Business & Beyond 30 Filialen auf der Kippe: Galerias 160-Millionen-Euro-Kredit reicht nicht

30 Filialen auf der Kippe: Galerias 160-Millionen-Euro-Kredit reicht nicht

Galeria bekommt 160 Millionen Euro Notkredit von Gordon Brothers. Klingt nach Rettung? Ist es nicht. Die Hälfte fließt in Altschulden, 30 Filialen wackeln, 12.000 Jobs hängen am seidenen Faden.

Der US-Investor Gordon Brothers gibt Galeria eine Kreditlinie über 160 Millionen Euro. Das klingt nach Rettung für die angeschlagene Warenhauskette mit ihren 12.000 Beschäftigten.

Doch die Realität sieht anders aus: Rund 70 Millionen Euro fließen direkt in die Ablösung eines bestehenden Kredits. Von der vermeintlichen Finanzspritze bleibt also weniger als die Hälfte übrig – gerade genug, um Löhne zu zahlen, Mieten zu begleichen und Ware für das Weihnachtsgeschäft zu ordern. Das ist keine Perspektive, das ist Krisenmanagement auf Sicht.

Drei Insolvenzen in vier Jahren

Galeria hat seit Anfang 2024 die dritte Insolvenz innerhalb von vier Jahren hinter sich. Der Kollaps des Mutterkonzerns Signa war der letzte Sargnagel für ein Geschäftsmodell, das längst nicht mehr funktioniert.

Im Sommer 2024 schlossen neun Standorte, seitdem gehört die Kette der US-Investmentgesellschaft NRDC und dem Unternehmer Bernd Beetz. Die neue Eigentümerstruktur hat bislang keine Trendwende gebracht: Galeria schreibt monatlich mehr als 10 Millionen Euro Verlust, der Umsatz liegt teils über zehn Prozent unter Vorjahr.

30 Filialen auf der Abschussliste

Der frische Kredit ist an einen dreijährigen Sanierungsplan gekoppelt, den die Unternehmensberatung AlixPartners ausgearbeitet hat. Kernpunkt: radikale Schrumpfung. Von den aktuell 83 Warenhäusern gelten 30 als Wackelkandidaten.

Die Strategie sieht vor, unrentable Standorte zu schließen, Flächen zu verkleinern und Untermieter wie Lidl ins Boot zu holen. Galeria-Chef Tilo Hellenbock spricht gegenüber Spiegel von einer Durchleuchtung des gesamten Filialnetzes – jedes Haus müsse künftig wirtschaftlich tragfähig sein. Was nach Sanierung klingt, bedeutet für Tausende Beschäftigte den Verlust ihres Arbeitsplatzes.

Vermieter warten auf ihr Geld

Parallel kämpft Galeria mit ausstehenden Mietzahlungen. Mehrere Vermieter beklagten zuletzt, dass Mieten gar nicht oder nur teilweise beglichen wurden. Das Unternehmen räumte Liquiditätsschwankungen ein und bat um Stundung.

Während einige Eigentümer bestätigen, dass offene Positionen inzwischen beglichen seien, fehlen andernorts noch zwei Monatsmieten. Galeria will nun mit Vermietern über umsatzabhängige Mieten verhandeln – ein Modell, das Risiken vom Händler auf die Immobilieneigentümer verschiebt.

Gordon Brothers: Der Totengräber kehrt zurück

Ausgerechnet Gordon Brothers stellt den Kredit – abgesichert durch die Warenbestände von Galeria. Der Name ist im Kosmos der Warenhauskrise kein unbekannter: Der Investor organisierte vor Jahren den Abverkauf in Kaufhof- und Karstadt-Filialen vor deren Schließung.

Dass ausgerechnet dieser Player jetzt als Retter auftritt, ist ein bitteres Detail. Miteigentümer Bernd Beetz formuliert es diplomatisch: Die Lage bleibe angespannt, man wolle aber eine langfristige Perspektive schaffen – nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die Innenstadtlagen.

Business Punk Check

Galeria ist kein Sanierungsfall mehr, sondern ein Zombie auf Pump. Der Kredit verschafft Luft für wenige Monate, mehr nicht. Die Wahrheit: Das Geschäftsmodell Warenhaus ist in Deutschland tot. Wer heute noch glaubt, dass großflächiger stationärer Einzelhandel ohne klares Profil funktioniert, lebt in den Neunzigern. Galeria hat weder ein überzeugendes Sortiment noch ein Alleinstellungsmerkmal – nur teure Innenstadtflächen und eine Kostenstruktur aus einer anderen Ära.

Die politische Rhetorik von „wichtig für Innenstädte“ verschleiert die Realität: Kommunen klammern sich an ein sterbendes Konzept, weil sie keine Antwort auf leerstehende Kaufhäuser haben. Doch Galeria wird diese Lücke nicht füllen. Der dreijährige Sanierungsplan ist bestenfalls ein kontrollierter Rückzug, schlimmstenfalls eine verzögerte Liquidation. Für Beschäftigte bedeutet das: Unsicherheit auf Raten. Für Innenstädte: Die Frage nach der Zukunft des stationären Handels bleibt unbeantwortet. Wer jetzt noch auf Galeria setzt, setzt auf das falsche Pferd.

Quellen: Spiegel, Bild

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