Female & Forward Frau Dr. ist eine Brand

Frau Dr. ist eine Brand

Vom Millionen-Erfolg mit 30 bis zur eigenen Skincare-Brand ohne Investoren: Dr. Miriam Rehbein zeigt, wie medizinische Expertise und Unternehmergeist zusammen funktionieren. Warum sie trotz vier Kindern und wachsendem Unternehmen weiter in der Praxis steht, steht in der neuen She’s Punk.

Von Daniela Pilic

Dr. Miriam Rehbein ist vierfache Mutter, Ärztin und eine Gründerin, die keinen Bock auf Kompromisse hat. Das zahlt sich aus …

Dr. Miriam Rehbein stammt aus einer Medizinerfamilie, insofern überrascht es nicht, dass sie ebenfalls Ärztin geworden ist. Ihr Vater wechselte irgendwann die Seiten und ist Unternehmer geworden. So hatte sie beides von klein auf vor Augen: die Heilkunde und den Hunger, Dinge zu verändern – letzteres sieht sie als den größten Antrieb zum Unternehmertum. „Ich war nie besonders gut darin, Anweisungen zu befolgen. Ich wollte immer gestalten, entscheiden und Verantwortung übernehmen. Deshalb war Unternehmertum für mich keine Option, sondern die logische Konsequenz“, sagt Rehbein, die viel und schnell spricht und nach eigenen Angaben ein Energielevel hat wie ein Duracell-Hase. Also machte sie beides auf ihre Art: Sie studierte Medizin, spezialisierte sich auf Dermatologie und eröffnete eine Praxis in München, die so gut lief, dass sie mit 30 schon ihre erste Million verdient hatte. Seit acht Jahren vertreibt sie auch ihre eigene Brand DOCTOR MI.

Von Null auf 800.000

Geld aus der Praxis steckte die heute 42-Jährige in die Entwicklung ihrer Kosmetikprodukte, Fremdkapital kam dabei nie ins Spiel. „DOCTOR MI wurde ohne Investoren, ohne Agentur und ohne Co-Founder aufgebaut. Produktentwicklung, medizinische Expertise, Markenstrategie und Vertrieb lagen jahrelang vollständig in meiner Hand“, erzählt sie. Im ersten Jahr erzielte sie als One-WomanShow 800.000 Euro Gewinn. Die Idee zu einer eigenen Brand kam ihr schon im Studium. 2015 gründete sie das Unternehmen, im Dezember 2018 verkaufte sie das erste Produkt. Was die Brand ausmacht? „Medizinische Expertise, ein Luxus-Look-and-Feel, radikale Produktkontrolle — jede Rezeptur entwickle ich immer noch selbst — und ein klarer Anspruch: dem Patienten dienen, nicht dem Markt.

Bild: Produkte seien selten die größte Herausforderung, findet Miriam Rehbein. Viel schwieriger: ein Team aufzubauen, dass die gleichen hohen Standards lebe wie man selbst. 20 hat sie immerhin gefunden. R.: Bestseller-Quartett aus der „Retinol Collection“ von DOCTOR MI: Tag- und Nachtcreme, „Red Booster“ Pflege und „Super Red Serum“ (ca. 129 €-199 €)

Social Media statt Marketing

„Mich hat es immer geärgert, wenn Produkte nicht halten, was sie versprechen“, sagt die Ärztin. Einer der Hauptgründe, warum sich das Unternehmen rechnet, ist, dass sie nie in klassisches Marketing investiert hat. „Als ich mit Social Media begonnen habe, hielten viele Kollegen das für unseriös. Während andere noch diskutierten, habe ich Reichweite aufgebaut. Die wurde später zum Fundament meines Unternehmens“, erklärt sie. Über diese Plattform konnte sie direkt abverkaufen, ohne je einen Euro in klassische Werbung zu stecken. Das Erfolgsrezept von DOCTOR MI heißt: organisch wachsen, durch Expertise Vertrauen aufbauen und ganz nah am Kunden bleiben. Miriam Rehbein weiß dank ihrer Arbeit in der Praxis, welche Produkte ihre Patient:innen brauchen und wollen. Auf eine Zahl ist sie besonders stolz: „DOCTOR MI hat eine Returning Customer Rate von 68 Prozent. Das erreicht man nur, wenn das Produkt stimmt.“

Stückzahl-Explosion Dank HSE

Lange war das Wachstum durch die Produktionslogik gedeckelt. „Wer alleine produziert, kann eben nur so viele Einheiten fertigen. Früher waren es rund 1000 Stück, auch wegen der Mindesthaltbarkeitsdaten“, erläutert die Gründerin. Seit diesem Jahr ist das anders, denn der Deal mit dem Homeshopping-Sender HSE öffnet eine neue Stückzahlen-Dimension. „Die Margenersparnisse gebe ich eins zu eins an die Kundinnen weiter“, so ihr Versprechen.

Voll auf Expansionskurs

Man könnte denken, dass die Frau irgendwo Abstriche machen muss, aber nein. Sie ist Mutter von vier Kindern unter vier Jahren, praktiziert noch immer drei Tage die Woche als Ärztin und hat nicht die geringste Absicht, damit aufzuhören: „Ich stelle mir nicht die Frage, ob ich noch weiter praktiziere. Als ich meine erste Praxis verkauft habe und in Elternzeit gegangen bin, standen die Patienten vor meiner Haustür. Ich liebe meinen Job als Ärztin.“ Das ist auch strategisch wertvoll: DOCTOR MI soll keine Brand sein, hinter der eine Ex-Medizinerin steht, die irgendwann zur Unternehmerin wurde. Die Produkte entstehen aus der Praxis heraus, und genau das ist das Versprechen und der Unterschied zu vielen anderen Doctor Brands auf dem Markt. Wohin die Reise gehen soll? „Deutschland war nie das Endziel. Die Schweiz und Frankreich sind bereits gestartet, die USA stehen auf der Roadmap. Langfristig sehe ich großes Potenzial in Asien“, sagt sie. Investoren schließt sie für die Zukunft nicht grundsätzlich aus — aber nur unter einer klaren Bedingung: „Wenn sie zum Beispiel eine Distribution für Asien mitbringen.“ Wer nur Geld mitbringt und sonst nichts, muss sich also nicht bemühen.

Titelbild: Dr. Miriam Rehbein

Dr. Miriam Rehbein liebt klare Business-Worte: „Es heißt ja immer, Unternehmertum bedeute Freiheit, Selbstständigkeit – aber das sehe ich anders. Ich finde man hat maximale Verantwortung, muss risikobereit sein und unter Druck Entscheidungen treffen können“, so Ärztin und Gründerin Miriam Rehbein.

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