Business & Beyond 53 Prozent Rentenniveau: Der DGB fordert die teure Anti-Merz-Reform

53 Prozent Rentenniveau: Der DGB fordert die teure Anti-Merz-Reform

Yasmin Fahimi kontert Merz‘ Rentenreform mit einem Gewerkschafts-Gegenentwurf: 53 Prozent Rentenniveau statt Kapitalmarkt-Zockerei. Die Rechnung geht nur auf, wenn Arbeitgeber und Reiche zahlen – was die nie tun werden.

Timing ist alles in der Politik. Während Friedrich Merz und Bärbel Bas am Dienstag ihre 33 Rentenempfehlungen präsentierten, zückte DGB-Chefin Yasmin Fahimi prompt das Gewerkschafts-Kontra: ein elfseitiges Alternativkonzept, das viel verspricht und wenig erklärt. Mindestens 70 Prozent Nettoersatzrate im Ruhestand, Rentenniveau rauf auf 53 Prozent – und das Ganze ohne länger arbeiten zu müssen. Klingt nach Wunschkonzert. Ist es vermutlich auch.

Die DGB-Rentenkommission, besetzt mit Ricarda Lang und Kevin Kühnert, legt einen Plan vor, der die schwarz-rote Koalition düpieren soll. Kern des Konzepts: Das Rentenniveau der gesetzlichen Rente soll von derzeit 48 Prozent zunächst auf 50 Prozent, dann auf 53 Prozent steigen, wie Handelsblatt berichtet. Ergänzt durch eine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge – finanziert ausschließlich durch die Arbeitgeber mit zwei Prozent des Bruttolohns – sollen Rentner am Ende 70 bis 90 Prozent ihres letzten Nettoeinkommens kassieren.

Die Rechnung ohne den Wirt

Wie soll das funktionieren? Der DGB setzt auf „leicht erhöhte Beiträge“ und einen „Demografiezuschuss“ aus dem Bundeshaushalt. Dieser Zuschuss wiederum soll aus Steuern auf „hohe Einkommen, große Vermögen und Kapitaleinkünfte“ gespeist werden. Außerdem sollen Selbstständige und Politiker endlich in die gesetzliche Rente einzahlen – erste Schritte zur Erwerbstätigenversicherung für alle, laut WirtschaftsWoche.

Das Modell steht im krassen Gegensatz zur Regierungsreform. Merz und Bas setzen auf eine Kapitalrente: Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen gemeinsam zwei Prozent des Bruttogehalts ein, das Geld wird am Kapitalmarkt angelegt. Das Rentenalter soll schrittweise steigen, die Rente nach 45 Jahren ohne Abschläge wird gestrichen. Der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor dämpft ab 2032 die jährlichen Rentensteigerungen.

Gewerkschafts-Störfeuer mit System

Politisch brisant: Lang und Kühnert sitzen in der DGB-Kommission, während ihre Parteien die Regierungspläne mittragen sollen. Das ist kein Zufall, sondern gezieltes Störfeuer von links. Der DGB lehnt die Kapitalrente kategorisch ab – bezeichnet sie als „Kapitalmarkt-Zockerei“ auf dem Rücken der Beitragszahler.

Stattdessen favorisiert der Gewerkschaftsbund ein gestärktes Umlagesystem, notfalls ergänzt durch einen steuerfinanzierten Kapitalstock analog zum gescheiterten Ampel-Generationenkapital. Dabei gibt es durchaus Schnittmengen: Fahimi lobte die Zielmarke von 70 Prozent Nettoersatz und die Einbeziehung weiterer Personengruppen. Doch in den entscheidenden Punkten – Rentenalter, Finanzierung, Rolle des Kapitalmarkts – liegen Welten zwischen Regierung und Gewerkschaften.

Business Punk Check

Das DGB-Konzept ist ein politisches Signal, kein Finanzierungsplan. Elf Seiten gegen die detaillierten Regierungsempfehlungen – das ist Rhetorik, kein Reformprogramm. Die Idee, höhere Renten allein über Steuern auf Reiche und Arbeitgeberbeiträge zu finanzieren, ignoriert die Realität: Vermögensteuern scheitern seit Jahrzehnten, Arbeitgeber werden Pflichtbeiträge zur Betriebsrente erbittert bekämpfen. Der eigentliche Wert liegt woanders: Der DGB markiert eine rote Linie für SPD und Grüne. Wer Merz‘ Kapitalrente mitträgt, kriegt Ärger mit der Basis.

Das könnte die Koalition spalten, bevor die Reform überhaupt verabschiedet ist. Für junge Arbeitnehmer bleibt die bittere Wahrheit: Egal welches Modell kommt – ohne private Vorsorge wird’s eng im Alter. Der ausführliche DGB-Bericht im Sommer wird zeigen, ob hinter den Versprechen mehr steckt als gewerkschaftlicher Aktivismus.

Quellen: Handelsblatt, WirtschaftsWoche, Steuertipps, Tagesschau, DGB Rentenkommission, DGB Rentenpolitik, ZDF heute, DGB Rente, Deutschlandfunk, Zeit

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