Tech & Trends ChatGPT-Werbung: Gratis-Nutzer zahlen jetzt mit Aufmerksamkeit

ChatGPT-Werbung: Gratis-Nutzer zahlen jetzt mit Aufmerksamkeit

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Ab 24. August sehen Millionen ChatGPT-Nutzer in Deutschland Werbung. Wer nicht zahlt, bekommt Ads statt Ruhe.

OpenAI hat lange betont, Werbung passe nicht zu einem Produkt, dem Menschen intime Fragen anvertrauen. Diese Haltung ist Geschichte. Ab dem 24. August schaltet das Unternehmen ChatGPT-Werbung in 31 europäischen Ländern frei, darunter Deutschland und Österreich, wie heise berichtet. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Er markiert exakt sechs Monate nach dem US-Testlauf und fällt mit wachsendem Kostendruck durch den KI-Betrieb zusammen. Zum Marktstart kooperiert OpenAI zunächst mit großen Agenturen wie Publicis, WPP, Omnicom, MediaPlus und Havas, ein Self-Service-Tool für kleinere Unternehmen soll erst später folgen.

Wer Werbung sieht und wer nicht

Betroffen sind ausschließlich Nutzer der kostenlosen Version sowie des Einsteigertarifs ChatGPT Go für knapp acht Euro im Monat. Plus-, Pro-, Enterprise-, Business- und Education-Konten bleiben werbefrei, wie Trending Topics berichtet. Wer den Ads komplett entgehen will, kann laut OpenAI-Manager Dave Dugan auf Plus für knapp 23 Euro oder Pro für 229 Euro monatlich umsteigen, wie er gegenüber der dpa erklärte. Dugan betonte zudem die optische Trennung: „Die Antwort von ChatGPT ist klar von den Anzeigen getrennt und deutlich abgegrenzt. Unterhalb der eigentlichen Antwort von ChatGPT befindet sich eine graue Linie und unterhalb dieser Linie kann sich eine Anzeige befinden.“

Damit verschiebt sich die Logik: Wer nicht zahlt, zahlt künftig mit Aufmerksamkeit. Relevant ist das vor allem für die große Mehrheit, denn nach aktuellen Schätzungen nutzen weiterhin rund 80 bis 95 Prozent der über eine Milliarde monatlichen Anwender die Gratisversion. OpenAI selbst gibt an, dass bei 20 Prozent der Gespräche bereits eine eindeutige kommerzielle Absicht bestehe, was das Werbeumfeld aus Unternehmenssicht attraktiv macht.

Datenschutz als offene Baustelle

Zum Start sind die Anzeigen nicht personalisiert. OpenAI stützt sich laut eigenen Datenschutzhinweisen auf Gesprächsthema, groben Standort, Gerätetyp und Tageszeit, nicht auf frühere Chats. Als Rechtsgrundlage dient das berechtigte Interesse nach der DSGVO. Genau hier setzt der europäische Datenschutzausschuss (EDPB) mit seiner Opinion zu „Consent or Pay“-Modellen an: Plattformen müssen eine echte, gleichwertige Alternative ohne verhaltensbasierte Werbung bieten.

Ob der werbefreie Gratisplan mit reduzierten Limits und ohne Bildgenerierung diesem Maßstab genügt, ist laut Trending Topics offen. Zuständig wäre die irische Datenschutzkommission, da OpenAI Ireland Limited als Verantwortliche fungiert. Dugan versicherte gegenüber der dpa außerdem, dass Werbetreibende keinerlei Zugriff auf Chatverläufe erhalten: „Wir geben keinerlei Informationen aus Unterhaltungen an Werbetreibende weiter. Dies ist für uns äußerst wichtig; auch, weil manche Nutzer ChatGPT sehr persönliche Dinge anvertrauen.“.

Konkurrenz bleibt demonstrativ werbefrei

Der Schritt setzt OpenAI von der Konkurrenz ab. Perplexity und Anthropics Claude schalten in ihren Chatbots bislang keine Werbung, auch Google hält Gemini werbefrei, wie Trending Topics berichtet. Ob sich das Modell überhaupt rechnet, ist unklar: In den USA war ChatGPT-Werbung bisher kein durchschlagender Erfolg. Trotzdem drängt die Zeit, wie ein Blick in die Bilanz zeigt: Im zweiten Quartal 2025 stieg der Umsatz laut US-Berichten um 18 Prozent auf 6,7 Mrd. Dollar, während sich die Verluste zugleich auf 12,3 Mrd.

Dollar summierten. Die Kosten für den Ausbau der Infrastruktur sollen in den kommenden Jahren sogar hunderte Milliarden Dollar erreichen. Angesichts eines geplanten Börsengangs und wachsender Konkurrenz durch Anthropic wird das Werbegeschäft zum Testfall dafür, ob OpenAI aus Gratis-Nutzern endlich Erlöse ziehen kann.

Business Punk Check

Fakt ist: Ab kommender Woche sehen Gratis- und Go-Nutzer in Deutschland Werbung, Zahler bleiben verschont, so heise und Trending Topics. OpenAI verspricht Transparenz durch visuelle Trennung und keine Datenweitergabe an Werbekunden.

Die Interpretation liegt näher an einem Preismodell mit Umweg: Wer nicht zahlen will, bezahlt mit Daten und Nerven. Offen bleibt, ob der abgespeckte Gratisplan die EDPB-Vorgabe einer echten Alternative erfüllt und ob Werbung im Chatbot überhaupt konvertiert.

Auf einen Blick

  • Ab dem 24. August zeigt OpenAI Werbung in ChatGPT für Gratis- und Go-Nutzer in 31 europäischen Ländern inklusive Deutschland und Österreich.
  • Plus-, Pro-, Enterprise-, Business- und Education-Konten bleiben laut Unternehmensangaben werbefrei.
  • Der Europäische Datenschutzausschuss verlangt bei „Consent or Pay“-Modellen eine echte werbefreie Alternative, deren Erfüllung durch OpenAI offen ist.
  • Perplexity, Anthropic und Google verzichten bislang komplett auf Werbung in ihren Chatbots.

Quellen: heise, Trending Topics, n-tv.de, OpenAI, Digiday, Digiday

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