe die Kaufzurückhaltung der Verbraucher.

Dienstleister und Industrie unter Druck

In der Werbe- und Marktforschungsbranche liegt der Anteil bedrohter Firmen bei 14,3 Prozent. Zeitarbeitsfirmen und Personalagenturen trifft es noch härter – hier fürchtet mehr als jeder fünfte Betrieb um seine Zukunft. Kunden kürzen Budgets, Aufträge bleiben aus.

Wohlrabe warnt: „Besonders schwierig könnte es für Jobs sein, wo die KI viel automatisieren kann.“ Industrie und Baugewerbe verzeichnen mit rund 7 bis 9 Prozent zwar niedrigere Werte, doch auch hier wirken Energiekosten, Rohstoffpreise und internationale Konkurrenz verheerend. Lieferkettenprobleme lösen Dominoeffekte aus, zurückhaltende Banken verschärfen die Unsicherheit.

Zu spät reagiert, zu lange gezögert

Viele Insolvenzen wären vermeidbar gewesen – hätten Unternehmen früher gehandelt. Unternehmensberater beobachten, dass Betriebe erst reagieren, wenn die Krise bereits da ist.

Wirtschaftswissenschaftler Henning Werner von der EBS-Universität Oestrich-Winkel bringt es auf den Punkt: Insolvenzen könnten vermieden werden, „wenn sich die verantwortlichen Organe frühzeitiger und konsequenter mit diesen Themen befasst hätten“, schreibt Tagesschau. Fehlende Aufträge, steigende Kosten und ausufernde Bürokratie belasten alle Sektoren. Wenn Kunden wegbrechen oder Aufträge stornieren, trifft das Zulieferer und Dienstleister mit voller Wucht.

Geopolitik verschärft die Lage

Die wirtschaftliche Anspannung spiegelt sich auch an den Aktienmärkten wider. Gescheiterte Friedensbemühungen im US-Iran-Konflikt drücken den DAX deutlich ins Minus. „Nach wie vor ist unklar, wie die auf beiden Seiten bestehenden Maximalforderungen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden sollen“, analysiert Jochen Stanzl, Chefanalyst der Consorsbank.

Klaus Wohlrabe vom ifo-Institut sieht wenig Grund für Optimismus: „Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Die Insolvenzzahlen dürften vor dem Hintergrund der geopolitischen Unsicherheit in den kommenden Monaten auf einem hohen Niveau bleiben“, so der Leiter der ifo-Umfragen laut Tagesschau.

Business Punk Check

Die ifo-Zahlen offenbaren eine unbequeme Wahrheit: Deutschland hat ein strukturelles Problem, keine vorübergehende Delle. Wer jetzt noch von Konjunkturschwäche redet, verschleiert die Realität. Energiekosten, Bürokratie und internationale Wettbewerbsnachteile sind keine temporären Störfaktoren – sie sind systemisch. Die Branchen mit den höchsten Existenzängsten zeigen, wo Deutschland wirtschaftspolitisch versagt hat: Gastgewerbe und Einzelhandel leiden unter Kostenexplosionen und fehlender Kaufkraft, während asiatische Billiganbieter den Markt fluten. Die Werbebranche kämpft gegen KI-Automatisierung, Industrie und Bau gegen globale Konkurrenz. Was bedeutet das für Entscheider?

Wer jetzt noch auf den Aufschwung wartet, verschwendet wertvolle Zeit. Restrukturierung, Kostenoptimierung und Geschäftsmodell-Anpassung sind keine Optionen mehr – sie sind Überlebensbedingungen. Die Frage ist nicht, ob die Krise vorbeigeht, sondern wer sie überlebt. Unternehmen, die frühzeitig handeln, haben eine Chance. Der Rest wird Teil der Insolvenzstatistik.

Welche Branchen sind am stärksten von Existenzängsten betroffen?

Das Gastgewerbe führt mit 20 Prozent bedrohter Betriebe, gefolgt vom Einzelhandel mit 17,4 Prozent. Werbe- und Marktforschungsagenturen sowie Zeitarbeitsfirmen liegen bei 14,3 bis über 20 Prozent. Industrie und Baugewerbe verzeichnen mit rund 7 bis 9 Prozent niedrigere, aber dennoch kritische Werte.

Warum reagieren Unternehmen zu spät auf die Krise?

Viele Betriebe handeln erst, wenn die Krise bereits akut ist. Unternehmensberater und Experten wie Henning Werner kritisieren, dass Führungskräfte Warnsignale ignorieren und notwendige Restrukturierungen verzögern. Frühzeitiges Handeln könnte zahlreiche Insolvenzen verhindern.

Welche Rolle spielt die internationale Konkurrenz?

Billiganbieter aus Asien, Online-Plattformen wie Temu und Shein sowie hohe Energie- und Rohstoffkosten setzen deutsche Unternehmen massiv unter Druck. Exportorientierte Branchen leiden zusätzlich unter Wettbewerbsnachteilen gegenüber asiatischen Konkurrenten, die von niedrigeren Produktionskosten profitieren.

Wie wirkt sich die Krise auf den Arbeitsmarkt aus?

Neueinstellungen werden gestoppt, Investitionen verschoben. Besonders gefährdet sind Jobs in Bereichen, die durch KI automatisierbar sind. Klaus Wohlrabe warnt, dass sich die Lage erst bessert, wenn die Wirtschaft wieder anzieht – bis dahin bleibt die Jobunsicherheit hoch.

Was können Unternehmen jetzt tun, um zu überleben?

Restrukturierung, Kostenoptimierung und Geschäftsmodell-Anpassung sind keine Optionen mehr, sondern Überlebensbedingungen. Unternehmen müssen frühzeitig handeln, Liquidität sichern und sich auf veränderte Marktbedingungen einstellen. Wer jetzt noch auf den Aufschwung wartet, riskiert die Insolvenz.

Quellen: Tagesschau, Bild

Das könnte dich auch interessieren