Tech & Trends Palantir verdoppelt Umsatz – nur Europa will die KI-Waffe nicht

Palantir verdoppelt Umsatz – nur Europa will die KI-Waffe nicht

Rekordquartal mit 93 Prozent Plus: Palantir boomt in den USA, während Europa die Reißleine zieht. Was hinter der transatlantischen Tech-Spaltung steckt – und warum das erst der Anfang ist.

Alex Karp braucht keine langweiligen Analystencalls. Der Palantir-Chef inszeniert seine Quartalszahlen lieber als Livestream-Show: enges weißes Shirt, übergroßes Logo, Management in Jogginghose. Star-Analyst Dan Ives schaltet sich aus dem Park zu. Das Format zielt längst nicht mehr nur auf die Wall Street, sondern auf das Heer der Privatanleger, die einen ungewöhnlich großen Teil der Palantir-Aktien halten. Und die bekamen geliefert: 1,94 Milliarden Dollar Umsatz im zweiten Quartal – 93 Prozent mehr als im Vorjahr, wie Handelsblatt berichtet.

Der Gewinn verdoppelte sich auf 1,1 Milliarden Dollar. Die Aktie schoss nachbörslich um neun Prozent nach oben. „Unser Geschäft wächst mit einer Geschwindigkeit und in einem Ausmaß, wie wir es noch nie zuvor erlebt haben“, schrieb Karp an die Aktionäre laut Spiegel. Die neue Jahresprognose: 8,15 bis 8,16 Milliarden Dollar – deutlich über den ursprünglichen Erwartungen. Allein fürs dritte Quartal kalkuliert Palantir mit 2,16 Milliarden Dollar, mehr als Analysten für möglich hielten.

Amerikas KI-Darling, Europas Albtraum

Doch hinter den Traumzahlen verbirgt sich eine geopolitische Sollbruchstelle. Das Wachstum kommt quasi ausschließlich aus den USA: Das US-Geschäft explodierte um 155 Prozent, das Regierungsgeschäft allein um 90 Prozent auf 809 Millionen Dollar laut Handelsblatt. Pentagon, Heimatschutzministerium, zuletzt auch Einsätze im Irankrieg – Palantirs KI-Software analysiert Zielpersonen in Echtzeit durch Abgleich biometrischer Daten, Telefonanrufe und Geheimdienstinformationen. Das Unternehmensgeschäft in den USA legte sogar um 149 Prozent auf 764 Millionen Dollar zu. Europa dagegen?

Stagnation. Schlimmer noch: aktiver Rückzug. Im Juni beendete Frankreich die Zusammenarbeit mit Palantir. Die Londoner Polizei blockierte einen auf zwei Jahre angelegten Vertrag über 67 Millionen Dollar – Palantir klagt nun. Der Grund ist überall derselbe: Europäische Regierungen fürchten die Abhängigkeit von US-Tech-Plattformen, besonders wenn sie von Trump-Unterstützern wie Mitgründer Peter Thiel gelenkt werden.

Die Trump-Connection als Geschäftsmodell

Diese politische Nähe ist kein Bug, sondern Feature. Thiel, einer der wichtigsten Trump-Financiers, hat Palantir 2003 im Silicon Valley gegründet – mit der Vision, Geheimdienste und Militär mit überlegener Datenanalyse auszustatten. Was für Washington ein strategischer Asset ist, wird für Brüssel zum Sicherheitsrisiko. Die Frage ist nicht mehr, ob Palantir technologisch führend ist – sondern wem diese Führung dient.

Karp selbst befeuert die Skepsis. In Interviews skizzierte er zuletzt seine autoritäre Vision davon, wie Tech-Konzerne Staaten umbauen sollten – eine Ansage, die in Europa nicht gut ankam. Während US-Behörden Milliarden in Palantir-Systeme pumpen, suchen europäische Länder fieberhaft nach Alternativen. Digitale Souveränität ist das Schlagwort, das in Brüssel die Runde macht.

Business Punk Check

Palantir liefert ab – zumindest auf dem Papier. Ein Umsatzplus von 93 Prozent ist beeindruckend, keine Frage. Doch die Zahlen offenbaren auch die Achillesferse: Das Geschäftsmodell funktioniert nur dort, wo politische Nähe zum Regierungsapparat besteht. Europa zeigt, wie schnell der Markt kollabiert, sobald diese fehlt. Das ist keine nachhaltige Wachstumsstrategie, sondern hochgradig politisiertes Risiko.

Die eigentliche Story: Palantir ist zum Symbol für die transatlantische Tech-Spaltung geworden. Während die USA ihre Abhängigkeit von kalifornischen KI-Konzernen als strategischen Vorteil zelebrieren, versucht Europa krampfhaft, eigene Lösungen zu zimmern – meist erfolglos. Karps Livestream-Show mag Anleger begeistern, aber für europäische Entscheider ist sie ein Warnsignal. Wer jetzt auf Palantir setzt, wettet nicht auf Technologie, sondern auf Washingtons geopolitische Dominanz.

Quellen: Handelsblatt, Spiegel

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