Startup & Scaling Etched: 21 Mrd. Dollar Bewertung, aber Nvidia zittert noch nicht

Etched: 21 Mrd. Dollar Bewertung, aber Nvidia zittert noch nicht

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Etched verdoppelt seine Bewertung auf 21 Mrd. Dollar in nur einem Monat. Jane Street steigt als Kunde und Investor ein, Skeptiker bleiben trotzdem hartnäckig.

Ein Start-up, das noch keine breite Marktvalidierung vorweisen kann, wird binnen vier Wochen doppelt so viel wert wie zuvor. Das ist die Ausgangslage bei Etched, einem US-Chip-Unternehmen, das sich auf KI-Inferenz spezialisiert hat. In einer neuen Finanzierungsrunde sammelte die Firma 700 Mio. Dollar ein, bei einer Bewertung von 21 Mrd. Im Juli lag der Wert noch bei 10,3 Mrd.

Dollar, im Januar bei fünf Milliarden. Angeführt hat die Runde der Quant-Fonds Jane Street, wie Trending Topics unter Berufung auf TechCrunch berichtet. Der Zuwachs von knapp elf Milliarden Dollar innerhalb eines Monats gehört damit zu den schnellsten Bewertungssprüngen der jüngeren Chip-Start-up-Geschichte.

Zwei Chips statt einer Universallösung

Etched trennt den Rechenprozess der Inferenz konsequent in zwei Phasen: Prefill und Decode. Co-Founder und COO Robert Wachen erklärte gegenüber TechCrunch, dass genau diese Aufteilung die Investoren überzeugt habe. In der Prefill-Phase muss ein System den Prompt samt Kontext verstehen, rechenintensiv und mathematisch anspruchsvoll. Etched hat dafür einen Niederspannungs-Chip entwickelt, der mehr Transistoren integrieren kann, ohne die Hitzeprobleme klassischer High-End-Chips.

Für die speicherintensive Decode-Phase, in der die eigentliche Antwort generiert wird, setzt das Unternehmen auf eine selbst entwickelte Architektur namens Cluster-Scale Memory. Sie verbindet viele Chips zu einem gemeinsamen, latenzarmen Speicherpool, so Wachen laut Trending Topics. Das Versprechen dahinter: höhere Geschwindigkeit bei gleichzeitig niedrigeren Kosten pro verarbeitetem Token, ein Argument, das insbesondere für Betreiber großer Sprachmodelle mit hohem Anfragevolumen relevant ist.

Jane Street ist Kunde und Geldgeber zugleich

Besonders bemerkenswert an der Runde: Jane Street hat die Etched-Hardware zunächst getestet und gekauft, bevor der Fonds als Lead-Investor einstieg. In einem Blogpost erklärte Jane Street, man sei mit den frühen Ergebnissen zufrieden und betreibe nun ein eigenes Rack im Datacenter. Neben Jane Street beteiligen sich unter anderem Kleiner Perkins, Sequoia Capital, Andreessen Horowitz, Peter Thiel, Tiger Global, Bain Capital Ventures sowie Blackstone.

Diese Investorenliste liest sich wie ein Who’s who der Tech- und Finanzwelt und positioniert Etched als einen der wenigen ernstzunehmenden Herausforderer im Inferenz-Segment, in dem Nvidia bislang dominiert. Dass ein quantitativer Handelsfonds wie Jane Street zum operativen Referenzkunden wird, ist ungewöhnlich für ein Hardware-Start-up in dieser frühen Phase und dürfte anderen Investoren als Signal gedient haben.

Woher der Optimismus kommt und wo die Zweifel bleiben

Der Bewertungssprung nährt zugleich Kritik. Eine Analyse von Remio.ai argumentiert, erste Silizium-Ergebnisse seien kein Beleg für zuverlässige Kundendeployments oder unabhängige Performance-Vergleiche. Technische Kritiker, die dort zitiert werden, geben zu bedenken, dass GPUs längst stark für Matrix-Operationen optimiert seien und Etched den Speicherbedarf großer Modelle unterschätzen könnte.

Auch SiliconAngle wirft die Frage auf, ob der Markt für spezialisierte Inferenz-Chips überschätzt wird, angesichts des etablierten GPU-Ökosystems rund um Nvidia. Hinzu kommt laut TechCrunch-Berichterstattung, dass Etcheds Gründer trotz prominenter Investoren mit erheblicher Skepsis in der Branche konfrontiert seien, insbesondere was die Integration der Chips in vollständige, produktionsreife Systeme betrifft. Belastbare, unabhängige Benchmarks zu Etcheds Chips liegen bislang nicht öffentlich vor.

Business Punk Check

Fakt ist: Etched hat seine Bewertung innerhalb eines Monats verdoppelt, mit Jane Street als zahlendem Kunden und Investor zugleich, ein seltenes Signal. Interpretation: Das deutet auf echtes technisches Vertrauen hin, nicht nur auf Hype-Kapital.

Offen bleibt aber, ob die Cluster-Scale-Memory-Architektur auch außerhalb von Pilotprojekten skaliert und ob Etched gegen Nvidias etabliertes Software-Ökosystem bestehen kann. Bis unabhängige Benchmarks vorliegen, bleibt die 21-Milliarden-Bewertung eine Wette auf die Zukunft der Inferenz, keine bewiesene Marktrealität.

Auf einen Blick

  • Etched sammelte 700 Mio. Dollar bei einer Bewertung von 21 Mrd. Dollar ein, nach 10,3 Mrd. Dollar im Vormonat.
  • Jane Street führte die Runde an, nachdem der Fonds die Chips zunächst als Kunde getestet und gekauft hatte.
  • Die Technologie trennt Inferenz in Prefill- und Decode-Chips mit einer eigenen Cluster-Scale-Memory-Architektur.
  • Kritiker bezweifeln laut Remio.ai, dass erste Silizium-Ergebnisse die hohe Bewertung bereits rechtfertigen.

Quellen: Trending Topics (EN), Trending Topics (DE), Reuters, TechCrunch, SiliconAngle, SiliconRepublic

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