Female & Forward Mit 15 Abitur, mit 26 Professorin: Diese Frau erforscht, ob wir KI vertrauen dürfen

Mit 15 Abitur, mit 26 Professorin: Diese Frau erforscht, ob wir KI vertrauen dürfen

Mit 26 Professorin, mit 30 Gründerin: Alicia von Schenk untersucht, ob Menschen KI-Systemen vertrauen können. Ihre Forschung entscheidet, ob Milliarden-Investitionen scheitern oder sich auszahlen.

Alicia von Schenk machte ihr Abitur, als andere noch Klassensprecher wurden, promovierte mit 25 summa cum laude und wurde mit 26 zu Deutschlands wohl jüngster Professorin. Ihr Thema ist ausgerechnet die Frage, die gerade die ganze Wirtschaft umtreibt: Können wir Maschinen vertrauen?

Es gibt Lebensläufe, bei denen man zweimal auf das Geburtsdatum schaut. Und dann gibt es den von Alicia von Schenk.

2011, sie ist 15, legt sie am Kurfürst-Friedrich-Gymnasium in Heidelberg ihr Abitur ab – als Jahrgangsbeste, Note 1,0. In einem Alter, in dem die meisten gerade den ersten Liebeskummer verarbeiten, ist sie fertig mit der Schule. Zehn Jahre später, im April 2021, schließt sie mit 25 ihre Promotion in Volkswirtschaftslehre an der Goethe-Universität Frankfurt ab. Bewertung: summa cum laude, die Höchstnote. Und zum 1. September 2022 holt die Universität Würzburg sie als Juniorprofessorin – mit gerade einmal 26 Jahren. Damit zählt sie zu den jüngsten Professorinnen und Professoren Deutschlands, mehrere Medien handeln sie schlicht als „Deutschlands jüngste Professorin“.

Das allein wäre schon eine Geschichte. Aber das eigentlich Spannende ist nicht, wie früh sie da ist. Sondern wofür.

Doppelstudium, summa cum laude, zwei Master

Schauen wir kurz auf den Beschleunigungsstreifen. Nach dem Frühstudium-Abitur studiert von Schenk zunächst Mathematik in Heidelberg, wechselt nach Frankfurt und legt dort ein Parallelstudium aus Mathe und Wirtschaftswissenschaften hin. 2016 der Master in Mathematik, 2018 noch ein zweiter Master in Quantitative Economics an der renommierten GSEFM-Graduiertenschule. Dann die Promotion – Titel der Dissertation: „Economics of Organizations and the Impact of Artificial Intelligence“.

Schon hier wird klar, dass diese Frau kein klassischer Streber-Typ ist, der nur Häkchen sammelt. Sie kombiniert das Härteste aus zwei Welten: die mathematische Strenge und die ökonomische Frage nach menschlichem Verhalten. Genau diese Schnittstelle wird ihr Ding.

Vor Würzburg forscht sie als Postdoktorandin am Max-Planck-Institut in Berlin, im Bereich „Mensch und Maschine“. Und – das ist der Business-Teil – sie gründet schon während der Promotion ein eigenes Unternehmen, die brAIn-cloud AI GmbH, als „Testballon“ für KI-gestützte Vernetzung: Software, die per intelligenter Textverarbeitung neue Geschäftsbeziehungen und Kooperationen über Hierarchien und Disziplinen hinweg anbahnt. Professorin und Gründerin in Personalunion. Mit Mitte zwanzig.

Nebenbei lehnt sie Rufe gleich mehrerer renommierter Häuser ab, darunter die SKEMA Business School in Paris und die EBS. Sie nimmt Würzburg – und kauft sich dort kurzerhand eine Wohnung am Nikolausberg. Wer so plant, denkt nicht in Zwischenstationen.

Ihr Forschungsthema ist die Eine-Billion-Dollar-Frage

Und jetzt kommt der Teil, der von Schenk für jeden interessant macht, der gerade über KI im eigenen Unternehmen nachdenkt. Denn ihre Forschung dreht sich nicht um Algorithmen an sich, sondern um etwas viel Heikleres: Vertrauen.

Würden wir eine Institution akzeptieren, die von einem Algorithmus geführt wird – wenn sie uns effizienter kooperieren ließe? Steigt die Akzeptanz für KI-Systeme, wenn man die Nutzer in deren Gestaltung einbezieht? Wie verändert „Big Data“ unsere sozialen Präferenzen? Das sind die Fragen, die sie im Labor mit echten Experimenten untersucht – inzwischen am eigens gegründeten Würzburger Lehrstuhl für „Economics of AI and Human Behavior“, den sie mit 30 aufbaute.

