Work & Winning Zwischen ChatGPT und Existenzangst: Was Gen Z laut Zenjob-Studie wirklich umtreibt

Zwischen ChatGPT und Existenzangst: Was Gen Z laut Zenjob-Studie wirklich umtreibt

Über die Hälfte der befragten jungen Arbeitnehmer:innen hat sich am Arbeitsplatz schon einmal ausgenutzt oder schlecht behandelt gefühlt. Der häufigste Grund dafür ist nicht mangelnde Bezahlung oder harte Arbeit, sondern fehlender Respekt von Führungskräften. Das ist eines der überraschendsten Ergebnisse der neuen Gen-Z-Studie 2026 der Berliner Flex-Staffing-Plattform Zenjob. Rund 1.200 aktive Zenjobber:innen aus allen Städten wurden im April 2026 dazu befragt, was ihnen am Arbeitsplatz wichtig ist, wie sie KI im Alltag nutzen und was sie mit Blick auf ihre Zukunft am meisten beunruhigt. Herausgekommen ist das Porträt einer Generation, die pragmatischer ist als ihr Ruf, aber auch deutlich mehr Sorgen mit sich trägt, als der übliche Diskurs um Sinnhaftigkeit und Work-Life-Balance vermuten lässt.

Geld vor Sinn

Ganz oben auf der Werteliste stehen ein wettbewerbsfähiges Gehalt, Karrierechancen und ehrliche Kommunikation. Erst danach folgen Weiterbildungsmöglichkeiten, Diversität und Offenheit für Innovation. Am unteren Ende landen Firmenevents und flache Hierarchien, den wenigsten Befragten ist das wichtig. Diese Reihenfolge ist bemerkenswert stabil und deckt sich fast eins zu eins mit den Ergebnissen aus dem Vorjahr. Verschoben hat sich lediglich, welcher der drei Spitzenreiter vorne liegt: Gehalt hat ehrliche Kommunikation inzwischen überholt.

Fehlender Respekt vom Management

Die unbequemste Zahl der Studie: 58 % der Befragten haben sich am Arbeitsplatz schon mindestens einmal ausgenutzt oder schlecht behandelt gefühlt, 30 % davon sogar mehrfach. Gefragt nach der Art der Mistreatment, nennen 65 % fehlenden Respekt vom Management, deutlich vor Diskriminierung (34%) und rein top-down organisierter Kommunikation (32 %). Zenjob-CEO und Co-Founder Fritz Trott ordnet das ein: „Das ist ein Führungsproblem, kein Generationenproblem. Wer glaubt, diese Zahlen kämen daher, dass junge Menschen heute empfindlicher sind, hat nicht verstanden, was da eigentlich berichtet wird.“

KI ist längst Alltag, nicht Ausnahme

Für Studium und Job ist Künstliche Intelligenz längst kein Zukunftsthema mehr. 64 % nutzen KI-Tools mehrere Male pro Woche oder täglich, vor allem um komplexe Themen zu verstehen, für Brainstorming und zum Zusammenfassen von Texten. An das Schreiben von Code oder ganzer Arbeiten trauen sich die wenigsten, das bleibt mit 28 % der am seltensten genannte Anwendungsfall. Bei der Bewertung von KI zeigt sich ein pragmatischer Blick: 63 % sehen sie als Mischung aus Chance und wachsender Konkurrenz, nur 9 % als reine Bedrohung. Was sich die Befragten von Hochschulen und Arbeitgebern wünschen, ist deutlich konkreter als der übliche KI-Enthusiasmus. Praxisnahe Workshops, klare Regeln, was erlaubt ist, und kostenlose Lizenzen für Premium-Tools.

Geld, nicht Weltpolitik, ist die größte Sorge

Was junge Menschen am meisten beunruhigt, wenn sie an ihre Zukunft denken, ist nicht in erster Linie KI oder globale Konflikte, sondern die eigene finanzielle Absicherung. 62 % nennen finanzielle Unsicherheit als größten Stressfaktor, deutlich vor anhaltenden Konflikten (42 %) und gesellschaftlicher Instabilität (40 %). Passend dazu geben 75 % an, ihre Einnahmen vor allem für Lebensmittel und Haushaltskosten auszugeben, 64 % für Miete. Nach dem Studium wollen 45 % in Deutschland bleiben, wer abwandern will, nennt vor allem niedrigere Steuern, die politische Lage und eine bessere Work-Life-Balance als Gründe. Auch abseits der Finanzen bleibt der Druck hoch: Fast die Hälfte gibt an, dass geopolitische Konflikte sie im Alltag verunsichern und ihnen Sorgen um die Stabilität des Arbeitsmarkts bereiten, und jede:r Fünfte fühlt sich fast täglich mental belastet. Der Wunsch nach Unterstützung ist entsprechend eindeutig: 78 % halten psychologische Angebote der Arbeitgeber für wichtig oder sehr wichtig.

Was die Studie am Ende zeigt, ist eine Generation, die weniger idealistisch tickt, als ihr oft unterstellt wird, und die genau weiß, wofür sie ihre Loyalität hergibt. „Diese Generation sucht keine Sonderbehandlung“, sagt Trott. „Sie sucht faire Bezahlung, echte Entwicklungsmöglichkeiten, respektvolle Führung und ehrliche Kommunikation. Das war es eigentlich schon immer.“

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