Deluxe & Destinations Tui-Bilanz: Gewinneinbruch durch Iran-Krieg, Dubai trotzdem wieder im Programm

Tui-Bilanz: Gewinneinbruch durch Iran-Krieg, Dubai trotzdem wieder im Programm

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Tuis Gewinn brach im dritten Quartal um 27 Prozent ein, doch Konzernchef Sebastian Ebel bietet Dubai schon wieder an und ist selbst überrascht von der Nachfrage.

Ein Kriegsgebiet als Reiseziel, das trotz Reisewarnung gebucht wird: Diese Wendung überrascht selbst den Mann an der Konzernspitze. Tui hat im dritten Geschäftsjahresquartal einen deutlich stärkeren Gewinnrückgang verzeichnet als von Analysten erwartet und genau in diesem Umfeld nimmt der Reisekonzern Dubai und Abu Dhabi für September wieder ins Programm.

Zwischen Verlustzahlen und Buchungsoptimismus liegt eine Geschichte über kurzfristigeres Reiseverhalten, geopolitische Risikoabwägung und ein Geschäftsmodell, das sich in Echtzeit anpassen muss.

Gewinn sinkt stärker als erwartet, Iran-Krieg kostet Millionen

Das bereinigte Betriebsergebnis fiel von April bis Juni um 27 Prozent auf 234 Mio. Euro, wie Tui mitteilte. Analysten hatten laut WirtschaftsWoche im Schnitt mit 275 Mio. Euro gerechnet, bei einem leicht auf 5,98 Mrd. Euro gesunkenen Umsatz. Der tatsächliche Erlös schrumpfte noch stärker auf 5,8 Mrd. Verantwortlich ist neben der schwachen Konjunktur vor allem der Ende Februar ausgebrochene Iran-Krieg, der dem Konzern rund 60 Mio.

Euro Gewinnausfall einbrockte. Darin enthalten sind Kosten für Rückholaktionen gestrandeter Urlauber und 20 Mio. Euro, die allein durch zwei wochenlang vor Anker liegende Kreuzfahrtschiffe am Persischen Golf fehlten. Auch hohe Kerosinkosten belasteten das Ergebnis, obwohl sich Tui dagegen größtenteils mit Termingeschäften abgesichert hatte. Die Kundenzahl sank um 3,3 Prozent auf 9,9 Millionen. Tui-Chef Sebastian Ebel sprach von einem Jahr, das nicht normal sei: „Die Nachfrage bleibt auch in geopolitischen Krisenphasen bestehen, wird jedoch kurzfristiger.“ An der Börse reagierten die Papiere prompt: Im vorbörslichen Handel von Lang & Schwarz fielen sie um 2,2 Prozent, seit Kriegsbeginn haben sie laut WirtschaftsWoche zwölf Prozent an Wert verloren.

Nachfrage nach Dubai überrascht den eigenen Konzernchef

Während das Auswärtige Amt weiterhin von nicht notwendigen Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate abrät, hat Tui Dubai und Abu Dhabi für Anfang September wieder ins Angebot aufgenommen. „Ich bin überrascht, dass es Nachfrage gibt“, sagte Ebel laut Handelsblatt bei der Präsentation der Quartalszahlen. Mit einer derartigen Buchungsbereitschaft habe er vor Jahresende nicht gerechnet, auch wenn die Zahlen noch schwach seien und er nicht mit einer schnellen Rückkehr zu alten Werten rechne.

Tui ist damit nicht allein: Die Ferienfluggesellschaft Condor nimmt Dubai laut Handelsblatt ab Ende Oktober wieder ins Programm. Condor-Chef Peter Gerber begründete den Schritt mit einem „vertretbaren Risiko“ angesichts der Nachfrage nach der Destination. Auch die östlichen Mittelmeerziele Türkei, Zypern und Ägypten, die wegen ihrer Nähe zur Kriegsregion zeitweise weniger gefragt waren, zeigen laut Tui zuletzt eine Erholung.

Kurzfristigere Buchungen verändern das Reisegeschäft strukturell

Der eigentliche Bruch liegt nicht in einzelnen Zielen, sondern im veränderten Buchungsverhalten selbst. Tui registriert laut WirtschaftsWoche mehr Last-Minute-Buchungen zu niedrigeren Preisen, während die regulären Preise über Vorjahresniveau liegen. Der Konzern reduzierte sein Angebot um fünf Prozent, um die Marge zu stabilisieren und beobachtet in den vergangenen Wochen bereits wieder anziehende Buchungen. „Wir sehen sehr starke Normalisierung des Geschäftes“, betonte Ebel. Tui bekräftigte die im April gesenkte Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr, die zwischen 1,1 Mrd. und 1,4 Mrd.

Euro liegt, sofern sich die geopolitischen Spannungen nicht verschärfen und die Treibstoffversorgung gesichert bleibt. Nach neun Monaten hat Tui bereits 118 Mio. Euro verdient, das dritte Jahr in Folge mit einem positiven Ergebnis zu diesem Zeitpunkt.

Business Punk Check

Fakt ist der belegte Gewinneinbruch um 27 Prozent und der mit rund 60 Mio. Euro bezifferte Kriegsschaden. Fakt ist auch, dass Tui selbst von unerwarteter Dubai-Nachfrage spricht.

Interpretation: Das Wiederaufnehmen von Zielen trotz Reisewarnung zeigt, wie Anbieter Risiko und Nachfrage neu austarieren, sobald Buchungssignale stärker wiegen als amtliche Warnungen. Offen bleibt, ob diese kurzfristige Risikobereitschaft der Kunden ein temporäres Muster ist oder das Reiseverhalten dauerhaft verändert.

Auf einen Blick

  • Tuis bereinigtes Betriebsergebnis sank im dritten Quartal um 27 Prozent auf 234 Mio. Euro und lag damit unter den Analystenerwartungen von 275 Mio. Euro.
  • Der Iran-Krieg verursachte dem Konzern laut eigenen Angaben rund 60 Mio. Euro Gewinnausfall, unter anderem durch zwei blockierte Kreuzfahrtschiffe am Persischen Golf.
  • Tui nimmt Dubai und Abu Dhabi trotz bestehender Reisewarnung ab September wieder ins Programm, Konzernchef Sebastian Ebel zeigte sich überrascht von der Nachfrage.
  • Kunden buchen laut Konzernangaben zunehmend kurzfristiger, was Tui zu einer Reduzierung des Angebots um fünf Prozent veranlasste.

Quellen: WirtschaftsWoche, Handelsblatt

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