Business & Beyond VW verkauft, was noch funktioniert: Bain kauft die Konzern-Perle für 7,4 Milliarden Euro

VW verkauft, was noch funktioniert: Bain kauft die Konzern-Perle für 7,4 Milliarden Euro

Volkswagen verkauft seine profitabelste Tochter für 7,4 Milliarden Euro an Bain Capital. Ausgerechnet das Unternehmen, das stabil wächst, muss gehen – während der Konzern selbst strauchelt.

Während VW in Wolfsburg mit Stellenabbau und schrumpfenden Margen kämpft, hat der Konzern gerade sein stabilstes Geschäft verkauft. Der US-Finanzinvestor Bain Capital sicherte sich 51 Prozent an Everllence für 7,4 Milliarden Euro – ein Milliardendeal, der zeigt, wie verzweifelt die Lage wirklich ist.

Überraschung im Bieterkampf

In mehrstündigen Sitzungen von Vorstand und Aufsichtsrat setzte sich Bain Capital gegen namhafte Konkurrenz durch: CVC und das Konsortium um EQT, Porsche SE sowie die Staatsfonds aus Katar und Singapur bissen sich die Zähne aus, wie das Handelsblatt berichtet.

Die finale Unterschrift stand zwar noch aus, doch der Deal gilt als beschlossen. Die Entscheidung überrascht, galten doch die EQT-Alliierten als Favoriten – schließlich sind sowohl die Porsche/Piëch-Familien als auch Katar bereits VW-Großaktionäre.

Interessenkonflikte zwangen zum Rückzug

Genau diese Konstellation wurde zum Problem: Zahlreiche Aufsichtsratsmitglieder mussten sich bei der Abstimmung enthalten, weil sie mittelbar mit einem der Bieterkonsortien verbunden waren.

Vertreter der Familien Porsche und Piëch sowie Katars saßen im VW-Aufsichtsrat und gleichzeitig im konkurrierenden Bieterkonsortium – ein klassischer Interessenkonflikt, der sie zur Enthaltung zwang. Das öffnete Bain Capital die Tür.

Was VW verliert – und warum

Everllence, ehemals MAN Energy Solutions, produziert Schiffs- und Kraftwerksmotoren sowie Großwärmepumpen. Das Geschäft boomt: Die Nachfrage nach Energieinfrastruktur steigt, KI-Rechenzentren brauchen zuverlässige Generatoren. Die Bewertung kletterte im Auktionsprozess kontinuierlich nach oben – kein Wunder, ist Everllence laut Spiegel doch „fast alles, was der Volkswagen-Konzern gerade nicht ist: stabil, ordentlich profitabel und dank des boomenden Geschäfts mit Generatoren für KI-Rechenzentren wohl auf Jahre hinaus wachstumsträchtig.“ VW behält zwar 49 Prozent, gibt aber die Kontrolle ab.

Die Augsburger Firma erwirtschaftet solide Margen in Nischenmärkten – Zweitakter für Containerschiffe, Viertakter für Kraftwerke. Während der Mutterkonzern mit Elektromobilität hadert und in China Marktanteile verliert, liefert Everllence verlässliche Renditen.

Quellen: Handelsblatt, Spiegel, Manager-magazin, Bloomberg, Radio-augsburg, Bild, Deraktionaer, Produktion

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