Tech & Trends Kalte Füße: Warum OpenAI seinen Billion-IPO abbläst

Kalte Füße: Warum OpenAI seinen Billion-IPO abbläst

Sam Altman will eine Billion Dollar – oder gar nichts. Nach dem SpaceX-Desaster bekommt OpenAI kalte Füße beim geplanten Börsengang. Die Berater raten: Verschieben auf 2027 oder Ansprüche runterschrauben.

Erst groß ankündigen, dann kneifen: OpenAI hat Anfang Mai die Unterlagen für den Börsengang eingereicht, jetzt rudert das Unternehmen zurück. CEO Sam Altman tendiert dazu, das IPO auf 2027 zu verschieben – ursprünglich war Q3 oder Q4 2026 angepeilt. Der Grund? Die Aktienmärkte spielen nicht mit, und SpaceX hat gerade vorgemacht, wie brutal ein Hype-IPO platzen kann.

Berater haben Altman laut New York Times vor die Wahl gestellt: Entweder wartet er bis 2027, um seine geforderte Bewertung von einer Billion Dollar zu erreichen – oder er senkt die Zielmarke für ein schnelleres Debüt. Abrücken von der Billion? Kommt für Altman nicht infrage, heißt es aus Insiderkreisen. Lieber warten, als sich unter Wert verkaufen.

Die SpaceX-Lektion: Vom Höhenflug zum Sturzflug

Das SpaceX-Debakel sitzt OpenAI im Nacken. Elon Musks Raumfahrtfirma absolvierte den größten Börsengang der Geschichte – und stürzte prompt ab. Von 202 Dollar ging es bis auf 153 Dollar runter, wie heise berichtet. Zwischenzeitlich überholte SpaceX die Marktkapitalisierung von Amazon, Microsoft und TSMC – nur um danach wieder abgehängt zu werden. Diese Achterbahnfahrt hat Investoren nervös gemacht.

Die Warnung der Berater ist eindeutig: Privatanleger könnten bei OpenAI-Aktien das Interesse verlieren. Die jüngsten Marktturbulenzen und Kursverluste bei Tech-Aktien haben den Nasdaq ins Minus gedrückt. Hinzu kommt wachsende Skepsis, ob KI-Firmen ihre großen Versprechen überhaupt einlösen können. Bei der letzten Finanzierungsrunde wurde OpenAI noch auf 730 Milliarden Dollar taxiert – die Lücke zur Billion ist erheblich.

Business Punk Check

Altmans Pokerspiel ist riskant. Eine Verschiebung signalisiert Schwäche – genau das, was ein heißgelaufener KI-Markt nicht braucht. Doch die Alternative ist noch schlechter: Ein verpatzter Börsengang à la SpaceX würde OpenAIs Glaubwürdigkeit nachhaltig beschädigen. Die eigentliche Frage lautet: Kann sich das Unternehmen die Verzögerung leisten? Die Konkurrenz schläft nicht.

Anthropic, Google, Meta – alle jagen ChatGPT. Jeder Monat ohne frisches Kapital vom öffentlichen Markt ist ein Monat, in dem die Rivalen aufholen. Altmans Billion-oder-nichts-Strategie mag nach Stärke aussehen, ist aber vor allem eins: Hochmut. Wenn 2027 der Markt immer noch nicht mitspielt, war’s das mit dem IPO-Traum. Realistischer Rat: Bewertung auf 850 Milliarden senken, IPO durchziehen, Wachstum beweisen – dann kommt die Billion von selbst.

Quellen: heise, Handelsblatt, WirtschaftsWoche, New York Times

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