Business & Beyond Thyssen Tochter TKMS im Rüstungsboom: Volle Auftragsbücher – knappe Werften

Thyssen Tochter TKMS im Rüstungsboom: Volle Auftragsbücher – knappe Werften

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Die Thyssenkrupp-Tochter TKMS meldet einen Rekordauftragsbestand von 20,1 Mrd. Euro, doch Kanada, Indien und Kapazitätsgrenzen entscheiden über die nächste Wachstumsstufe.

Zwanzig Komma eins Milliarden Euro Auftragsbestand klingen nach einem Problem, das sich jeder Konzernchef wünscht. Bei TKMS wirft diese Zahl inzwischen eine unbequeme Frage auf: Wer soll das eigentlich bauen?

Der U-Boot- und Fregattenbauer aus dem Thyssenkrupp-Konzern legt Quartalszahlen vor, die auf den ersten Blick nach reibungslosem Boom aussehen. Der zweite Blick zeigt, dass Wachstum in der Rüstungsindustrie auch eine Frage von Werftkapazitäten, Fachkräften und politischer Abstimmung zwischen mehreren Regierungen ist.

Rekordzahlen mit Substanz statt Einmaleffekt

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 steigerte TKMS den Umsatz laut WirtschaftsWoche um 19 Prozent auf rund 1,9 Mrd. Das bereinigte Ebit kletterte um 13 Prozent auf 110 Mio. Euro, getragen vor allem von der Sparte Submarines. Der Konzern hebt seine Jahresprognose deutlich an: Statt eines Umsatzplus von zwei bis fünf Prozent erwartet TKMS nun zehn bis zwölf Prozent, unter anderem dank starker Zuwächse bei der Tochter Atlas Elektronik.

Thyssenkrupp hatte die frühere Werftensparte Marine Systems im Oktober 2024 an die Börse gebracht, die Mehrheit aber behalten. Die Zahlen bestätigen, dass sich dieser Schritt bislang operativ auszahlt. Für einen Konzern, der sich gerade erst als eigenständiger Börsenwert beweisen muss, ist das ein wichtiges Signal an Investoren, die auf verlässliches Wachstum jenseits einzelner Großprojekte setzen.

Kanada, Indien, Norwegen: Drei Großaufträge als Weichenstellung

Der Auftragsbestand speist sich aus einer ungewöhnlichen Häufung geopolitisch getriebener Bestellungen. Norwegen orderte zwei weitere U-Boote, die deutsche Marine vier Fregatten. Mit Indien führt TKMS laut WirtschaftsWoche finale Vertragsverhandlungen über den Bau von sechs U-Booten. Das größte Signal kommt aber aus Kanada: Die Regierung in Ottawa hat TKMS zum bevorzugten Bieter für bis zu zwölf U-Boote ernannt, ein Auftrag von historischer Größenordnung für den Konzern. Fix ist der Deal noch nicht.

TKMS arbeite eng mit den Regierungen Kanadas, Deutschlands und Norwegens sowie mit Industriepartnern zusammen, um die Verhandlungen zügig abzuschließen, teilte der Konzern mit. Bis zur endgültigen Unterschrift bleibt Kanada eine Ankündigung, keine gesicherte Zahl im Auftragsbuch. Für TKMS wäre der Zuschlag dennoch mehr als nur ein weiterer Posten in der Bilanz: Er würde das Unternehmen für Jahre an drei NATO-Partner binden und den Anspruch untermauern, neben den etablierten Anbietern in Frankreich und den USA zu einem der zentralen westlichen U-Boot-Bauer aufzusteigen.

Wenn Nachfrage die eigenen Werften überfordert

Die prall gefüllten Auftragsbücher haben laut WirtschaftsWoche am Markt Sorgen ausgelöst, dass die Kapazitäten für die Abarbeitung schlicht nicht ausreichen könnten. TKMS-Vorstandschef Oliver Burkhard reagiert darauf mit einer Strategie internationaler Kooperation: Der Konzern prüfe gezielt Möglichkeiten, etwa die Produktionskapazitäten der spanischen Werft Navantia mitzunutzen. Das ist die eigentliche Pointe der Zahlen.

Der globale Rüstungsboom, der auch Firmen wie den brasilianischen Flugzeugbauer Embraer mit einem Umsatzplus von 22 Prozent in der Militärsparte trägt, wie Handelsblatt berichtet, produziert nicht nur Rekordorders. Er zwingt Zulieferketten und Werften an ihre physischen Grenzen, lange bevor irgendjemand über sinkende Nachfrage sprechen müsste. Wie bei anderen kapitalintensiven Industrien zeigt sich: Auftragswachstum lässt sich per Vertrag beschleunigen, Schweißkapazität und Facharbeiterausbildung in Werften dagegen nicht.

Business Punk Check

Fakt ist: TKMS wächst zweistellig, hebt die Prognose an und sitzt auf einem Rekordauftragsbestand von 20,1 Mrd. Fakt ist auch, dass der Kanada-Deal laut Unternehmensangaben noch verhandelt wird, keine unterschriebene Order.

Die Kapazitätssorge ist ebenfalls belegt, nicht spekulativ: TKMS selbst spricht von der Prüfung externer Werftkapazitäten. Offen bleibt, ob Kooperationen wie mit Navantia ausreichen, um Kanada, Indien und die bestehenden Programme parallel zu stemmen, oder ob Lieferzeiten zum eigentlichen Flaschenhals des Rüstungsbooms werden.

Auf einen Blick

  • TKMS steigerte den Umsatz in den ersten neun Monaten 2025/26 um 19 Prozent auf rund 1,9 Mrd. Euro bei einem Rekordauftragsbestand von 20,1 Mrd. Euro.
  • Der Konzern hebt seine Jahresumsatzprognose von zwei bis fünf Prozent auf zehn bis zwölf Prozent an.
  • Kanada hat TKMS als bevorzugten Bieter für bis zu zwölf U-Boote benannt, die Vertragsverhandlungen mit Kanada, Deutschland und Norwegen laufen noch.
  • Wegen der vollen Auftragsbücher prüft TKMS die Nutzung externer Werftkapazitäten, etwa bei der spanischen Werft Navantia.

Quellen: WirtschaftsWoche, Handelsblatt

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