Business & Beyond Die Maschine denkt mit. Die Frage ist: Lässt du sie?

Die Maschine denkt mit. Die Frage ist: Lässt du sie?

Die Anforderungen im Job steigen. Mehr Tempo, mehr Verantwortung, mehr Komplexität und oft weniger Zeit. Viele Beschäftigte spüren: So wie bisher geht es nicht weiter. Gleichzeitig wächst die Hoffnung, dass Künstliche Intelligenz Arbeit nicht nur schneller, sondern auch besser machen kann.

Genau hier entsteht eine neue Kategorie von Arbeitskräften: der Augmented Professional. Menschen, die ihre eigenen Fähigkeiten gezielt mit KI erweitern – wie mit einem kognitiven Exoskelett für den Büroalltag. HP Deutschland-Chef Adrian Müller und Zukunftsforscherin Prof. Dr. Yasmin Weiß sprechen darüber, was diese neue „Liga“ auszeichnet und warum Unternehmen KI endlich aus der Theorie in den Alltag holen müssen.

Frau Weiß, Sie sprechen in ihrem Podcast von einer neuen „Liga“ an Arbeitskräften. Was genau macht einen Augmented Professional aus?

Prof. Dr. Yasmin Weiß: Ein Augmented Professional kombiniert menschliche und künstliche Intelligenz ganz selbstverständlich im Arbeitsalltag. Es geht nicht darum, dass KI den Menschen ersetzt, sondern dass sie ihn gezielt unterstützt und stärker macht.

Ich vergleiche das gerne mit einem E-Bike fürs Gehirn. Man kommt schneller voran, hält länger durch und schafft mehr. KI wirkt dabei wie eine Art kognitives Exoskelett: Sie hilft, präziser zu arbeiten, bessere Analysen zu bekommen und fundiertere Entscheidungen zu treffen.

Entscheidend sind dabei zwei Dinge: Erstens setzen Augmented Professionals KI nicht nur ab und zu ein, sondern bewusst und strategisch. Sie wissen, wo KI ihnen wirklich hilft, und bauen sie genau dort in ihre Abläufe ein. Zweitens schaffen sie durch die entstehenden Zeitgewinne gezielt Freiräume. Diese investieren sie wiederum in den Ausbau ihrer eigenen KI-Kompetenz und stärken so kontinuierlich ihren Wettbewerbsvorteil.

Herr Müller, viele Unternehmen diskutieren KI noch sehr abstrakt. Sie sagen, der eigentliche Hebel liegt darin, Arbeit konkret zu verbessern. Wie kann das aussehen?

Adrian Müller: Ich glaube, der entscheidende Punkt ist: KI darf kein abstraktes Konzept bleiben. Sie muss im Arbeitsalltag ankommen. Erst wenn sie wirklich dabei hilft, Arbeit besser zu machen, entsteht Mehrwert. Es geht doch darum: Technologien mit KI-Leistung sind für Menschen gemacht und sollen ihnen dabei helfen, ihr Potenzial zu entfalten.

Für mich ist der Augmented Professional genau deshalb der richtige Ansatz. KI wird hier zum Verbündeten, der das Potenzial von Menschen erweitert. Es geht weniger um Technologie, sondern darum, sie als Werkzeug zu nutzen, um schneller zu guten Ergebnissen zu kommen. Routineaufgaben lassen sich reduzieren. Gleichzeitig entsteht mehr Raum für neue Ideen, kreative Ansätze und fundierte Entscheidungen.

Wichtig ist auch: KI ersetzt den Menschen nicht, sie verstärkt ihn. Aber das funktioniert nur, wenn sie in reale Arbeitsprozesse integriert wird. Wenn sie dort ansetzt, wo heute Zeit verloren geht oder unnötige Reibung entsteht.

