Tech & Trends Bitcoin-Miner Riot Platforms rettet sich mit 9,1-Milliarden-Deal in den KI-Boom

Bitcoin-Miner Riot Platforms rettet sich mit 9,1-Milliarden-Deal in den KI-Boom

KI-unterstützt · redaktionell geprüft

Riot Platforms vermietet Rechenzentrumsfläche an Anthropic für 9,1 Mrd. Dollar und beschleunigt damit den Umbau vom Bitcoin-Miner zum KI-Infrastrukturbetreiber.

Ein Bitcoin-Miner, dessen Kerngeschäft gerade unrentabler wird, findet ausgerechnet im KI-Boom seine Rettung: Riot Platforms hat einen 20 Jahre laufenden Vertrag über 191 Megawatt Rechenzentrumsfläche in Rockdale, Texas, abgeschlossen. Mieter ist laut Bloomberg, wie The Decoder berichtet, Anthropic. Der Vertragswert liegt bei 9,1 Mrd.

Dollar, mit Verlängerungsoptionen sogar bei bis zu 16,1 Mrd. Öffentlich bekannt gegeben hatte Riot den Deal bereits einen Tag zuvor mit den Quartalszahlen, dabei aber nur von einem „führenden Frontier-KI-Labor“ gesprochen. Erst die Bloomberg-Recherche brachte den Namen Anthropic ans Licht.

Mining-Erlöse schrumpfen, KI-Verträge füllen die Lücke

Die Zahlen erklären, warum Riot umsteuert. Die Mining-Erlöse fielen im zweiten Quartal 2026 laut BTC-ECHO von 140,9 auf 113,7 Mio. Dollar, ein Rückgang von 19 Prozent. Dabei produzierte das Unternehmen mit 1.587 BTC sogar mehr Bitcoin als im Vorjahresquartal mit 1.426 BTC. Ausschlaggebend war der gesunkene Bitcoin-Preis: Der durchschnittliche Wert je produziertem BTC sank von 98.800 auf 71.667 Dollar, ein Minus von rund 27,4 Prozent.

Die direkten Mining-Kosten stiegen dagegen nur leicht um 1,9 Prozent auf 49.912 Dollar je BTC. Inklusive Abschreibungen auf die Mining-Hardware lagen die Kosten im zweiten Quartal sogar bei 90.631 Dollar je BTC und damit deutlich über dem durchschnittlichen Produktionswert. Mining allein trägt das Geschäftsmodell nicht mehr, KI-Vermietung dagegen liefert planbare Einnahmen über zwei Jahrzehnte.

Ein zweiter Milliardendeal ergänzt das Portfolio

Der Anthropic-Vertrag ist nicht Riots erster Schritt in diese Richtung. Bereits im Januar hatte das Unternehmen einen Vertrag mit AMD vereinbart, der bis 2027 schrittweise hochgefahren wird. Zusammen vermietet Riot damit inzwischen 241 Megawatt Leistung. Für die Grundlaufzeiten beider Verträge rechnet das Unternehmen laut BTC-ECHO mit einem kumulierten Netto-Betriebsergebnis von 7,8 bis 8,7 Mrd. Finanziert wird der Ausbau unter anderem über 573 Mio.

Dollar von Morgan Stanley. Die ersten 96 Megawatt am Standort Rockdale sollen laut The Decoder im Dezember 2027 ans Netz gehen, der Rest im Juni 2028. Anthropic selbst muss Server und Chips einbringen, Riot liefert Gebäude, Stromanschluss, Kühlung und Betrieb. Laut Bloomberg-Schätzung, zitiert von The Decoder, reicht die gemietete Leistung von 191 Megawatt für den Strombedarf von rund 143.000 Haushalten, ein Hinweis auf die Größenordnung, in der KI-Infrastruktur inzwischen geplant wird.

Riot ist nicht allein: Ein Branchentrend zeichnet sich ab

Riot reiht sich in eine Bewegung ein, die bereits Core Scientific und TeraWulf vorgemacht haben: Bitcoin-Miner mit vorhandener Stromkapazität und Grundstücken werden zu gefragten Partnern für KI-Konzerne, die dringend Rechenzentrumsfläche brauchen. Anthropic selbst diversifiziert parallel breit, mit monatlich rund 1,25 Mrd. Dollar an SpaceX für das Rechenzentrum Colossus 1 bis Mai 2029, geplanten zwei Gigawatt AMD-GPUs, bis zu 25 Mrd.

Dollar von Amazon für bis zu fünf Gigawatt Trainium-Kapazität sowie Gigawatt an TPU-Kapazität von Google und Broadcom ab 2027. Dazu kommt ein Sechsjahresvertrag über zehn Milliarden Dollar mit Volta Infra. Für Miner wie Riot bedeutet das: Wer schnell genug Netzanschluss und Fläche bereitstellen kann, wird zum Infrastrukturlieferanten einer Branche, die selbst kaum genug Kapazität findet.

Business Punk Check

Fakt ist: Riot verlagert sein Geschäftsmodell messbar weg vom Mining, belegt durch sinkende Erlöse und zwei milliardenschwere Vermietungsverträge. Interpretation: Der KI-Boom rettet damit ein Geschäftsmodell, das durch fallende Bitcoin-Preise und steigende Produktionskosten unter Druck steht.

Offen bleibt, ob Riot langfristig zum reinen Rechenzentrumsbetreiber wird oder das Mining als zweites Standbein behält. Ebenfalls offen: Wie stabil Anthropics eigene Finanzierung dieser Vertragskette über Jahre bleibt.

Auf einen Blick

  • Riot Platforms vermietet 191 Megawatt Rechenzentrumsfläche in Rockdale, Texas, für 9,1 Mrd. Dollar an Anthropic, mit Verlängerungsoptionen bis 16,1 Mrd. Dollar.
  • Die Mining-Erlöse von Riot fielen im zweiten Quartal 2026 um 19 Prozent, während die Produktionskosten je Bitcoin über dem durchschnittlichen Erlös lagen.
  • Zusammen mit einem AMD-Vertrag aus dem Januar vermietet Riot inzwischen 241 Megawatt und erwartet ein kumuliertes Netto-Betriebsergebnis von 7,8 bis 8,7 Mrd. Dollar.
  • Riot folgt einem Branchentrend, den auch Core Scientific und TeraWulf mit der Umwandlung von Mining-Kapazität in KI-Rechenzentrumsfläche vorangetrieben haben.

Quellen: BTC-ECHO, The Decoder

Das könnte dich auch interessieren