Tech & Trends Zündet China die nächste Stufe und skaliert KI jetzt sogar unter Wasser?

Zündet China die nächste Stufe und skaliert KI jetzt sogar unter Wasser?

China versenkt das weltweit erste kommerzielle Rechenzentrum im Ozean. 2.000 Server in 35 Metern Tiefe, gekühlt vom Meer, betrieben mit Windkraft. Kostenpunkt: 200 Millionen Euro. Aber funktioniert das wirklich?

China versenkt das weltweit erste kommerzielle Rechenzentrum im Ozean. 2.000 Server in 35 Metern Tiefe, gekühlt vom Meer, betrieben mit Windkraft. Kostenpunkt: 200 Millionen Euro. Aber funktioniert das wirklich?

Shanghai Hailanyun Technology hat im Juni 2025 vollbracht, woran Microsoft vor einem Jahrzehnt scheiterte: Ein vollwertiges Rechenzentrum liegt nun 35 Meter unter der Wasseroberfläche vor Shanghais Küste. 192 Server-Racks auf vier Ebenen, 24 Megawatt Leistung, hauptsächlich für KI-Anwendungen. Die Investition von 200 Millionen Euro könnte die Antwort auf ein Problem sein, das die Tech-Industrie zunehmend in Bedrängnis bringt.

Wenn Rechenzentren Regionen austrocknen

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Jedes ChatGPT-Gespräch verschlingt 500 Milliliter Wasser zur Kühlung. Hochgerechnet auf Millionen Anfragen täglich wird klar, warum Regionen weltweit an ihre Grenzen stoßen. Klassische Datencenter errichten riesige Kühltürme, die oft Trinkwasser verwenden. Der chinesische Ansatz dreht das Konzept um: Statt Wasser zum Rechenzentrum zu pumpen, bringt man die Server zum Wasser.

Das Unterwassermodul sitzt direkt in einem Offshore-Windpark. Die Energieversorgung erfolgt über Windkraft, die Kühlung übernimmt das Meer. Der PUE-Wert liegt bei 1,15 – deutlich effizienter als die 1,5 vergleichbarer Anlagen an Land, so Der Standard. Die 2.000 Server verarbeiten nicht nur KI-Anfragen, sondern sollen auch 5G-Infrastruktur unterstützen.

Salzwasser gegen Silizium

Die technischen Herausforderungen sind erheblich. Korrosion durch Salzwasser, permanenter Wasserdruck und die Unmöglichkeit schneller Reparaturen erfordern eine völlig neue Infrastruktur. Shanghai Hailanyun setzt auf modulare Redundanz und permanente Fernüberwachung. Jeder Ausfall eines Moduls muss kompensierbar sein, ohne dass Taucher eingreifen müssen.

Microsoft testete zwischen 2014 und 2016 ein ähnliches Konzept vor der schottischen Küste. Das Projekt zeigte vielversprechende Ergebnisse bei der Energieeffizienz, wurde aber nicht kommerziell weiterverfolgt. Die Gründe blieben vage – vermutlich überwogen Wartungskosten und technische Risiken den Nutzen, wie Futurezone berichtet.

Chinas Datenstrategie unter Wasser

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. China baut seine KI-Infrastruktur massiv aus und sucht nach Lösungen, die weder Trinkwasserreserven belasten noch lokale Stromnetze überfordern. Das Unterwasser-Rechenzentrum ist ein Testballon für eine mögliche Skalierung. Wenn das Konzept funktioniert, könnten weitere Module folgen – entlang der gesamten Küste.

Die Investition von 200 Millionen Euro erscheint hoch, relativiert sich aber durch eingesparte Betriebskosten. Keine Klimaanlagen, kein Wasserverbrauch, keine teuren Grundstücke in Ballungsräumen. Die entscheidende Frage bleibt: Wie lange hält die Technik unter Wasser durch, bevor Salzwasser und Druck ihren Tribut fordern?