Am Ende geht es darum, Arbeit einfacher und besser zu machen. Technologie sollte entlasten, nicht zusätzlich belasten. Wenn das gelingt, arbeiten Menschen nicht nur produktiver, sondern oft auch kreativer – und erleben ihre Arbeit als sinnvoller. Genau darin liegt für mich der eigentliche Hebel für Wachstum und bessere Arbeitserlebnisse.

Frau Weiß, was machen Augmented Professionals konkret anders?

Prof. Dr. Yasmin Weiß: Der größte Unterschied ist, dass Augmented Professionals KI ganz bewusst in ihren Alltag integrieren. Sie nutzen sie nicht nur gelegentlich, sondern entlang klarer Use Cases. Also zum Beispiel für Recherche, Vorbereitung von Meetings, das Strukturieren von Informationen oder erste Entwürfe.

Ein spannender Bereich ist die Entscheidungsfindung. Viele treffen wichtige Entscheidungen heute nicht mehr nur alleine, sondern im Zusammenspiel mit KI. Die KI bringt dabei vor allem ihre analytischen Stärken ein, hilft, Optionen zu vergleichen oder Szenarien durchzuspielen. Ich nenne das AI-Augmented Decision Taking. Das wird in Zukunft ganz normal sein – sowohl bei großen beruflichen Entscheidungen als auch im Privaten.

Ein zweiter Punkt ist die Zeit. Wer KI konsequent einsetzt, kann im Alltag schnell zwei bis drei Stunden pro Tag gewinnen. Der Unterschied ist aber, was man damit macht. Diese Zeit verpufft nicht einfach. Augmented Professionals nutzen sie gezielt, um an Themen zu arbeiten, die wirklich Wert schaffen – also strategische Aufgaben, kreative Ideen oder bessere Ergebnisse.

Am Ende entsteht genau daraus der Effekt: KI übernimmt Routine, der Mensch konzentriert sich stärker auf Wertschöpfung. Das führt nicht nur zu mehr Effizienz, sondern in vielen Fällen auch zu besserer Qualität.

Wenn man das systematisiert: Was braucht es, um überhaupt ein Augmented Professional zu werden?

Prof. Dr. Yasmin Weiß: Es braucht drei Dinge. Erstens den richtigen Skill Stack. Dazu gehört natürlich KI-Kompetenz, also zu verstehen, wie man mit den Tools arbeitet. Genauso wichtig sind aber menschliche Fähigkeiten wie kritisches Denken, Intuition oder die Fähigkeit, Ergebnisse einzuordnen. Und fachliches Know-how bleibt weiterhin essenziell, weil man nur so KI-Ergebnisse sinnvoll bewerten kann.

Zweitens braucht es Zugang zu den richtigen Tools. Also Software, die wirklich zum eigenen Arbeitsalltag passt, mit klaren Use Cases. Nur dann wird KI vom Experiment zum echten Produktivitätsfaktor.

Und drittens spielt auch die Hardware eine Rolle. Die Systeme müssen leistungsfähig, schnell und zuverlässig sein, damit KI-Anwendungen überhaupt reibungslos funktionieren.

Entscheidend ist das Zusammenspiel dieser drei Elemente. Technologie allein reicht nicht. Erst wenn Infrastruktur und Fähigkeiten zusammenkommen, entsteht ein echter Hebel für Produktivität.

Adrian Müller: In der Praxis sieht man oft eine Lücke zwischen Nutzung und echter Kompetenz. Viele Mitarbeitende testen KI bereits, aber eher punktuell und ohne klare Einbindung in ihre täglichen Abläufe. Dadurch bleibt das Potenzial liegen.

Die Einführung von KI ist deshalb vor allem eine Management-Aufgabe. Sie verändert nicht nur Prozesse, sondern auch die Art, wie Menschen arbeiten und Entscheidungen treffen. Führungskräfte müssen hier Orientierung geben, klare Anwendungsfälle definieren und Mitarbeitende befähigen, KI sinnvoll zu nutzen.

