Drive & Dreams Waymo startet in München: Deutschlands Autobauer verschlafen die Robotaxi-Revolution

Waymo startet in München: Deutschlands Autobauer verschlafen die Robotaxi-Revolution

Alphabets Robotaxi-Tochter Waymo gründet eine deutsche Gesellschaft und bereitet den Markteintritt vor. Während US- und China-Firmen Millionen autonome Fahrten absolvieren, testet Deutschland noch.

Waymo Germany GmbH – dieser Eintrag im Münchner Handelsregister vom 15. Juni markiert mehr als nur eine Firmengründung.

Die Robotaxi-Tochter von Alphabet schafft damit die rechtliche Basis für autonome Fahrdienste in Deutschland. Während hierzulande noch über Level-3-Systeme diskutiert wird, fährt Waymo in den USA bereits rund 50.000 bezahlte Fahrten pro Woche. Der Abstand zwischen deutscher Teststrecke und globalem Regelbetrieb wird größer – und jetzt kommt die Konkurrenz auch noch ins eigene Wohnzimmer.

Transdev als Türöffner

Der französische Mobilitätskonzern Transdev befördert in Deutschland jährlich rund 200 Millionen Fahrgäste mit Bussen und Regionalzügen. Genau dieser Partner sucht laut FAZ aktuell einen Betriebsleiter für autonomes Fahren in München. Kein Zufall: Transdev bringt Flotten, Werkstätten und die Erfahrung mit, Verkehre zuverlässig am Laufen zu halten.

China fährt, Europa staunt

Die globalen Zahlen entlarven Europas Rückstand. Baidus Robotaxi-Dienst Apollo Go hat bis 2024 bereits mehrere Millionen Fahrten in China absolviert – allein im ersten Quartal 2024 meldete Baidu rund 826.000 Fahrten. Die Wettbewerber Pony AI und We Ride meldeten bis zu 28 bezahlte Fahrten pro Fahrzeug und Tag – eine Auslastung wie bei klassischen Taxis.

Der technologische Sprung dahinter: Foundation Models, die auf riesigen Flottendaten trainiert werden, ähnlich wie Sprachmodelle. Waymo nutzt diese Technik seit Ende 2025 im Produktivbetrieb. Gleichzeitig sanken die Kosten dramatisch. Die neueste Sensorgeneration kommt mit 40 Prozent weniger Sensoren aus, die Fahrtechnik kostet weniger als 20.000 Dollar pro Fahrzeug – ein Bruchteil früherer Generationen.

Uber kauft sich in Frankfurt ein

Waymo ist nicht allein. Anfang März verkaufte die Taxi Frankfurt eG ihre Anteile an die Berliner Safe Driver Group – Ubers exklusiver Generalunternehmer in Deutschland. Erstmals kontrolliert eine Plattform eine große deutsche Taxizentrale mit über 1.400 Fahrzeugen. Offiziell bekennt sich Safe Driver zur Dienstleistung Taxi.

Strategisch interessanter ist die Vermittlungsinfrastruktur eines der größten deutschen Märkte. Diese Ebene gewinnt massiv an Wert, sobald autonome Flotten menschliche Fahrer ersetzen. Parallel baut Uber sein Robotaxi-Geschäft in München auf – mit dem chinesischen Technologiepartner Momenta. Der Frankfurter Kauf könnte Marktvorbereitung für genau diese Phase sein.

Demographie zwingt zum Handeln

Bis 2030 fehlen in Deutschland zwischen 60.000 und 120.000 Busfahrer. Der öffentliche Nahverkehr wird die Fläche ohne zusätzliche Fahrer kaum noch bedienen können, so Golem. Autonome Shuttles sind damit keine Tech-Spielerei, sondern eine Frage der Daseinsvorsorge. Das Projekt KIRA fährt seit über einem Jahr mit echten Fahrgästen im Kreis Offenbach – allerdings weiterhin mit Sicherheitsperson an Bord. Es wartet auf ein serienreifes Fahrzeug für den autonomen Betrieb.

Genau das gibt es derzeit praktisch nicht. Selbst Mercedes erprobt sein Level-4-System in Abu Dhabi, nicht in Stuttgart. Der deutsche Premiumhersteller kommt zum fahrerlosen Fahren über ausländische Partner und ausländische Technik.

Wer kontrolliert die Straße?

Der Münchner Handelsregistereintrag eskaliert die Lage. Die Frage ist nicht mehr, ob autonome Fahrzeuge nach Deutschland kommen, sondern wer sie betreibt und über wessen Technik. Im günstigen Fall liegt darin eine Chance: Der prüfbare Sicherheitsnachweis bleibt die eigentliche Hürde der Branche – und genau dort sitzen mit TÜV und Normung europäische Stärken.

Auch der Flottenbetrieb bleibt ein lokales Geschäft, das deutsche Anbieter besetzen können. Im ungünstigen Fall wiederholt sich beim Auto, was Europa bei Suchmaschinen, sozialen Netzwerken und KI erlebt hat: Die Wertschöpfung wandert ab, die Straße bleibt.

Business Punk Check

Waymos Münchner Firmengründung entlarvt Deutschlands Robotaxi-Illusion. Während hierzulande Level-3-Systeme mit Sicherheitsperson getestet werden, fährt Waymo in den USA bereits rund 50.000 bezahlte Fahrten pro Woche – ohne Fahrer. Baidus Apollo Go hat bis 2024 bereits mehrere Millionen Fahrten in China absolviert – allein im ersten Quartal 2024 meldete Baidu rund 826.000 Fahrten. Der technologische Abstand ist real: Foundation Models, die auf riesigen Flottendaten trainiert werden, haben handgeschriebene Fahrprogramme abgelöst. Die Hardware kostet nur noch einen Bruchteil – unter 20.000 Dollar pro Fahrzeug. Die unbequeme Wahrheit: Deutsche Autobauer testen ihre Level-4-Systeme in Abu Dhabi, nicht in Stuttgart. Selbst Mercedes kommt zum fahrerlosen Fahren über ausländische Partner.

Gleichzeitig sichert sich Uber durch den Kauf der Taxi Frankfurt eG die Vermittlungsinfrastruktur – Marktvorbereitung für die autonome Phase. Der demografische Druck verschärft die Lage: Bis 2030 fehlen bis zu 120.000 Busfahrer. Autonome Shuttles werden zur Daseinsvorsorge, nicht zur Tech-Spielerei. Die Chance liegt im Betrieb: Flottenbetreiber wie Transdev, lokale Dienstleister und TÜV-Expertise beim Sicherheitsnachweis bleiben regionale Geschäftsfelder. Wer jetzt Partnerschaften mit Technologieanbietern eingeht statt auf deutsche Eigenentwicklungen zu warten, sichert sich Marktanteile. Die Alternative: Europa erlebt beim Auto, was bei Suchmaschinen und sozialen Netzwerken bereits passiert ist – die Wertschöpfung wandert ab, die Straße bleibt.

Quellen: Stadt Bremerhaven, FAZ, Golem

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