Business & Beyond Dating-Apps: KI ja, aber nicht beim Verlieben

Dating-Apps: KI ja, aber nicht beim Verlieben

Dating-Apps experimentieren derzeit mit immer neuen KI-Funktionen – von Profiloptimierungen bis hin zu digitalen Dating-Assistenten. Die Nutzer sind dabei deutlich aufgeschlossener als oft angenommen, wollen aber nicht, dass Algorithmen die menschliche Seite des Kennenlernens übernehmen.

US-Singles ziehen die Reißleine

Fast die Hälfte aller Singles in den USA blickt kritisch auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz beim Dating. Das zeigt eine aktuelle Studie des Dating-Konzerns Match Group, zu dem unter anderem Tinder, Hinge und OkCupid gehören. Für die Untersuchung wurden 1.000 Menschen im Alter zwischen 18 und 39 Jahren befragt. Das Ergebnis fällt überraschend deutlich aus: 47 Prozent haben eine negative Einstellung zu KI im romantischen Kontext.

Deutschland bleibt skeptisch

Der Trend ist nicht auf die USA beschränkt. In Deutschland fällt die Skepsis gegenüber KI in Liebesbeziehungen sogar noch stärker aus. Laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage halten 77 Prozent der Frauen und 69 Prozent der Männer den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in romantischen Beziehungen für problematisch. Die Sorge vieler Befragter: Technologie könnte Authentizität, Vertrauen und echte Gefühle verdrängen. Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine bemerkenswerte Offenheit für praktische KI-Hilfen. Laut einer Bitkom-Umfrage aus dem Jahr 2026 kann sich rund jeder dritte Online-Dating-Nutzer vorstellen, sich von einer KI beraten oder unterstützen zu lassen. Besonders bei Profiltexten, Formulierungshilfen oder Dating-Tipps sehen viele Nutzer einen Mehrwert. Die Technologie darf helfen, soll aber nicht die zwischenmenschliche Verbindung ersetzen. Damit bestätigt sich auch in Europa ein Trend, der in den USA immer deutlicher sichtbar wird: KI wird als Werkzeug akzeptiert, nicht als Ersatz für echte Beziehungen.

Die Dating-Branche setzt voll auf KI

Während die Skepsis unter Singles wächst, investiert die Branche massiv in neue Technologien. Bumble hat bereits einen Dating-Assistenten namens Bee eingeführt. Tinder steckt so viele Ressourcen in KI-Projekte, dass das Unternehmen nach eigenen Angaben sogar sein Einstellungstempo verlangsamt hat. Gleichzeitig verließ der frühere Hinge-Chef seinen Posten, um eine neue Dating-App mit starkem KI-Fokus aufzubauen.

KI-Partner? Für viele ein No-Go

Besonders kritisch sehen die Befragten sogenannte KI-Begleiter oder Companion-Apps. Rund 40 Prozent der Singles würden nach eigenen Angaben niemanden daten wollen, der eine solche Anwendung nutzt. Bei Frauen zwischen 18 und 24 Jahren steigt dieser Wert sogar auf 51 Prozent. Allerdings nutzen bislang nur wenige junge Erwachsene solche Angebote. Lediglich zwölf Prozent der 18- bis 24-Jährigen gaben an, in den vergangenen drei Monaten eine Companion-App verwendet zu haben. Und selbst unter diesen Nutzern suchte nur etwa ein Drittel tatsächlich eine emotionale Verbindung zu einem Chatbot.

Unterstützung ja, Beziehung nein

Komplett ablehnend stehen die Singles der Technologie allerdings nicht gegenüber. Laut der Studie können sich 64 Prozent vorstellen, dass KI bei ihrer Dating-Reise hilfreich sein könnte. Das betrifft vor allem praktische Aufgaben rund um die Partnersuche. Denn streng genommen arbeiten Dating-Apps schon seit Jahren mit Algorithmen, um passende Menschen zusammenzubringen. Die aktuelle Debatte dreht sich vielmehr um die neue Generation von KI-Funktionen. Diese sollen Profile optimieren, die besten Fotos auswählen oder dabei helfen, Gesprächspausen zu überwinden.

Authentizität bleibt Trumpf

Die wichtigste Botschaft für Dating-Plattformen ist deshalb eindeutig: Singles wollen Unterstützung bei den komplizierten Details, aber keine künstliche Steuerung ihrer Gefühle. Viele Nutzer begrüßen Hilfe beim Formulieren von Profiltexten oder beim Finden eines passenden Gesprächseinstiegs. Die eigentliche Verbindung zwischen zwei Menschen soll jedoch weiterhin authentisch entstehen. Match bringt es selbst auf den Punkt: Singles wünschen sich Unterstützung bei den schwierigen Aufgaben, aber die menschlichen Momente sollen menschlich bleiben. Das Kennenlernen, die Chemie und die emotionale Verbindung wollen die meisten nicht an Algorithmen delegieren.

Bots sollen nicht daten

Ob diese Botschaft bei allen Dating-Unternehmen ankommt, bleibt offen. Bumble-Gründerin Whitney Wolfe Herd hatte beispielsweise die Idee ins Spiel gebracht, dass persönliche KI-Assistenten künftig miteinander flirten könnten, bevor sich die eigentlichen Nutzer kennenlernen. Doch genau solche Visionen wirken auf viele Singles eher abschreckend als futuristisch. Schließlich ist es heute längst normal, seinen Partner online kennenzulernen. Der Satz „Sein Bot hat meinen Bot angeschrieben und unsere Bots haben sich verstanden“ dürfte dagegen noch lange kein romantischer Gesprächsauftakt werden.

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