Tech & Trends Meta vor Gericht: 29 Staaten, ein Vorwurf, 200 Mrd. Dollar Risiko

Meta vor Gericht: 29 Staaten, ein Vorwurf, 200 Mrd. Dollar Risiko

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29 US-Bundesstaaten werfen Meta vor Gericht in Oakland vor, Instagram und Facebook gezielt süchtig für Jugendliche gestaltet zu haben. Es geht um bis zu 200 Mrd. Dollar.

Ein Bundesrichter hätte Meta die Klage ersparen können. Hat er nicht: Im Juni 2026 wies er den Antrag des Konzerns ab, zentrale Vorwürfe abzuschmettern.

Mark Zuckerberg soll im Rahmen des Verfahrens als Zeuge aussagen, ist aber nicht persönlich als natürliche Person angeklagt; korrekter wäre: „Im Prozess ist vorgesehen, dass Meta-CEO Mark Zuckerberg als Zeuge aussagt.“ Seit heute verhandelt ein Bundesgericht in Oakland, Kalifornien, über die Frage, ob Meta Instagram und Facebook absichtlich so konstruiert hat, dass Jugendliche daran hängen bleiben. Die Jury wird in den kommenden sechs bis acht Wochen Aussagen von Zuckerberg, Instagram-Chef Adam Mosseri und Whistleblower Arturo Béjar hören.

Eine 233-seitige Anklage mit Tabak-Logik

Die Klageschrift ist detailliert: Endlos-Scrollen, Empfehlungsalgorithmen, Push-Benachrichtigungen, Likes und Filter werden als psychologisch manipulative Werkzeuge beschrieben, nicht als neutrale Features. Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta formuliert es drastisch: „Meta hat ein gefährliches Produkt für junge Nutzer:innen entwickelt, wusste, dass es gefährlich ist und hat dann Kinder, Familien und die Gemeinschaft darüber belogen, wie gefährlich es war.“ Die Strategie orientiert sich bewusst am Vorgehen gegen die Tabakindustrie in den Neunzigern, das 1998 in einen 200-Milliarden-Dollar-Vergleich mündete.

Genau diese Summe fordern die Staaten nun auch von Meta, exakt der geschätzte Jahresumsatz des Konzerns für 2025. Zusätzlich soll der Konzern gezwungen werden, seine Produkte grundlegend sicherer für Kinder zu gestalten, was die Generalstaatsanwälte langfristig für schwerwiegender halten als jede Geldstrafe.

Interne Studien als Beweisstück

Zentral für die Anklage ist eine interne Meta-Untersuchung aus dem Jahr 2019 mit 2.500 Teenagern, laut Trending Topics Beleg dafür, dass der Konzern das Problem kannte. Das Ergebnis damals: Junge Menschen wüssten, dass Instagram ihrer psychischen Gesundheit schaden könne, fühlten sich aber durch die Angst, etwas zu verpassen, zur Nutzung gezwungen. Zusätzlich werfen die Staaten Meta vor, systematisch Daten von Kindern unter 13 Jahren ohne elterliche Zustimmung erhoben und damit gegen das Kinderdatenschutzgesetz COPPA verstoßen zu haben. Ein Präzedenzfall in New Mexico, wo Meta erst vor zwei Wochen zu 567 Mio. Dollar verurteilt wurde, zeigt, dass Gerichte solchen Argumenten bereits gefolgt sind, die Gesamtsumme für diesen einen Bundesstaat liegt inzwischen bei 942 Mio.

Auch in Tennessee läuft parallel ein weiterer Prozess, während in Kalifornien koordinierte Klagen gegen Meta, YouTube, TikTok und Snap verhandelt werden. Meta und YouTube verloren dort im Februar bereits einen ersten Fall und mussten sechs Mio. Dollar zahlen, TikTok und Snap einigten sich außergerichtlich.

Metas Gegenwehr: Kooperation statt Klage

Meta weist sämtliche Vorwürfe zurück und wirft den Staaten vor, „eine absurde Auszahlung“ zu verfolgen statt sich an Fakten oder Gesetz zu halten. Der Konzern verweist laut CNN auf mehr als 30 eingeführte Schutz- und Kontrollfunktionen und argumentiert, gemeinsame Regulierung wäre sinnvoller als Gerichtsverfahren.

Auch fehle laut Meta jeder Beweis, dass konkrete Nutzer in den klagenden Staaten tatsächlich in die Irre geführt wurden. Diese Position dürfte im Verlauf des Prozesses erneut vorgebracht werden, zumal Meta bereits angekündigt hat, ungünstige Urteile anfechten zu wollen.

Business Punk Check

Fakt ist: 29 Staaten klagen, die Forderung liegt bei bis zu 200 Mrd. Dollar, ein Bundesrichter ließ zentrale Vorwürfe zur Weiterverhandlung zu. Interpretation der Staaten: Design-Entscheidungen wie Endlos-Scroll seien kein Zufall, sondern Kalkül.

Metas Gegenposition, wonach Kooperation sinnvoller sei als Klagewellen, bleibt unbelegt, aber nicht unplausibel. Offen ist, ob Gerichte algorithmisches Engagement-Design tatsächlich als rechtswidrig einstufen werden, das wäre die eigentliche Zäsur.

Auf einen Blick

  • 29 US-Bundesstaaten klagen vor einem Bundesgericht in Oakland gegen Meta wegen angeblich absichtlich süchtig machendem Design von Instagram und Facebook.
  • Die Generalstaatsanwälte fordern bis zu 200 Mrd. Dollar Schadensersatz, eine Summe in Höhe von Metas geschätztem Jahresumsatz 2025.
  • Ein Bundesrichter hat im Juni 2026 zentrale Teile der Klage zur Weiterverhandlung zugelassen, statt sie abzuweisen.
  • Meta weist die Vorwürfe zurück und verweist auf mehr als 30 eingeführte Jugendschutzfunktionen.
  • Ein ähnlicher Fall in New Mexico endete bereits mit einer Verurteilung Metas zu 567 Mio. Dollar.

Quellen: Trending Topics (EN), Trending Topics (DE), The Guardian, NPR, CNBC, CNN, Reuters

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