Female & Forward Gesundheit am Limit: Lilian Weng verlässt Thinking Machines für OpenAI

Gesundheit am Limit: Lilian Weng verlässt Thinking Machines für OpenAI

Lilian Weng verlässt ihr eigenes Startup Thinking Machines aus gesundheitlichen Gründen und kehrt direkt zu OpenAI zurück. Der paradoxe Wechsel offenbart ein Dilemma der KI-Branche: Selbst Top-Talente halten das Tempo nicht mehr aus.

Lilian Weng kann nicht mehr. „Ich fühle, dass ich das Tempo eines Startups nicht mehr mitgehen kann“, schrieb die Mitgründerin von Thinking Machines diese Woche in einer internen Slack-Nachricht, die sie auch auf X teilte. „Der anhaltende Stress und die Arbeitsbelastung haben mich über das hinausgetrieben, was meine Gesundheit körperlich verkraften kann.“ Ihr letzter Tag beim eigenen Startup: Dienstag. Ihr neuer Arbeitgeber: OpenAI, das Unternehmen, das sie für das Startup-Abenteuer verlassen hatte. Der Fall wirft unbequeme Fragen auf.

Denn Weng, ehemalige VP of AI Safety Research bei OpenAI, flüchtet ausgerechnet zurück zum KI-Giganten, der nicht gerade für entspannte Arbeitskultur bekannt ist. Laut TechCrunch wird sie dort ein Top-Level-Team leiten, das an „recursive self-improvement“ forscht – KI-Systeme, die sich selbst iterativ verbessern. Klingt nach Hochdruck-Job. Der Unterschied: Sie ist keine Co-Founderin mehr, trägt nicht die volle Last der Verantwortung.

Der KI-Boom frisst seine Kinder

Weng ist kein Einzelfall. Die KI-Branche erlebt eine Welle gesundheitsbedingter Rücktritte. Anfang des Monats trat Fidji Simo als CEO für AGI bei OpenAI zurück, nachdem bei ihr ein Schub des posturalen orthostatischen Tachykardiesyndroms (POTS) aufgetreten war, wie Gründerszene berichtet. Sie wechselte in eine Teilzeit-Beraterrolle. Im Januar zog sich Greg Yang, Mitbegründer von xAI, in eine informelle Beraterposition zurück: Diagnose: Lyme-Borreliose.

„Monatelange unerklärliche Erschöpfung“ hatte ihm Energie und Kreativität geraubt. Weng beschreibt ihre Situation drastisch: In den vergangenen sieben Monaten sei sie häufiger krank gewesen als jemals zuvor in ihrem Leben. Sie habe versucht, sich während der Arbeit an „Inkling“, dem ersten Open-Weight-Modell von Thinking Machines, auszuruhen und dabei „Schuldgefühle“ verspürt. Eine engere Rolle kam für sie nicht infrage: „Wenn ich mich nicht zu 100 Prozent einsetzen kann, versage ich in meinem Job.“.

Thinking Machines verliert Gründungsteam

Für Thinking Machines, das Weng gemeinsam mit Mira Murati, der ehemaligen CTO von OpenAI, gründete, ist der Abgang ein harter Schlag. Laut TechCrunch hat das Startup bereits einen erheblichen Teil seines Gründungsteams verloren – inmitten des brutalen Kampfes um KI-Talente im Silicon Valley.

Murati reagierte öffentlich verständnisvoll: „Wir werden dich vermissen, es war wunderbar, Thinky gemeinsam aufzubauen. Ich bin froh, dass du deine Gesundheit an erste Stelle stellst.“ Ob sie von Wengs sofortiger Rückkehr zu OpenAI wusste, ist unklar.

Business Punk Check

Der Widerspruch ist offensichtlich: Weng verlässt ihr Startup, weil das Tempo sie krank macht und nimmt einen Job bei OpenAI an, dem Unternehmen, das gerade im härtesten KI-Race der Tech-Geschichte steckt. Die Erklärung? Founder-Verantwortung versus Angestellten-Rolle. Das sagt viel über die Startup-Kultur: Selbst brillante Köpfe mit OpenAI-Stammbaum schaffen den Spagat zwischen Gesundheit und Gründer-Hustle nicht mehr.

Die unbequeme Wahrheit: Das KI-Rennen läuft auf einem Tempo, das Menschen systematisch verschleißt. Wer glaubt, die „recursive self-improvement“-Forschung bei OpenAI sei entspannter als ein Startup zu leiten, macht sich was vor. Weng hat vermutlich die ehrlichere Wahl getroffen: Lieber definierte Verantwortung mit hohem Druck als totale Verantwortung mit totalem Druck. Die Frage bleibt: Wie viele Top-Talente müssen noch ausbrennen, bevor die Branche zugibt, dass ihr Tempo nicht nachhaltig ist?

Quellen: TechCrunch, Gründerszene

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