Tech & Trends Big Brother bei Meta: Warum 1.600 Mitarbeiter rebellieren

Big Brother bei Meta: Warum 1.600 Mitarbeiter rebellieren

Meta trackt seine eigenen Leute – und verliert dabei deren Daten. Über 1.600 Angestellte protestieren gegen Überwachungssoftware, die jeden Klick aufzeichnet. Jetzt bestätigt sich ihr Albtraum: Sensible Infos waren unternehmensweit zugänglich.

Der Facebook-Konzern wollte seine KI trainieren – und hat stattdessen ein Datenschutzdebakel produziert. Das „Model Capability Initiative“ sollte Mausbewegungen, Klicks und Tastenanschläge von US-Mitarbeitern erfassen, um KI-Modelle menschliches Computerverhalten beizubringen. Klingt harmlos? War es nicht. Über 1.600 Beschäftigte unterschrieben eine Petition gegen das Tool, warnten vor Datenlecks und unbefugter Offenlegung. Ein Ingenieur nannte das Auslesen von Bildschirmdaten einen „ausbeuterischen Eingriff in die Privatsphäre“, wie t3n berichtet.

Ihre Befürchtungen waren berechtigt. Meta gab in einer internen Sicherheitsmitteilung zu, dass sensible Informationen aus 45.000 Tabellen unternehmensweit zugänglich waren – darunter vollständige Eingabeaufforderungen, private Unterhaltungen sowie Personen- und Leistungsdaten, so t3n. Die Software läuft jetzt auf unbestimmte Zeit nicht mehr. CTO Andrew Bosworth räumte ein, die Umsetzung sei hinter den eigenen Datenschutzstandards zurückgeblieben. Pikant: Noch vor Monaten hatte er besorgte Mitarbeiter mit der Versicherung beruhigt, das Programm werde „streng kontrolliert“ und nutze dieselben Schutzstandards wie andere sensible Tools.

Systematisches Überwachungsproblem

Das interne Tracking-Debakel ist nur die Spitze des Eisbergs. Meta Business Tools und das Meta Pixel tracken auch extern detailliertes Nutzerverhalten und können diese Daten mit bestehenden Profilen verknüpfen. Die österreichische Datenschutzbehörde erklärte mehrere dieser Tools für rechtswidrig, weil sie gegen DSGVO-Vorgaben zu Einwilligung, Transparenz und Datenübermittlung verstoßen.

Eine Meta-Sprecherin bestätigte gegenüber Wired, dass das Unternehmen den Vorfall untersuche, und kündigte an, die Datenerfassungssoftware auf unbestimmte Zeit abzuschalten. „Wir haben dieses Programm sorgfältig mit Datenschutzvorkehrungen konzipiert. Obwohl wir derzeit keine Anzeichen dafür haben, dass Meta-Mitarbeiter:innen unberechtigt auf Daten zugegriffen haben, setzen wir es während der Untersuchung aus“, so Tracy Clayton.

Die gesellschaftliche Dimension ist brisant: Meta AI greift laut Hardwareluxx in der US-Version auf persönliche Nutzerdaten zu, ohne dass Anwender dem explizit zustimmen müssen. Das Unternehmen sammelt systematisch Verhaltensdaten – von Webseitenbesuchern bis hin zu den eigenen Mitarbeitern.

Arbeitslager-Atmosphäre und Massenversetzungen

Intern verschärft der Vorfall die Moralkrise massiv. Nach Massenentlassungen im April wurden im Mai 20 Prozent der Belegschaft umstrukturiert – rund 7.000 Mitarbeiter landeten zwangsweise in KI-Projekten.

Mehrere Beschäftigte beschrieben die Arbeitsbedingungen dort gegenüber Wired als „wie im Arbeitslager“. Bosworth entschuldigte sich vergangene Woche für „grauenhafte“ Kommunikation und versprach bessere Pausenbereiche sowie höhere Reisebudgets. Ein schwacher Trost für Leute, deren Bildschirmdaten gerade durchs ganze Unternehmen gegeistert sind.

Business Punk Check

Meta beweist: Wer andere überwacht, verliert selbst die Kontrolle. Das Unternehmen predigt Datenschutz nach außen, während intern sensible Mitarbeiterdaten wie auf einem Basar feilgeboten werden. Die 1.600 Petitions-Unterzeichner hatten recht – nur hat es niemand ernst genommen. Für Unternehmen, die Meta-Tools einsetzen, wird es teuer: DSGVO-Klagen häufen sich, erste Urteile sprechen vierstellige Schadensersatzsummen zu.

Der Reality-Check lautet: Tracking-Tools sind Haftungsrisiken. Wer sie nutzt, braucht wasserdichte Einwilligungen und Transparenz – oder einen guten Anwalt. Metas eigenes Debakel zeigt, dass selbst Tech-Giganten mit Milliarden-Budgets ihre Hausaufgaben nicht machen. Die Handlungsempfehlung? Datensparsamkeit ist kein Luxus mehr, sondern Risikomanagement. Und intern rebellierende Mitarbeiter ernst nehmen, bevor die Datenlawine rollt.

Quellen: t3n, Hardwareluxx, Website-check, E-rechtsanwaelte, Wbs, Datenschutzticker, Proliance, Ratis, Sbs-legal, Digitalestadtduesseldorf

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