Tech & Trends 205 Milliarden Dollar: Google geht im KI-Krieg all-in

205 Milliarden Dollar: Google geht im KI-Krieg all-in

Alphabet hebt KI-Ausgaben auf bis zu 205 Milliarden Dollar an, Cloud-Geschäft explodiert um 82 Prozent. Trotz Rekordquartal: Die Aktie fällt. Ist das die teuerste Wette der Tech-Geschichte oder brillante Strategie?

Google schießt scharf im KI-Krieg und verbrennt dabei Geld in historischem Ausmaß. Der Konzern hebt seine Investitionsplanung für 2026 zum dritten Mal an: auf bis zu 205 Milliarden Dollar, wie The Decoder berichtet. Noch im Frühjahr lagen die Prognosen bei 175 bis 185 Milliarden. Allein im zweiten Quartal gab Alphabet knapp 45 Milliarden Dollar für Infrastruktur aus. Und Finanzchefin Anat Ashkenazi kündigte bereits an, dass die Ausgaben 2027 „bedeutend“ höher ausfallen würden, so Trending Topics.

Die Nachfrage übersteige weiterhin die Investitionen, so das Unternehmen. Das Quartalsgeschäft selbst liest sich wie ein Erfolgsroman: Der Umsatz kletterte auf 119,8 Milliarden Dollar – ein Plus von 24 Prozent und über den Erwartungen von 116,9 Milliarden. Google Cloud wuchs um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar und überraschte damit selbst optimistische Analysten, die mit 22,2 Milliarden gerechnet hatten [Trending Topics]. Die Gemini-App kommt laut Google auf 950 Millionen monatliche Nutzer, 200 Millionen mehr als noch im Februar. Der KI-Modus in der Google-Suche hat seit der weltweiten Einführung im Oktober über eine Milliarde monatlich aktive Nutzer erreicht.

Warum die Aktie trotzdem abstürzte

Doch die Wall Street ist wenig beeindruckt: Nach der Bekanntgabe der erhöhten Ausgabenprognose drehte die Alphabet-Aktie im nachbörslichen Handel ins Minus und verlor rund zwei Prozent. Der Grund: Die massiven Investitionen führten erstmals zu einem negativen Free Cash Flow [Google News Wirtschaft (DE)]. Für Anleger ist das ein Warnsignal – selbst bei starkem Wachstum. Die Frage, die sich Investoren stellen: Wann wird aus der Geldverbrennungsmaschine endlich eine Profitmaschine?

Hinzu kommt, dass ein erheblicher Teil des ausgewiesenen Quartalsgewinns von 112,1 Milliarden Dollar reiner Buchgewinn ist: Rund 99 Milliarden Dollar stammen aus der Aufwertung von Beteiligungen an SpaceX und Anthropic [Trending Topics]. Das operative Geschäft wuchs zwar solide um 24 Prozent, doch die Frage nach der Profitabilität der KI-Offensive bleibt offen. Auch höhere Kosten für Bauteile wie Speicherchips, deren Preise durch die exorbitante Nachfrage für KI-Rechenzentren explodieren, belasten die Bilanz.

Pichai gibt Schwächen offen zu

CEO Sundar Pichai überraschte mit ungewohnter Offenheit: Google benötige zunächst ein fähigeres Basismodell, um zur Spitze aufzuschließen, wie The Decoder berichtet. Coding und agentenbasiertes Coding seien Bereiche mit Verbesserungsbedarf. Dafür hat Google den „ambitioniertesten Vortrainingslauf für Gemini 4″ gestartet.

Das erwartete Frontier-Modell Gemini 3.5 Pro scheint nicht mehr Teil des Plans, Google setzt auf monatliche Modell-Releases und die Flash-Serie, die wegen des besten Kompromisses aus Leistung und Kosten stark nachgefragt werde. Das wirft die Frage auf: Ist ein Frontier-Modell für Googles Tagesgeschäft überhaupt noch relevant? Für das AGI-Rennen wahrscheinlich schon, für die täglichen Anwendungen im Google-Ökosystem eher weniger. Die Kosten pro KI-Antwort im AI-Mode seien auf den niedrigsten Stand seit Einführung gefallen – ein Effizienzgewinn, der Google langfristig einen Margenvorteil verschaffen könnte.

Business Punk Check

Googles KI-Wettrüsten ist ein Vabanquespiel mit historischem Einsatz. 205 Milliarden Dollar und 2027 soll es noch mehr werden. Das ist mehr als das BIP von Ungarn. Die Rechnung ist simpel: Entweder dominiert Google die KI-Ära und rechtfertigt die Ausgaben, oder der Konzern hat sich verzockt. Die Anleger sind zurecht nervös.

Ein negativer Free Cash Flow bei einem Unternehmen, das jahrelang Geld gedruckt hat, ist ungewohnt. Gleichzeitig zeigt das Cloud-Wachstum von 82 Prozent: Die Nachfrage ist real. Pichais Offenheit über Schwächen ist entweder erfrischend ehrlich oder ein Zeichen der Verzweiflung. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob Google den Markt dominiert oder sich in der teuersten Tech-Wette aller Zeiten verheddert. Konkrete Handlungsempfehlung für Unternehmen: Wer auf Google Cloud setzt, sollte alternative Anbieter parat haben – falls die Rechnung nicht aufgeht.

Quellen: The Decoder, Trending Topics, Golem

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