Tech & Trends China pusht KI und fürchtet jetzt um 70 Millionen Jobs

China pusht KI und fürchtet jetzt um 70 Millionen Jobs

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Taxifahrer verlieren 40 Prozent ihres Einkommens, Millionen Jobs gelten laut Citibank als gefährdet und Peking, jahrelang KI-Booster, sucht plötzlich nach Schutzmechanismen.

Ein Taxifahrer in Wuhan verdient heute vierzig Prozent weniger als vor der Einführung autonomer Robotaxis. Was wie eine Randnotiz aus der Tech-Welt klingt, ist in China längst Arbeitsmarktrealität.

Die Regierung, die künstliche Intelligenz jahrelang als Wachstumsmotor gefeiert hat, steht nun vor einem Problem, das sie selbst mit angeschoben hat.

Wenn autonome Taxis den Verkehr und die Existenzen blockieren

Seit dem Start von Baidus Robotaxi-Dienst Apollo Go im Jahr 2022 ist das Einkommen von Fahrern wie Yao Xinnong um rund 40 Prozent gesunken, berichtet t3n unter Berufung auf The Guardian. Im März sorgten mehrere Apollo-Go-Fahrzeuge in Wuhan für Chaos, als sie nach einer Systemstörung liegenblieben und Fahrgäste stundenlang blockierten.

Für Fahrer wie Yao war der Ausfall paradoxerweise ein Segen. Im Jahr 2024 protestierten Taxifahrer in Wuhan öffentlich gegen die autonomen Fahrzeuge, ein seltener Vorgang in einem Land, in dem Behörden öffentliche Kritik ungern sehen. Auch Freiberufler wie der Kameramann Tian Zemin berichten laut t3n, ihr Honorar liege nur noch bei 40 Prozent des Niveaus von 2019.

Citibank sieht 70 Millionen Jobs im Risiko

Die Dimension des Problems ist größer als einzelne Berufsgruppen. Laut Reuters schätzt die Citibank, dass 9,6 Prozent aller Jobs in China, umgerechnet etwa 70 Millionen Stellen, ein hohes Risiko der KI-bedingten Verdrängung tragen. Für Beschäftigte in ihren Zwanzigern steigt dieser Wert auf 13,6 Prozent, während Korrektur nur mit belegter Quelle und genauer Zeit-/Bezugsangabe.

Eine Tencent-Umfrage vom September, zitiert von The Wire China, zeigt: 40 Prozent der Befragten fürchten, ihre Rolle könnte durch KI ersetzt werden. Besonders betroffen sind laut derselben Quelle kundendienstnahe, administrative und datenlastige Berufe. Reuters verweist zugleich darauf, dass KI-Stellenanzeigen deutlich zugenommen haben, was die Arbeitsmarktwirkung insgesamt widersprüchlich macht.

Gerichte bremsen, während Peking über eine neue Versicherung nachdenkt

Die politische Reaktion fällt differenziert aus. Technologieanalystin Selina Xu sagte gegenüber The Guardian, es habe einen „großen Stimmungsumschwung“ gegeben: Die Regierung setze nun stärker auf einen „menschenorientierten Ansatz“. Ein Leitartikel der staatlichen Zeitung Workers‘ Daily warnte demnach vor einem „Zusammenprall zwischen traditionellen Beschäftigungsregeln und der Weiterentwicklung der KI-Technologie“.

Chinesische Gerichte haben in mehreren Fällen entschieden, dass KI-Einsatz allein keine rechtmäßige Kündigung begründet, wie Mind-verse berichtet. Chinas Arbeitsministerium diskutiert zudem eine spezielle Arbeitslosenversicherung für KI-bedingte Jobverluste. CNBC gibt allerdings zu bedenken, dass nationale Beschäftigungsziele und strukturelle Unterschiede chinesische Firmen bislang von Massenentlassungen im US-Ausmaß abhalten.

Business Punk Check

Fakt ist: Einkommen sind bei betroffenen Berufsgruppen laut t3n um bis zu 40 Prozent eingebrochen und Citibank beziffert das Risiko für 70 Millionen Jobs.

Interpretation: Pekings Kurswechsel wirkt weniger wie Fürsorge als wie Schadensbegrenzung an einer Entwicklung, die man selbst forciert hat. Offen bleibt, ob Gerichtsurteile und eine mögliche Versicherung reichen, wenn laut Reuters zugleich mehr KI-Stellen entstehen als klassische Jobs verschwinden.

Auf einen Blick

  • Taxifahrer und Freiberufler in China verzeichnen laut t3n Einkommenseinbrüche von bis zu 40 Prozent seit dem Aufstieg von KI-Diensten wie Apollo Go.
  • Die Citibank schätzt laut Reuters, dass rund 70 Millionen Jobs in China ein hohes Verdrängungsrisiko durch KI tragen, bei jüngeren Beschäftigten liegt der Anteil höher.
  • Chinesische Gerichte haben laut Mind-verse entschieden, dass KI-Einsatz allein keine rechtmäßige Kündigung darstellt.
  • Pekings Arbeitsministerium diskutiert eine eigene Arbeitslosenversicherung für KI-bedingte Jobverluste, während CNBC auf dämpfende strukturelle Unterschiede zu den USA verweist.

Quellen: t3n, Reuters, Thewirechina, Mind-verse, Cnbc

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