Business & Beyond Creator statt Konzern: US-Unis bilden jetzt Influencer aus

Creator statt Konzern: US-Unis bilden jetzt Influencer aus

In den USA wird Influencer sein zunehmend zum Karriereziel einer ganzen Generation. Universitäten reagieren auf den Boom der Creator Economy – und bieten inzwischen sogar eigene Studiengänge für Content Creator an.

Die klassische Karriere über Studium, Bürojob und Konzern verliert für viele junge Menschen in den USA an Strahlkraft. Stattdessen wächst der Traum von Reichweite, Markenkooperationen und eigenen Online-Unternehmen – und die Hochschulen passen sich erstaunlich schnell an.

Influencer statt Investmentbanker

Die USA liefern ein deutliches Signal dafür, wie sich die Berufswünsche der Generation Z verändern. Influencer gilt für viele junge Menschen längst nicht mehr als Hobby, sondern als ernsthafte Karriereoption. Wenn laut Umfragen inzwischen mehr als die Hälfte der jungen Generation davon träumt, Content Creator zu werden, reagieren Universitäten konsequent auf diesen Trend. So hat die Arizona State University einen eigenen Bachelorstudiengang für Content Creation angekündigt. Das Programm richtet sich ausdrücklich an Studierende, die ihren Video-Kanal monetarisieren oder Social Media zum Beruf machen wollen. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Kurse wie „How to Become an Influencer“. Den Abschluss bildet ein Praxisprojekt im hochschuleigenen Content-Creation-Studio in Los Angeles.

Die Creator Economy zieht auf den Campus

Auch die Syracuse University startet im Herbst ein neues Studienangebot rund um die Creator Economy. Das interdisziplinäre Nebenfach soll Studierende gezielt auf Berufe in den Bereichen Content Creation, digitales Unternehmertum und das gesamte wirtschaftliche Ökosystem hinter der Creator-Branche vorbereiten. Dabei geht es längst nicht nur um Menschen vor der Kamera. Benötigt werden ebenso Strategen für Markenkommunikation, Podcast-Produktion, Storytelling, Community Management oder digitale Geschäftsmodelle. Die Hochschulen sehen darin einen Arbeitsmarkt, der vor wenigen Jahren praktisch noch gar nicht existierte.

Warum sich die Träume der Generation ändern

Die Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Immer weniger junge Amerikaner betrachten ein Studium als sicheren Weg in einen klassischen White-Collar-Beruf mit gesellschaftlichem Aufstieg. Gleichzeitig wächst der Druck auf Berufseinsteiger: Künstliche Intelligenz verändert zahlreiche Tätigkeiten, neue Regeln bei Studienkrediten erschweren die finanzielle Situation vieler Absolventen, und Unternehmen stellen Berufseinsteiger derzeit deutlich zurückhaltender ein. Vor diesem Hintergrund wirkt die Creator Economy für viele attraktiver als traditionelle Karrierewege. Erfolgsgeschichten von Influencern, die innerhalb kurzer Zeit Millionenpublika und lukrative Geschäftsmodelle aufgebaut haben, prägen die Vorstellungen einer ganzen Generation. Goldman Sachs geht davon aus, dass die Creator Economy bereits bis 2027 ein Marktvolumen von fast 500 Milliarden US-Dollar erreichen könnte.

Der Campus wird zum Filmset

Mit der neuen Entwicklung verändert sich auch die Rolle der Hochschulen. Der Campus dient nicht mehr ausschließlich als Lernort, sondern zunehmend als Produktionsumgebung für Videos, Podcasts und Social-Media-Formate. Studierende finden dort Netzwerke, Technik, Kooperationen und ein Umfeld, in dem Inhalte entstehen und Reichweite aufgebaut werden kann. Dylan Huey, Gründer der landesweiten Organisation REACH, die Studierende für Social Media und Entertainment vernetzt, beschreibt den Campus deshalb als ideale Spielwiese für angehende Creator. Universitäten werden damit immer stärker zu Inkubatoren für digitale Unternehmer.

Hochschulen suchen neue Antworten

Die Entwicklung fällt in eine Phase, in der das Vertrauen der Amerikaner in Hochschulen spürbar sinkt. Nach Daten des Meinungsforschungsinstituts Gallup ist der Anteil der US-Bürger, die wenig oder gar kein Vertrauen mehr in Hochschulen haben, innerhalb weniger Jahre deutlich gestiegen. Viele kritisieren vor allem die hohen Kosten und bezweifeln, dass Universitäten ausreichend auf die Anforderungen des modernen Arbeitsmarktes vorbereiten. Gerade deshalb sehen viele Hochschulen neue Studienangebote als Chance, wieder näher an den tatsächlichen Berufswünschen junger Menschen zu sein. Ryan Schram, Leiter des Center for the Creator Economy an der Syracuse University, betont, dass viele Studierende zwar in der Creator Economy arbeiten möchten – aber nicht zwangsläufig selbst vor der Kamera stehen. Rund um erfolgreiche Creator entstehe ein wachsendes Ökosystem aus spezialisierten Berufen, das künftig erhebliche Karrierechancen bieten dürfte.

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