Business & Beyond Rohöl steigt, Sprit steigt stärker: Forscher sieht ungewöhnlich hohe Margen

Rohöl steigt, Sprit steigt stärker: Forscher sieht ungewöhnlich hohe Margen

Spritpreise klettern seit Wochen, doch Rohöl und Steuern erklären nur einen Teil. Ein Forscher zeigt: Die Lücke zur Marge wächst, weil kaum jemand vergleicht.

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Zwei Euro sechzehn für einen Liter Super E10, zwei Euro fünfundzwanzig für Diesel: Die Zapfsäule ist wieder zum teuersten Ort im Alltag vieler Autofahrer geworden. Bemerkenswert ist dabei weniger der Anstieg selbst als seine Ursache.

Eine Auswertung der FH Münster zeigt, dass Rohölpreis, Steuern und Transportkosten die aktuellen Preise nicht vollständig erklären, wie WELT berichtet. Die Differenz nennt sich Marge und sie wächst.

Die Lücke zwischen Ölpreis und Zapfsäule wird größer

Johannes Schwanitz von der FH Münster beobachtet seit fast 25 Jahren, wie sich Rohölpreise auf Sprit übertragen. Normalerweise folgt der Literpreis dem Ölpreis recht eng, mit Aufschlägen für Steuern, Wechselkurse und Logistik. Seit Juli fällt dieser Aufschlag laut WELT jedoch ungewöhnlich hoch aus. Für Schwanitz ist das ein Indiz für steigende Margen, begünstigt durch einen Markt, den wenige große Anbieter dominieren.

Zwischen Mai und Juni hatte die Bundesregierung die Steuern auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent pro Liter gesenkt. Solange öffentlicher Druck und mediale Kontrolle hoch waren, gaben die Konzerne den Rabatt größtenteils weiter. Nach dessen Ende schnellten die Preise hoch und blieben es. Ein ähnliches Muster zeigte sich bereits im April, als die sogenannte 12-Uhr-Regel griff: Tankstellen dürfen seither nur noch einmal täglich erhöhen, senken aber jederzeit dürfen. Kurz vor Mittag ist Tanken inzwischen am günstigsten, danach schnellen die Preise nach oben.

Iran-Krise, Rhein-Niedrigwasser und Rekordmargen treffen zusammen

Global befeuern mehrere Krisen den Ölpreis parallel. Der Konflikt um die Straße von Hormus und Sanktionsdruck der USA gegen den Iran verunsichern die Märkte, ebenso russische Angriffe auf ukrainische Raffinerien, die Exporte einschränken. Ende Juli erreichte die rechnerische Raffineriemarge mit mehr als 72 Dollar pro Barrel ein Allzeithoch, so WELT.

In Deutschland verschärft niedriges Rheinwasser bei Kaub die Lage zusätzlich: Wo Kraftstoff nicht mehr per Schiff transportiert werden kann, steigen die Frachtkosten und Regionen wie Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zahlen spürbar mehr, wie Tagesschau dokumentiert. Der ADAC hält trotz dieser Erklärungen das Preisniveau insgesamt für zu hoch.

Wer nicht vergleicht, füttert die Marge

Der eigentliche Aha-Moment liegt woanders: Schwanitz macht laut WELT auch die Autofahrer selbst mitverantwortlich. Preise sind transparent wie nie, trotzdem vergleichen viele nicht und wer mit Firmenkarte tankt, achtet kaum auf den Literpreis.

Genau das schwächt den Wettbewerb: Ohne Vergleichsdruck fehlt Tankstellen der Anreiz, günstiger zu werden. Während Polen die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe befristet von 23 auf 8 Prozent senkt, bleibt eine deutsche Übergewinnsteuer politisch umstritten, gefordert unter anderem von SPD und Umweltverbänden.

Business Punk Check

Die Fakten sind eindeutig belegt: Ein Wissenschaftler mit 25 Jahren Datenerfahrung sieht eine Marge, die über normale Kostenfaktoren hinausgeht. Das ist kein PR-Spin, sondern eine methodische Beobachtung. Wo Hype beginnt, ist die Übergewinn-Debatte: Greenpeace-Schätzungen von vier Milliarden Euro sind eine Momentaufnahme, keine geprüfte Bilanz und die Branche hat mit gestiegenen Raffineriekosten valide Gegenargumente. Die unbequeme Wahrheit für Konsumenten: Wer Firmenwagen fährt oder nicht vergleicht, subventioniert aktiv die Preismacht der Konzerne. Für die Verkehrswende heißt das: Jede Krise am Ölmarkt macht E-Mobilität kalkulierbarer, während Verbrenner-Fahrende strukturellen Preisschwankungen ausgeliefert bleiben, die sie selbst kaum beeinflussen können.

Auf einen Blick

  • Eine Auswertung der FH Münster zeigt, dass die Spritpreise seit Juli stärker steigen, als Rohölpreis und Steuern allein erklären können.
  • Die Raffineriemarge erreichte Ende Juli mit mehr als 72 Dollar pro Barrel ein Allzeithoch, während Rheinniedrigwasser den Transport zusätzlich verteuert.
  • Forscher Johannes Schwanitz sieht einen Grund für die hohen Preise auch im Verhalten der Autofahrer, die trotz transparenter Preise selten vergleichen.
  • Der ADAC hält das deutsche Preisniveau trotz Nahost-Krise und Wassermangel für insgesamt zu hoch, während die Branche auf gestiegene Kosten verweist.

Quellen: T Online, WELT, Tagesschau, Mdr, Agrarheute

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