In ihren Studien lässt sie Menschen etwa Finanzentscheidungen treffen – mal mit dem Rat eines menschlichen Experten, mal mit dem eines KI-Assistenten. Das Ergebnis ist für jede Führungskraft relevant: Es gibt Nutzer mit hohem und solche mit niedrigem Vertrauen, und beide reagieren völlig unterschiedlich, sobald die Maschine einmal danebenliegt. Vertrauen in KI ist kein Schalter, den man umlegt. Es ist eine fragile Beziehung – und genau die entscheidet darüber, ob die teuersten KI-Investitionen der Wirtschaft am Ende überhaupt genutzt werden.

Während also Konzerne Milliarden in Modelle pumpen, erforscht eine 30-Jährige aus Würzburg die eigentliche Engstelle: den Menschen, der davor sitzt und sich fragt, ob er dem Ding glauben soll.

Business Punk Check

Der Reiz an Alicia von Schenk ist nicht das Wunderkind-Etikett. Es ist die Kombination, die in Deutschland selten ist: Spitzenforschung, unternehmerisches Denken und ein Thema, das exakt den Nerv der Zeit trifft. Sie ist nicht trotz ihrer Jugend relevant, sondern weil sie an der Stelle steht, an der sich gerade alles entscheidet – der Schnittstelle von Mensch und Maschine.

Was lässt sich davon mitnehmen, auch ohne 1,0-Abi mit 15? Erstens: Tempo schlägt Timing nicht – aber Fokus schlägt beides. Von Schenk hat nicht einfach schnell viele Abschlüsse gesammelt, sie hat zwei Disziplinen so kombiniert, dass daraus eine seltene Nische wurde. Zweitens: Sie hat Forschung und Praxis nicht getrennt, sondern parallel gedacht – Lehrstuhl und Start-up, Theorie und Testballon. Und drittens, das vielleicht Wichtigste in der KI-Debatte: Die spannendste Frage ist nicht, was die Maschine kann, sondern ob wir ihr trauen – und wann nicht. Wer das versteht, versteht mehr vom KI-Boom als die meisten, die nur über Rechenpower reden.

Deutschland sucht händeringend nach Vorbildern, die Wissenschaft und Wirtschaft zusammenbringen, ohne in Bürokratie zu erstarren. Eine davon sitzt in einem Würzburger Büro mit Blick auf die Festung – und ist gerade erst 30.

Häufig gestellte Fragen

Warum scheitern KI-Projekte trotz guter Technologie?

Die meisten KI-Projekte scheitern nicht an der Technologie, sondern an mangelnder Akzeptanz. Alicia von Schenks Forschung zeigt, dass Menschen KI-Systemen nicht automatisch vertrauen – besonders nach Fehlern. Unternehmen, die nur in Rechenpower investieren, ohne die Vertrauensfrage zu klären, verschwenden Ressourcen.

Wie können Unternehmen das Vertrauen in KI-Systeme erhöhen?

Partizipation ist der Schlüssel: Nutzer sollten in die Gestaltung von KI-Systemen einbezogen werden. Transparenz über Funktionsweise und Fehlertoleranz erhöht die Akzeptanz deutlich. Von Schenks Experimente belegen, dass partizipativ entwickelte KI-Tools höhere Nutzungsraten erzielen als rein technisch optimierte Lösungen.

Welche Rolle spielt Fehlertoleranz bei KI-Akzeptanz?

Nutzer mit niedrigem Vertrauen springen nach einem einzigen KI-Fehler ab, während Nutzer mit hohem Vertrauen mehrere Fehler verzeihen. Die Herausforderung: Unternehmen müssen Fehlertoleranz aktiv kommunizieren und in die Unternehmenskultur integrieren. Ohne diese Basis bleibt selbst die beste KI ungenutzt.

Lohnen sich KI-Investitionen für mittelständische Unternehmen?

Nur wenn die menschliche Seite mitgedacht wird. Von Schenks Forschung zeigt, dass KI-Investitionen ohne Change Management und Vertrauensaufbau scheitern. Mittelständler sollten in Schulungen, Transparenz und partizipative Prozesse investieren – nicht nur in Software. Sonst bleibt die KI ein teures Werkzeug, das keiner nutzt.

Was unterscheidet erfolgreiche KI-Implementierungen von gescheiterten?

Erfolgreiche Implementierungen adressieren die Vertrauensfrage von Anfang an. Sie bauen Transparenz ein, kommunizieren Fehlertoleranz und beziehen Nutzer in die Entwicklung ein. Gescheiterte Projekte setzen auf technische Überlegenheit allein – und verlieren die Belegschaft auf dem Weg. Von Schenks Arbeit liefert die Blaupause für den Unterschied.

Quellen: Uni Würzburg – WiWi-Fakultät, Handelsblatt, WirtschaftsWoche, MPI für Bildungsforschung, ifo/CESifo

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