Work & Winning Warum man Meetings einfach verlassen darf (und sollte)

Warum man Meetings einfach verlassen darf (und sollte)

Hand aufs Herz: Wie oft sitzt man in einem Termin und weiß schon nach fünf Minuten, dass man hier nichts beiträgt und nichts mitnimmt? Und wie oft bleibt man trotzdem – aus reiner Höflichkeit?

Genau das ist der Denkfehler. Sitzenbleiben ist nicht höflich. Es ist verschwendete Lebenszeit, die eigene und die der anderen. Und während man höflich aussitzt, stapelt sich die eigentliche Arbeit, die am Abend nachzuholen ist.

Die Rechnung, die niemand machen will

Beschäftigte verbringen inzwischen im Schnitt über elf Stunden pro Woche in Meetings – fast ein Drittel der Arbeitswoche. Und die Krux: Laut Atlassian-Befragung verlassen 54 Prozent der Leute ein Meeting, ohne zu wissen, was als Nächstes zu tun ist oder wer überhaupt verantwortlich ist. Übersetzt: Mehr als die Hälfte aller Meetings produziert keinen klaren Output. Darin aus Anstand zu sitzen ist kein Anstand – es ist Mitmachen beim Zeitverbrennen. Und jede Stunde in einem Termin ohne Ergebnis ist eine Stunde, die für Fokusarbeit, Denken oder einfach Durchatmen fehlt.

Höflichkeit ist nicht Anwesenheit

Präsenz wird gern mit Wertschätzung verwechselt. Dabei ist das Gegenteil wahr: Wer einen Termin verlässt, der ihn nicht braucht, gibt allen anderen die Erlaubnis, ehrlich mit ihrer Zeit umzugehen. Das Signal ist nicht „mir ist das egal“, sondern „meine Stunden haben einen Preis – Ihre auch“. Das ist die unausgesprochene Erlaubnis, auf die im Raum oft drei andere Menschen warten. Einer muss vorangehen.

So klappt der Abgang ohne Rechtfertigung

Am besten vorher ansagen, nicht mittendrin: „Ich klinke mich nach dem ersten Punkt aus, der Rest betrifft mich nicht – schickt mir gern die Entscheidungen.“ Klar, freundlich, fertig.

Wer schon drinsitzt: Ein kurzes „Ich habe alles, was ich brauche – danke euch“ reicht. Niemand verlangt eine Doktorarbeit zur Begründung.

Und schon bei der Einladung gilt: Absagen ist erlaubt. Ein „Danke für die Einladung – ich glaube, ich bin hier nicht der richtige Beitrag, leitet mir gern das Protokoll weiter“ ist kein Affront, sondern Erwachsenenkommunikation. Wer dauernd zu allem Ja sagt, ist nicht zuverlässig, sondern überfordert.

Der Kulturwandel beginnt im Kleinen

Viele Firmen führen meetingfreie Tage, harte Zeitlimits und „Fokus-Blöcke“ im Kalender ein, weil sie gemerkt haben, wie viel verpufft. Aber man muss nicht auf die Geschäftsführung warten. Jedes Mal, wenn jemand einen sinnlosen Termin verlässt oder gar nicht erst zusagt, verschiebt sich die Norm ein Stück. Anfangs fühlt es sich unangenehm an – als würde man eine ungeschriebene Regel brechen. Genau das passiert auch. Und Normen ändern sich genau so: durch Leute, die vorangehen und es überleben.

Die Erlaubnis, die man sich selbst gibt

Es braucht keine Genehmigung, um die eigene Zeit zu schützen. Es braucht nur den Mut, einmal aufzustehen. Beim zweiten Mal fühlt es sich schon normal an. Und beim dritten fragt vielleicht jemand, wie man das macht – und die Erlaubnis wandert weiter.

Quellen: My Hours, SpeakWise/Superhuman-Fellow, Worklytics

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