Tech & Trends Das 5-Milliarden-Karussell: Warum AMDs Anthropic-Deal ein billiger Taschenspielertrick ist

Das 5-Milliarden-Karussell: Warum AMDs Anthropic-Deal ein billiger Taschenspielertrick ist

AMD steckt 5 Milliarden in Anthropic und kassiert das Geld über Chip-Verkäufe direkt zurück. Willkommen im zirkulären Finanzierungswahnsinn der KI-Industrie, wo niemand mehr weiß, wer wen eigentlich bezahlt.

Der Deal klingt spektakulär: AMD investiert bis zu 5 Milliarden Dollar in Anthropic und sichert sich im Gegenzug einen Auftrag über bis zu zwei Gigawatt AMD-Instinct-MI455X-GPUs. Doch Moment, Anthropic zahlt für diese Chips, laut WirtschaftsWoche, mit exakt jenem Geld, das AMD gerade investiert hat. Das Kapital fließt im Kreis, der Chip-Hersteller finanziert die Nachfrage nach seinen eigenen Produkten. Willkommen im Finanzkasino des KI-Booms.

Die nackten Zahlen wirken eindrucksvoll: Ab der ersten Jahreshälfte 2027 soll das erste Gigawatt Rechenleistung online gehen, wie heise berichtet. Bei geschätzten 250.000 bis 500.000 GPUs allein für das erste Gigawatt sprechen wir von Hardware im Wert mehrerer zehn Milliarden Dollar. Anthropic bekommt komplette Helios-Rackscale-Systeme – MI455X-Beschleuniger kombiniert mit AMD-EPYC-Venice-Prozessoren, Pensando-Netzwerktechnik und ROCm-Software. Ein gigantischer Auftrag für AMD im Kampf gegen Marktführer Nvidia.

Das Muster dahinter: Alle machen es

Doch AMD ist nicht allein. Das Konstrukt folgt einem Branchenmuster, das zunehmend an die fragwürdige Vendor-Financing-Praxis der Dotcom-Ära erinnert. Nvidia investierte im Herbst 2025 bis zu 100 Milliarden Dollar in OpenAI – später reduziert auf 30 Milliarden –, während OpenAI sich verpflichtete, Millionen Nvidia-Chips zu kaufen.

Microsoft und Nvidia pumpten zusammen 15 Milliarden in Anthropic, das sich im Gegenzug zu 30 Milliarden Dollar Azure-Ausgaben verpflichtete, so Trending Topics. Das perfideste Detail: AMD räumte OpenAI in einem separaten Deal Bezugsrechte auf bis zu 160 Millionen eigene Aktien ein – rund zehn Prozent des Unternehmens [Trending Topics]. KI-Labs werden zu Großaktionären ihrer eigenen Zulieferer. Die Grenzen zwischen Investor, Kunde und Partner verschwimmen komplett.

Software-Partnerschaft als Feigenblatt

Als strategische Verzuckerung verkaufen beide Unternehmen eine „mehrjährige Software-Kooperation“: Anthropics Claude soll AMDs ROCm-Plattform optimieren, AMD nutzt Claude intern in Entwicklungsteams. „Der Zugang zu Compute ist zentral, um Claude an der Spitze zu halten“, sagte Mitgründer Tom Brown laut Trending Topics. Übersetzung: Wir brauchen verzweifelt Rechenkapazität – egal wie die Finanzierung aussieht.

Anthropic hat sich 2026 insgesamt über zehn Gigawatt neue Kapazität gesichert: über eine Million Google-TPUs, fünf Gigawatt Amazon-Trainium-Chips, Microsoft-Azure-Kapazität und nun AMD. Die annualisierte Umsatzrate stieg von 9 Milliarden Dollar Ende 2025 auf über 30 Milliarden 2026 [Trending Topics]. Beeindruckend – bis man realisiert, dass ein Großteil dieser „Umsätze“ aus zirkulären Deals stammt.

Business Punk Check

AMDs Aktie schoss nach der Ankündigung um sechs Prozent hoch, im Gesamtjahr um 140 Prozent [Trending Topics]. Wall Street feiert das Karussell. Doch die unbequeme Wahrheit: Niemand weiß, ob Anthropic diese Rechnungen jemals aus eigener Kraft bezahlen kann. Die KI-Industrie gleicht einem Pyramidenspiel, bei dem Chip-Hersteller ihre eigenen Kunden finanzieren, die wiederum bei ihnen einkaufen. Der eigentliche Gewinner?

Trotz AMDs Deal-Offensive kontrolliert Jensen Huangs Imperium über 90 Prozent des KI-Chip-Markts. Anthropics „Diversifizierungsstrategie“ ist Risikostreuung aus Verzweiflung, kein Vertrauensbeweis für AMD. Solange die KI-Labs keine profitablen Geschäftsmodelle jenseits von Investorengeldern vorweisen, bleibt der ganze Boom ein fragiles Konstrukt aus gegenseitigen Schuldscheinen. AMD spielt Aufholjagd in einem Rennen, dessen Ziellinie womöglich gar nicht existiert.

Quellen: WirtschaftsWoche, heise, The Decoder, Trending Topics, Trending Topics

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