Ein zweiter Punkt ist die technologische Basis. Produktivität entsteht nicht durch ein einzelnes Tool, sondern durch das Zusammenspiel von Technologie, Daten und Infrastruktur. In vielen Unternehmen fehlt genau diese Integration in bestehende Workflows.

Und dann spielt das Thema Sicherheit eine wichtige Rolle. Gerade wenn es um sensible Daten geht, braucht es Lösungen, die zuverlässig und vertrauenswürdig sind. Hier sehen wir, dass KI direkt auf dem Gerät ein echter Enabler sein kann. Das sorgt nicht nur für mehr Kontrolle, sondern oft auch für bessere Performance, schnellere Ergebnisse und eine stabilere Nutzung im Alltag. Viele Anwendungen wie Transkriptionen, Zusammenfassungen oder Übersetzungen laufen so direkt auf dem PC, ohne Umwege über die Cloud.

Am Ende braucht es also ein Gesamtbild: klare Führung, die richtigen Fähigkeiten und eine Infrastruktur, die mitzieht. Erst dann wird aus KI ein echter Produktivitätstreiber.

Schauen wir auf die Technologie: Wie arbeiten Mensch und Maschine in einer idealen Arbeitsumgebung zusammen?

Adrian Müller: Vielleicht einmal vorab: Es geht nicht darum, sofort alles perfekt zu beherrschen, sondern Dinge auszuprobieren und Schritt für Schritt in die eigene Arbeit zu integrieren.

Dadurch wird KI immer stärker Teil des täglichen Workflows. Sie läuft nicht nebenher, sondern unterstützt ganz konkret bei Aufgaben – sei es bei Analysen, der Vorbereitung von Meetings oder bei Entscheidungen. Unser HP Work Relationship Index zeigt zum Beispiel: Vier von zehn Büroangestellten nutzen mittlerweile täglich KI, und diejenigen, die Zugang zu KI-Tools haben, geben mehr als doppelt so häufig an, dass sie eine gesunde Arbeitsbeziehung haben.

Wichtig ist auch der Blick auf die Arbeitsumgebung insgesamt. Geräte sind heute keine isolierten Tools mehr, sondern Teil eines integrierten Systems aus Hardware, Software und Services. Wenn diese Komponenten gut zusammenspielen, wird Technologie einfacher in der Nutzung und gleichzeitig leistungsfähiger.

AI PCs machen das Gerät zu einem ganz individuellen Arbeitsgerät – vielleicht ein bisschen so wie früher der Füllfederhalter, der als persönlicher Gegenstand in der Hand liegt. Was ich sagen will: Das Ziel ist nicht mehr „noch ein Tool“, sondern eine Arbeitsumgebung, die insgesamt besser funktioniert.

Frau Weiß, was ist Ihre Empfehlung, wenn ich mit AI die nächste Stufe zünden will?

Prof. Dr. Yasmin Weiß: Der erste Schritt ist, ins Machen zu kommen. Wir haben Fahrradfahren auch nicht gelernt, indem wir nur ein Buch darüber gelesen oder anderen dabei zugeschaut haben. Wir mussten aufsteigen, üben und mit der Zeit sicherer werden. Beim Aufbau von KI-Kompetenz ist es ähnlich.

Sinnvoll ist natürlich ein Grundverständnis: Wie funktioniert KI? Was kann sie gut, wo liegen ihre Grenzen und welche Risiken muss ich kennen? Aber die steilste Lernkurve entsteht in der Anwendung.

Dafür sollte man die eigene Arbeit anschauen und konkrete Use Cases identifizieren. Wo verliere ich regelmäßig Zeit? Welche Aufgaben wiederholen sich? Wo könnte mir KI helfen, schneller zu einem besseren Ergebnis zu kommen? Dann geht es darum, Schritt für Schritt Skills aufzubauen und KI nicht als Bedrohung, sondern als Partner zu verstehen. Mit Offenheit, spielerischer Neugier und auch etwas Frustrationstoleranz kommt man hier am weitesten.

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