Startup & Scaling 5 Milliarden für nichts? Nvidias Phantom-Wette auf den OpenAI-Rebell

5 Milliarden für nichts? Nvidias Phantom-Wette auf den OpenAI-Rebell

Nvidia investiert fünf Milliarden Dollar in Safe Superintelligence, ein Startup ohne Produkt, ohne Demo, ohne Umsatz. Die Bewertung: 32 Milliarden Dollar. Was Jensen Huang über Ilya Sutskever weiß, das wir nicht wissen.

Zwei Jahre Funkstille. Keine Demo, kein Produkt, nicht mal ein Whitepaper. Nur ein Manifest auf der Website und eine Bewertung, die höher ist als die von Airbnb. Willkommen bei Safe Superintelligence Inc. (SSI), dem vielleicht geheimnisvollsten Startup der KI-Ära und Nvidias neuester Milliarden-Wette. Am Montag verkündeten SSI und Nvidia eine langfristige Partnerschaft.

Die Chipmaker-Ikone investiert rund fünf Milliarden Dollar, wie Bloomberg berichtet, und gibt dem Unternehmen Zugang zur neuen Vera-Rubin-Plattform, einer Recheninfrastruktur, die SSIs Compute-Kapazität um den Faktor zehn steigern soll. Die offizielle Ankündigung bleibt bei Zahlen vage, spricht nur von einem „substantiellen“ Investment. Doch die Message ist klar: Nvidia glaubt an Ilya Sutskever. Blindlings.

Das teuerste Forschungslabor ohne Ergebnis

SSI wurde im Juni 2024 von Sutskever gegründet, Monate nachdem sein Putschversuch gegen OpenAI-Chef Sam Altman spektakulär gescheitert war. Sein Pitch: Ein Startup mit „einem Ziel und einem Produkt“ sichere Superintelligenz. Keine Produktzyklen, kein Management-Overhead, keine kommerziellen Ablenkungen. Nur Forschung. Investoren zahlten trotzdem: eine Milliarde Dollar bei fünf Milliarden Bewertung im September 2024, dann zwei Milliarden bei 32 Milliarden Dollar Bewertung, wie TechCrunch berichtet. Insgesamt sieben Milliarden Dollar für ein Team von wenigen Dutzend Leuten in Palo Alto und Tel Aviv.

Was haben die Investoren dafür bekommen? Sutskevers Reputation. Der Mann co-kreierte AlexNet, den Deep-Learning-Durchbruch, der die heutige KI-Revolution erst möglich machte. Er leitete OpenAIs inzwischen aufgelöste Superalignment-Abteilung. Und er hat wiederholt angedeutet, dass reines Skalieren von KI-Modellen nicht reicht – dass „etwas Wichtiges“ fehlt. Seine Aussage in der Nvidia-Pressemitteilung klingt nun wie ein Versprechen: „Wir haben Forschung, die es wert ist, hochskaliert zu werden.“ Ob er das fehlende Puzzle-Teil gefunden hat? Niemand außerhalb von SSI kann das überprüfen. Nvidia bekam laut eigener Aussage „seltenen Zugang“ zu SSIs streng abgeschirmter Forschung – eine Due Diligence für fünf Milliarden Dollar.

Vera Rubin: Die 10x-Maschine

Die Vera-Rubin-Plattform ist Nvidias Antwort auf den unersättlichen Compute-Hunger der KI-Labore. Die Rubin-R100-GPU packt 336 Milliarden Transistoren auf 3-Nanometer-Chips von TSMC, 288 GB HBM4-Speicher inklusive.

Ein NVL72-Rack vereint 72 Rubin-GPUs und 36 Vera-CPUs. Nvidia verspricht zehnmal niedrigere Kosten pro Token im Vergleich zur Vorgänger-Generation Blackwell. Für SSI bedeutet das: drastisch mehr Rechenleistung, um Sutskever zu testen, ob seine Theorie aufgeht.

Die zirkuläre Finanzierungs-Falle

Doch Nvidias Investment-Strategie steht unter Beschuss. In den letzten zwei Jahren pumpte der Konzern Milliarden in seine eigenen Kunden: 6,6 Milliarden in OpenAI, sechs Milliarden in Elon Musks xAI, bis zu zehn Milliarden in Anthropic. Dazu kommen Beteiligungen an Neocloud-Anbietern wie CoreWeave oder Lambda. Der Vorwurf: Wenn der Chiphersteller die Käufe seiner Abnehmer mitfinanziert, ist das resultierende Umsatzwachstum nicht organisch – sondern finanziell konstruiert. CEO Jensen Huang weist die Kritik zurück und nennt die Stakes „gute Investments“.

Im Fall SSI ist die Konstruktion allerdings anders: Kein Produkt, kein Umsatz, keine Cloud-Verpflichtung als Gegenleistung. Nvidia kauft sich hier nicht in einen zahlenden Kunden ein, sondern in eine Vision. Oder anders formuliert: in Sutskever selbst.

Business Punk Check

Das ist entweder die größte Tech-Wette des Jahrzehnts oder der spektakulärste Milliarden-Bluff. SSI hat in zwei Jahren öffentlich null geliefert, keine Metrik, kein Benchmark, nicht mal ein Teaser. Die 32-Milliarden-Bewertung basiert ausschließlich auf Sutskever-Mystik und Nvidia-Vertrauen. Während Konkurrentin Mira Murati bei Thinking Machines bereits ein Open-Weight-Modell vorgelegt hat, bleibt SSI ein komplettes Phantom.

Die harte Realität: Wenn Sutskever tatsächlich den „fehlenden Baustein“ zur sicheren Superintelligenz gefunden hat, ist der Deal genial. Falls nicht, hat Nvidia fünf Milliarden in ein sehr teures Forschungsseminar gesteckt. Die eigentliche Frage ist nicht, ob SSI liefert – sondern ob es das überhaupt muss. Bei dieser Investoren-Liste und Nvidias Rückendeckung kann Sutskever forschen, bis die Chips schmelzen. Vielleicht ist das ja der Plan.

Quellen: TechCrunch, Trending Topics, Bloomberg

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