Business & Beyond Inflation Deutschland: Tankrabatt-Ende zündet die 2,8-Prozent-Bombe

Inflation Deutschland: Tankrabatt-Ende zündet die 2,8-Prozent-Bombe

Die Inflation in Deutschland springt nach dem Tankrabatt-Ende auf 2,8 Prozent. Ökonomen warnen: Der Energiepreisschock ist noch lange nicht ausgestanden.

Wer im Juli getankt hat, kennt das Gefühl bereits: Der Sprit kostet wieder über zwei Euro pro Liter, und das ist erst der Anfang. Die Inflationsrate in Deutschland ist nach dem Auslaufen des Tankrabatts auf 2,8 Prozent geklettert, deutlich mehr als von Ökonomen erwartet.

Was wie eine technische Randnotiz klingt, trifft Konsumenten und Mittelstand gleichermaßen hart.

Der Tankrabatt als befristete Entlastung

Im Mai und Juni hatte die temporäre Senkung der Energiesteuer um knapp 17 Cent pro Liter die Inflationsrate künstlich auf 2,3 Prozent gedrückt. Laut Lkz dämpfte die Maßnahme die Teuerung um etwa einen Viertel Prozentpunkt. Kaum ist sie Ende Juni ausgelaufen, schnellt die Rate zurück nach oben.

Diese Entwicklung zeigt: Der Rabatt hat die Inflation nur kurzfristig überdeckt, das strukturelle Problem blieb bestehen. Der Chefökonom des Vermögensverwalters Bantleon, Daniel Hartmann, hatte das kommen sehen: „Es war klar, dass allein der Wegfall des Tankrabatts zu einem Preissprung von mehr als zehn Prozent bei den Benzinpreisen führen würde„, so Hartmann laut WirtschaftsWoche. “Dies wurde nun durch die Daten der Bundesländer bestätigt.“ In Bayern etwa mussten Autofahrer für Kraftstoffe 21 Prozent mehr zahlen als im Vorjahresmonat.

Energiepreise als Belastungsfaktor für die Wirtschaft

Die Energiepreise stiegen im Juli um 8,3 Prozent, nach 3,4 Prozent im Juni. Der Iran-Krieg belastet laut Berichten die Energiemärkte und hat laut Berichten zu einem Ölpreisschock beigetragen, zwischenzeitlich lag der Barrel-Preis über 100 Dollar. Für den deutschen Mittelstand bedeutet das: höhere Produktionskosten, die sich mit Verzögerung durch die gesamte Lieferkette fressen.

Nahrungsmittel legten bislang nur um 0,4 Prozent zu, doch Erzeuger schlagen Energiekosten typischerweise erst zeitversetzt auf ihre Preise auf. Dienstleistungen wie Reisen und Restaurantbesuche verteuerten sich um 2,9 Prozent, die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel liegt bei 2,4 Prozent. Von Juni auf Juli zogen die Verbraucherpreise insgesamt um 0,8 Prozent an, ein Tempo, das die Kaufkraft spürbar schmälert und den privaten Konsum als Konjunkturstütze schwächt.

Unternehmen bremsen Preiserwartungen, doch die Geopolitik bleibt zentraler Einflussfaktor

Immerhin ein Silberstreif: Das Ifo-Barometer für Preiserwartungen deutscher Unternehmen sank im Juli auf 21,6 Punkte, nach 26,1 im Juni. Ifo-Forscherin Tiphaine Wibault ordnet das ein: „Die künftige Preisentwicklung wird jedoch stark vom weiteren Verlauf des Konflikts im Nahen Osten und den davon abhängigen Energiepreisen beeinflusst“, so Wibault laut WirtschaftsWoche.

Damit hängt die Preispolitik ganzer Branchen an einem geopolitischen Konflikt, den kaum jemand in Berlin oder Frankfurt kontrolliert. Die Bundesbank rechnet für die kommenden Monate mit einer harmonisierten Inflationsrate über der Drei-Prozent-Marke. Die EZB dürfte im September ihre Leitzinsen zum zweiten Mal in diesem Jahr anheben, um die Nachfrage über teurere Kredite zu bremsen.

Business Punk Check

Der Tankrabatt war nie eine Lösung, sondern ein politisches Beruhigungsmittel mit Ablaufdatum. Wer im Juni auf sinkende Inflation gewettet hat, hat auf einen Subventionseffekt gesetzt, nicht auf echte Marktentwicklung. Jetzt zeigt sich die Rechnung: 2,8 Prozent Teuerung, während die Ölpreise laut Berichten weiter am Iran-Konflikt hängen. Für Entscheider im Mittelstand heißt das: Wer Preisanpassungen aufgeschoben hat, wird sie nachholen müssen, denn Energiekosten sickern verzögert durch die Lieferkette. Wer auf sinkende Kreditkosten gehofft hat, muss sich auf die zweite EZB-Zinserhöhung im September einstellen. Die eigentliche Frage lautet nicht, ob die Inflation zurückkommt, sondern wie lange Unternehmen ihre Marge noch selbst tragen, bevor sie an Kunden weitergegeben werden muss.

Auf einen Blick

  • Die Inflationsrate in Deutschland stieg im Juli auf 2,8 Prozent, nachdem der Tankrabatt Ende Juni ausgelaufen war.
  • Energiepreise verteuerten sich um 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr; laut Berichten belastete der anhaltende Iran-Konflikt die Energiemärkte, zeitweise lagen die Ölpreise über 100 Dollar je Barrel.
  • Das Ifo-Barometer für Preiserwartungen deutscher Unternehmen sank im Juli auf 21,6 Punkte, was auf nachlassenden Preisdruck hindeutet.
  • Die Bundesbank erwartet, dass die harmonisierte Inflationsrate in den kommenden Monaten über die Drei-Prozent-Marke steigt, während die EZB im September erneut die Leitzinsen anheben dürfte.

Quellen: Zeit, Lkz, WirtschaftsWoche

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