Business Punk Check

Chinas Unterwasser-Rechenzentrum ist mehr als ein Tech-Experiment – es ist ein strategischer Schachzug im globalen KI-Rennen. Während westliche Konzerne über Wasserknappheit diskutieren, schafft China Fakten am Meeresgrund. Der PUE-Wert von 1,15 ist beeindruckend, aber die wahre Bewährungsprobe kommt erst: Wie wartungsintensiv wird das System nach zwei, drei Jahren Dauerbetrieb? Microsoft zog sich aus gutem Grund zurück. Unterwasser-Reparaturen sind teuer, zeitaufwendig und riskant.

Shanghai Hailanyun setzt auf modulare Redundanz – klingt gut, bedeutet aber auch: Wenn ein Modul ausfällt, bleibt es erstmal liegen. Die Frage ist nicht, ob Ausfälle kommen, sondern wie viele das System verkraftet, bevor die Gesamtrechnung kippt. China testet auf eigenes Risiko und mit staatlicher Rückendeckung. Westliche Unternehmen sollten die Langzeitdaten abwarten, bevor sie 200 Millionen versenken – im wahrsten Sinne. Die Technologie hat Potenzial, aber der Business Case steht auf wackligen Beinen, solange Wartungskosten und Ausfallraten Schätzungen bleiben.

Häufig gestellte Fragen

Warum baut China Rechenzentren unter Wasser statt an Land?

Klassische Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen Wasser zur Kühlung – pro ChatGPT-Gespräch etwa 500 Milliliter. Unterwasser-Rechenzentren nutzen die natürliche Meerwasserkühlung und sparen dadurch Energie und Trinkwasser. Zusätzlich kann die direkte Anbindung an Offshore-Windparks die Stromversorgung nachhaltiger gestalten. Der PUE-Wert von 1,15 zeigt: Das Konzept ist energetisch effizienter als herkömmliche Anlagen.

Wie wartungsintensiv sind Unterwasser-Rechenzentren wirklich?

Das ist die Millionenfrage. Salzwasser und permanenter Druck setzen der Hardware zu, Reparaturen erfordern Tauchgänge oder Bergungen. Shanghai Hailanyun setzt auf modulare Redundanz und Fernüberwachung, um Ausfälle zu kompensieren. Langzeitdaten fehlen noch – Microsoft stellte sein Projekt nach wenigen Jahren ein, vermutlich wegen zu hoher Wartungskosten. Die nächsten zwei Jahre werden zeigen, ob das chinesische Modell wirtschaftlich trägt.

Lohnt sich die Investition von 200 Millionen Euro?

Auf dem Papier ja: Keine Klimaanlagen, kein Wasserverbrauch, günstige Windenergie. Die Gesamtrechnung steht aber erst, wenn klar ist, wie oft Module ausfallen und was Reparaturen kosten. Für staatlich geförderte Projekte wie in China mag das Risiko vertretbar sein. Westliche Unternehmen sollten abwarten, bis belastbare Betriebsdaten vorliegen, bevor sie ähnliche Summen versenken.

Welche Rolle spielt das Projekt in Chinas KI-Strategie?

China baut seine KI-Infrastruktur massiv aus und braucht Lösungen, die weder Trinkwasser noch lokale Stromnetze überlasten. Das Unterwasser-Rechenzentrum ist ein Testballon für mögliche Skalierung entlang der gesamten Küste. Gelingt das Experiment, könnte China einen technologischen Vorsprung bei nachhaltiger Rechenleistung aufbauen – ein strategischer Vorteil im globalen KI-Wettlauf.

Warum scheiterte Microsofts Unterwasser-Projekt?

Microsoft testete zwischen 2014 und 2016 ein ähnliches Konzept vor Schottland, stellte es aber nicht kommerziell weiter. Die offiziellen Gründe blieben vage, wahrscheinlich überwogen Wartungskosten und technische Risiken den Nutzen. Chinas Ansatz setzt auf größere Module und staatliche Rückendeckung – ob das ausreicht, um Microsofts Probleme zu lösen, wird sich zeigen.

Quellen: Derstandard, Futurezone

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