Business & Beyond VW und Bosch vor dem Bruch: Das autonome Fahren wird zum Milliardenproblem

VW und Bosch vor dem Bruch: Das autonome Fahren wird zum Milliardenproblem

Volkswagen beendet die Entwicklungspartnerschaft mit Bosch beim autonomen Fahren. Trotz 1,5 Milliarden Euro Investition gilt die Technik intern als nicht wettbewerbsfähig – ein weiterer Rückschlag im Software-Desaster.

Volkswagen zieht die Notbremse bei einem der wichtigsten Zukunftsprojekte. Die Automated Driving Alliance mit Bosch steht vor dem Aus.

Mehrere Insider bestätigen gegenüber Bild: Der Konzern will die Partnerschaft beenden, die seit 2022 als deutscher Gegenschlag gegen Tesla, Mercedes und chinesische Hersteller galt. Über 1000 Experten sollten gemeinsam mit der VW-Softwaretochter Cariad Fahrerassistenz und automatisiertes Fahren für die Masse entwickeln. Jetzt folgt der harte Schnitt.

Milliarden-Investment ohne Durchbruch

Die Zahlen offenbaren das Ausmaß des Scheiterns. Rund 1,5 Milliarden Euro flossen bereits in das Projekt. Trotzdem bewerten interne Fachbereiche die Technik als nicht wettbewerbsfähig.

Besonders beim Level 2++ – Fahren ohne Hände am Lenkrad im Stadtverkehr – klafft eine erhebliche Lücke zur Konkurrenz. Für VW ist das mehr als ein technisches Problem. Moderne Assistenzsysteme entscheiden darüber, ob Kunden ein Auto als zukunftsfähig wahrnehmen. Wer hier zurückfällt, verliert Prestige und Marge.

Strategiewechsel unter Zeitdruck

Die ADA sollte VWs lange kritisierte Software-Schwäche beheben. Cariad startete unter Ex-Chef Herbert Diess als Herzstück des künftigen Software-Autos. Doch Verzögerungen und Umbauten prägten die vergangenen Jahre. Erst 2024 vertiefte VW die Zusammenarbeit mit Mobileye für automatisierte Fahrfunktionen, parallel baut der Konzern mit Rivian an neuer Elektro- und Software-Architektur. Nun folgt der nächste Kurswechsel beim autonomen Fahren.

VW plant laut Bild, Hardware und Software für künftige Systeme ab Level 2++ mit einem neuen Partner einzukaufen und weiterzuentwickeln – statt sie wie bisher im Kern selbst mit Bosch aufzubauen. Der neue Partner soll derzeit ausgewählt werden. Bis Ende September 2026 will VW die Kooperation vertraglich absichern. Die Bosch-Allianz soll nach den vertraglichen Regeln abgewickelt werden, intern ist von rechtlichen und finanziellen Folgen die Rede. Die endgültige Kündigung soll frühestens am 29. Juni erfolgen.

Sparzwang trifft Zukunftsprojekte

Der Grund für den radikalen Schritt: VW will Geld sparen und schneller wettbewerbsfähig werden. Zwischen 2027 und 2031 soll der Konzern fast eine Milliarde Euro weniger investieren. Statt weiter Millionen in eine intern als schwach bewertete Eigenentwicklung zu stecken, soll eine fertige Lösung am Markt eingekauft werden. Der Rausschmiss von Bosch ist Teil des aktuellen Rettungsplans, der das Überleben von Volkswagen sichern soll.

Ein Sprecher der VW-Tochter Cariad erklärt auf Anfrage: Man prüfe grundsätzlich regelmäßig Entwicklungspartnerschaften und bewerte fortlaufend, ob diese noch zu den strategischen Zielen passten. Insbesondere bei hoch entwickelten Assistenzsystemen hätten sich Markt und Technologie anders entwickelt als zu Beginn der Zusammenarbeit erwartet. Zu vertraulichen Gesprächen mit Partnern äußere sich Cariad grundsätzlich nicht. Bosch schloss sich der Stellungnahme von VW an.

Business Punk Check

VW wiederholt das gleiche Muster: Großspurige Ankündigungen, Milliarden-Investments, dann der Rückzieher. 1,5 Milliarden Euro versenkt, weil die Technik nicht wettbewerbsfähig ist – das ist kein Software-Problem, sondern ein Management-Versagen. Während Tesla und chinesische Hersteller längst Level 2++ ausrollen, bastelt VW noch am Baukasten. Die Strategie, jetzt fertige Lösungen einzukaufen, kommt Jahre zu spät. Der Rauswurf von Bosch zeigt, wie verzweifelt die Lage ist.

VW hat keine Zeit mehr für Eigenentwicklungen und muss auf Zukauf setzen. Doch wer garantiert, dass der nächste Partner besser liefert? Die Zusammenarbeit mit Mobileye und Rivian läuft parallel – ein Flickenteppich statt klarer Strategie. Für Entscheider bedeutet das: VW hat beim autonomen Fahren den Anschluss verloren. Wer auf deutsche Ingenieurskunst bei Assistenzsystemen setzt, sollte sich nach Alternativen umsehen. Die Konkurrenz ist längst weiter.

Quellen: Handelsblatt, De, Bild

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