AnlagePunk Coldcard-Hack: 1367 Bitcoin weg, weil ein Zufallsgenerator nicht zufällig war

Coldcard-Hack: 1367 Bitcoin weg, weil ein Zufallsgenerator nicht zufällig war

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Eine fünf Jahre alte Firmware-Lücke bei Coinkite macht Seed-Phrasen berechenbar. Der Schaden: 1367 Bitcoin. Jetzt kapern Betrüger die Panik für Phishing.

Ein Hardware-Wallet gilt als das Fort Knox der Krypto-Welt: offline, unhackbar, absolut sicher. Der Fall Coinkite zeigt, dass diese Gleichung einen Denkfehler hatte.

Das kanadische Unternehmen hinter der Coldcard-Wallet steckt in seiner bislang größten Sicherheitskrise, ausgelöst durch einen Fehler, den offenbar niemand fünf Jahre lang bemerkt hat.

Der Zufall war nie zufällig

Laut t3n erbeuteten Angreifer bis Montag rund 1367 Bitcoin im Wert von etwa 86 Mio. Dollar aus mehr als 4500 Wallets. Ursache war eine Firmware-Änderung aus dem Jahr 2021, durch die sogenannte Seed-Phrasen, die eigentlich zufällig generierten Zugangswörter zu einer Wallet, teilweise deterministisch erzeugt wurden, etwa anhand der Geräteseriennummer. Angreifer konnten die Schlüssel dadurch systematisch neu berechnen.

Nach Analysen des Sicherheitsteams von Block Inc. lag der Fehler nicht im Bitcoin-Protokoll selbst, sondern im Zufallszahlengenerator der Software, der in bestimmten Firmware-Ständen auf einen vorhersehbaren Fallback zurückfiel. Aufgefallen war der Vorfall zunächst durch einzelne Nutzerbeschwerden, erst die nachträgliche Analyse offenbarte das systemische Ausmaß. Coinkite hat den Fehler inzwischen behoben, warnt aber, dass alle mit der alten Firmware erstellten Seeds dauerhaft kompromittiert bleiben. Betroffene Nutzer sollen deshalb nicht nur die Firmware aktualisieren, sondern zwingend einen neuen Seed erzeugen und ihre Bestände auf frische Adressen umziehen, ein Aufwand, der zeigt, wie tief der Fehler in der Architektur saß.

Vom Diebstahl zur zweiten Angriffswelle

Der eigentliche Skandal beginnt dort, wo der erste endet. Laut BTC-ECHO nutzen Kriminelle die Verunsicherung der Nutzer für gezielte Phishing-Kampagnen. Gefälschte E-Mails fordern zu einem angeblichen Sicherheitscheck auf und verlinken auf nachgebaute Coldcard-Webseiten. Wer dort eine vermeintliche Update-Datei installiert, lädt sich in Wahrheit eine Fernwartungssoftware auf den Rechner. Besonders perfide: Nach Angaben des Sicherheitsunternehmens Proofpoint antwortet im Live-Chat der gefälschten Seite eine reale Person, die Opfer aktiv durch die Installation führt.

Selbst Nutzer von Wallets anderer Hersteller wie Trezor oder Foundation, die von der ursprünglichen Lücke gar nicht betroffen sind, geraten ins Visier. Der Angriff zielt nicht mehr auf Code, sondern auf die menschliche Reaktion auf eine echte Krise. Coinkite reagiert darauf mit einer simplen, aber entscheidenden Warnung: Firmware ausschließlich von der offiziellen Homepage laden und Empfangsadressen stets direkt auf dem Display der Wallet gegenprüfen, nicht auf einem Bildschirm, den auch Angreifer kontrollieren könnten.

Wenn Selbstverwahrung ihr eigenes Versprechen bricht

Der Vorfall trifft den ideologischen Kern von Bitcoin: die Selbstverwahrung ohne Bank oder Börse als Mittelsmann. Aneirin Flynn, Geschäftsführer des Cybersicherheitsunternehmens Failsafe, brachte das Problem gegenüber Bloomberg auf den Punkt: „Das Gerät erzeugt letztlich nur Ihre Passwörter.

Wenn die zugrunde liegende Mathematik fehlerhaft ist, können diese Passwörter rekonstruiert werden.“ Galaxy Research beobachtet mittlerweile mehrere Angriffswellen und beziffert den möglichen Gesamtschaden bei einer vierten Welle auf bis zu 130 Mio. Dollar, ausgehend von aktuell rund 1600 Bitcoin aus etwa 7300 Adressen. Marktbeobachter, etwa bei CoinDesk, deuten den Vorfall bereits als möglichen Vertrauensschaden für Self-Custody insgesamt, der Nachfrage in Richtung verwahrter Produkte wie Bitcoin-ETFs verschieben könnte, eine Einordnung, die bislang Interpretation bleibt und keine belegte Kapitalbewegung.

Business Punk Check

Fakt ist: Eine fünf Jahre alte Firmware-Lücke bei Coinkite hat laut t3n zu einem Diebstahl von 1367 Bitcoin geführt, Ursache war ein fehlerhafter Zufallszahlengenerator bei der Seed-Erzeugung.

Fakt ist auch, laut BTC-ECHO, dass Kriminelle die Verunsicherung längst für Phishing nutzen. Interpretation bleibt, ob der Vorfall das Vertrauen in Self-Custody grundsätzlich erschüttert oder nur eine einzelne Firmware betrifft. Offen ist, wie viele weitere Wallets mit der alten Firmware noch unbemerkt verwundbar sind.

Auf einen Blick

  • Eine Firmware-Lücke aus dem Jahr 2021 machte Seed-Phrasen bei Coldcard-Wallets von Coinkite vorhersagbar und ermöglichte laut t3n den Diebstahl von 1367 Bitcoin aus mehr als 4500 Wallets.
  • Ursache war ein fehlerhafter Zufallszahlengenerator, der Schlüssel teils anhand der Geräteseriennummer statt zufällig erzeugte.
  • Kriminelle nutzen die Verunsicherung laut BTC-ECHO inzwischen für Phishing-Kampagnen mit gefälschten Sicherheitschecks und einer nachgebauten Coldcard-Webseite.
  • Coinkite empfiehlt betroffenen Nutzern, ausschließlich offizielle Firmware zu installieren, neue Seeds zu erzeugen und Bestände auf neue Adressen zu übertragen.

Quellen: t3n, BTC-ECHO, Sueddeutsche, Ig, Financefeeds, Finance, It-daily, Kucoin, Infosecurity-magazine

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