Business & Beyond Iran-Deal oder Wahlkampf-Manöver? Trump will die Ölpreise drücken

Iran-Deal oder Wahlkampf-Manöver? Trump will die Ölpreise drücken

Trump braucht billigeres Benzin für die Midterms – und verschiebt dafür das Atomproblem auf später. Warum dieser Deal cleverer ist, als Kritiker glauben. Und warum er trotzdem scheitern könnte.

Donald Trump hat ein Problem, das jeder amerikanische Autofahrer an der Zapfsäule spürt: Benzin kostet 4,50 Dollar pro Gallone – so viel wie zuletzt beim Ukraine-Kriegsausbruch vor vier Jahren. Der Schuldige diesmal: sein eigener Krieg gegen den Iran, den er im Februar gemeinsam mit Benjamin Netanjahu begonnen hat, wie das Handelsblatt berichtet.

Jetzt, knapp sechs Monate vor den Midterms, braucht Trump dringend eine Lösung. Die Straße von Hormus muss wieder auf, die Ölpreise müssen runter. Dumm nur: Was gerade als „Friedensabkommen“ verkauft wird, könnte das eigentliche Problem nur vertagen.

Warum Trump jetzt verhandelt – und was er verschweigt

Die USA und der Iran haben sich laut Trump „weitgehend“ auf eine Absichtserklärung geeinigt. Kernpunkt: Die Straße von Hormus wird wieder für Öltanker geöffnet, im Gegenzug beenden die USA ihre Seeblockade. Der Iran soll zudem sein hochangereichertes Uran abgeben. Klingt nach Win-Win? Nicht ganz. Denn wie ein US-Regierungsvertreter laut WirtschaftsWoche einräumen, geht es bei den aktuellen Gesprächen ausdrücklich NICHT um das Atomprogramm.

Das Nuklearproblem wird lediglich „zeitlich begrenzt“ verhandelt – sprich: aufgeschoben. Trumps Kalkül ist durchschaubar: Billigeres Benzin vor den Wahlen, echte Lösungen später. Außenminister Marco Rubio bestätigte diese Strategie indirekt, als er von „sehr realen, bedeutenden, zeitlich begrenzten Verhandlungen über die Atomfrage“ sprach. Der Iran spielt mit – vorerst. Teherans Außenministeriumssprecher Esmaeil Baghaei machte klar: „Wir diskutieren derzeit keine Nuklearfragen.“ Stattdessen fordert der Iran die Aufhebung westlicher Sanktionen und die Freigabe eingefrorener Öleinnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe.

Die Stolpersteine: Israel, Gebühren und regionale Milizen

Während die Ölmärkte bereits positiv reagierten – die Preise fielen am Montag um vier Prozent auf ein Zwei-Wochen-Tief – bleiben zentrale Streitpunkte ungelöst. Trump verknüpfte ein Iran-Abkommen auf Truth Social mit einer Bedingung, die Teheran kaum schlucken wird: Saudi-Arabien, Katar und alle anderen arabischen Staaten sollen dem Abraham-Abkommen zur Anerkennung Israels beitreten. „Sofort“, so Trump. Zusätzlich brodelt es beim Thema Durchfahrtsgebühren. Der Iran will künftig Geld für die Passage durch Hormus verlangen – offiziell keine „Gebühr“, sondern ein „normaler Preis für erbrachte Dienstleistungen“.

Die USA lehnen das ab. Und dann ist da noch die Sache mit den regionalen Milizen: Israel will, dass der Iran seine Unterstützung für die Hisbollah im Libanon einstellt. Teheran denkt nicht daran.

Business Punk Check

Trumps Iran-Deal ist das perfekte Beispiel für kurzfristiges Krisenmanagement mit langfristigen Nebenwirkungen. Der Präsident kauft sich mit einem halben Deal Zeit bis zu den Midterms, senkt die Benzinpreise und verkauft das als außenpolitischen Erfolg. Das Atomproblem verschwindet damit aber nicht – es verschiebt sich nur in eine zweite Verhandlungsrunde, deren Ausgang völlig offen ist. Die eigentliche Frage lautet: Kann Trump den Iran nach den Wahlen nochmal an den Tisch zwingen?

Oder sitzt Teheran dann am längeren Hebel, weil die Sanktionen aufgehoben und Milliarden freigegeben wurden? Kritiker nennen das einen „schwachen Deal“. Realisten sehen einen pragmatischen Schachzug eines Präsidenten, der weiß, dass Politik in Wahlzyklen funktioniert, nicht in Problemlösungen. Für Investoren bedeutet das: kurzfristige Entspannung am Ölmarkt, mittelfristige Unsicherheit bei allem, was mit Iran-Exposition zu tun hat. Und langfristig? Bleibt die Atombombe ein Damoklesschwert über der gesamten Region.

Häufig gestellte Fragen

Warum verhandelt Trump gerade jetzt mit dem Iran?

Die Benzinpreise in den USA liegen bei 4,50 Dollar pro Gallone – dem höchsten Stand seit vier Jahren. Mit den Midterms im November steigt der innenpolitische Druck. Trump braucht eine Entspannung am Ölmarkt, um nicht bei den Zwischenwahlen abgestraft zu werden.

Was beinhaltet die mögliche Einigung?

Kernpunkte sind die Wiedereröffnung der Straße von Hormus für Öltanker und die Beendigung der US-Seeblockade. Der Iran soll hochangereichertes Uran abgeben. Das eigentliche Atomprogramm wird jedoch nur „zeitlich begrenzt“ verhandelt – also faktisch vertagt.

Welche Hindernisse könnten den Deal noch verhindern?

Trump fordert die Anerkennung Israels durch arabische Staaten als Vorbedingung. Der Iran will Durchfahrtsgebühren für Hormus und die Aufhebung aller Sanktionen. Israel verlangt ein Ende der iranischen Hisbollah-Unterstützung. Diese Positionen liegen weit auseinander.

Was bedeutet das für die Ölmärkte?

Kurzfristig positive Signale: Die Ölpreise fielen bereits um vier Prozent. Bei einer tatsächlichen Einigung würde die Entspannung anhalten. Mittelfristig bleibt Unsicherheit, da das Atomproblem ungelöst bleibt und jederzeit wieder eskalieren könnte.

Quellen: WirtschaftsWoche, Handelsblatt

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