Drive & Dreams Tesla droht Europas FSD-Aus: Schweden zieht die Notbremse

Tesla droht Europas FSD-Aus: Schweden zieht die Notbremse

Tesla droht das Europa-Aus für sein Fahrassistenzsystem FSD. Schwedens Verkehrsbehörden wollen die EU-weite Zulassung blockieren – solange eine Funktion existiert, die Tempolimits systematisch ignoriert.

Die Niederlande haben im April die Büchse der Pandora geöffnet: Als erstes EU-Land ließen sie Teslas Full Self-Driving (FSD) zu. Vier weitere Länder folgten. Doch jetzt könnte Schweden den gesamten europäischen Rollout torpedieren – und zwar aus einem Grund, der Silicon-Valley-Anarchie auf europäische Verkehrsregeln trifft.

Die Funktion, die zu weit geht

Teslas FSD bietet in Europa zwei Modi: „Contextual Max Speed“ hält sich an Tempolimits. „Speed Offset“ dagegen lässt Fahrer selbst festlegen, um wie viel sie systematisch zu schnell fahren wollen. Genau diese Funktion ist den schwedischen Verkehrsbehörden TRV und STA ein Dorn im Auge. In einem Brief an das EU-Technische Komitee für motorisierte Fahrzeuge (TCMV) von Ende April kündigte Schweden an, gegen die europaweite Zulassung zu stimmen, solange Tesla diese Option nicht entfernt, wie Reuters berichtet.

Der Unterschied zu den USA ist bezeichnend: Dort heißen die FSD-Modi „Sloth“, „Chill“ oder „Mad Max“ – Marketing-Gags für unterschiedliche Fahrstile. In Europa dagegen geht es ans Eingemachte: Eine Funktion, die explizit dazu designed wurde, Geschwindigkeitsbegrenzungen zu missachten. Das kollidiert frontal mit EU-Regeln, die seit 2022 intelligente Geschwindigkeitsassistenten (ISA) vorschreiben – Systeme, die Fahrer VOR Überschreitungen warnen sollen, nicht dazu ermutigen.

Skandinavische Blockade mit Breitenwirkung

Schweden steht nicht allein. Auch Finnland und Norwegen haben laut Reuters Bedenken angemeldet. Selbst Estland, das FSD bereits zuließ, äußerte Unbehagen – genehmigte aber trotzdem, weil „Fahrer letztendlich die Hauptverantwortung tragen“. Ähnlich argumentierte Dänemark.

Diese Logik könnte sich rächen: Für die EU-weite Zulassung braucht es 15 der 27 Mitgliedsstaaten, die zusammen mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Scheitert die Abstimmung Ende Juni im TCMV, erlischt die niederländische Typgenehmigung nach sechs Monaten automatisch – und mit ihr alle anderen nationalen Zulassungen. Tesla würde in Europa auf null zurückfallen.

Business Punk Check

Teslas FSD-Strategie in Europa offenbart einen fundamentalen Kulturclash: Was in den USA als Feature gilt – dem Fahrer maximale Kontrolle zu geben, auch über Geschwindigkeitsgrenzen – wirkt in der EU wie Regulierungsverachtung. Die Speed-Offset-Funktion mag technisch raffiniert sein, rechtlich ist sie ein Rohrkrepierer. Die Ironie: Tesla könnte das Problem mit einem Software-Update lösen. Stattdessen riskiert Elon Musk, monatelange Zulassungsarbeit zu verspielen – für eine Funktion, die ohnehin juristisch heikel ist. Denn wer haftet bei einem Unfall während systematischer Tempoüberschreitung?

Der „verantwortliche“ Fahrer oder das System, das ihn dazu ermutigt hat? Unternehmen, die auf autonomes Fahren setzen, sollten aufmerken: Europas Regulierer ziehen rote Linien. Wer sie ignoriert, landet nicht im Mainstream – sondern in endlosen Abstimmungsschleifen. Tesla hat bis Ende Juni Zeit, Realpolitik vor Tech-Bro-Attitüde zu stellen.

Quellen: t3n, Spiegel, Golem, Futurezone, Ecomento

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