Green & Generation Uniper und Equinor: Fünfzehn Jahre Gas, ein Jahrzehnt Abhängigkeit

Uniper und Equinor: Fünfzehn Jahre Gas, ein Jahrzehnt Abhängigkeit

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Uniper sichert sich fünfzehn Jahre norwegisches Erdgas per Pipeline. Der Deal stärkt Deutschlands Versorgung, wirft aber Fragen zur Klimastrategie und zur Uniper-Reprivatisierung auf.

Ein Vertrag über 15 Jahre, unterzeichnet in Stavanger: Uniper und der norwegische Staatskonzern Equinor haben eine Liefervereinbarung geschlossen, die Deutschlands Gasversorgung bis weit in die 2040er-Jahre absichern soll. Ab 2027 fließen jährlich mehr als 30 Terawattstunden Erdgas über bestehende Pipelines nach Deutschland, wie Uniper mitteilte.

Das entspricht laut Recherchen etwa drei Prozent der jährlichen deutschen Gasimporte, Das entspricht grob dem geschätzten jährlichen Gasverbrauch von mehr als zwei Millionen Haushalten und beruht auf Annahmen zum durchschnittlichen Haushaltsverbrauch. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Der Deal fällt in eine Phase, in der Uniper seine Rolle als staatsnaher Energiekonzern neu definieren muss, bevor der Bund seine Anteile bis 2028 auf höchstens 25 Prozent plus eine Aktie reduzieren soll.

Norwegen übernimmt endgültig die Rolle Russlands

Der Vertrag zementiert eine Entwicklung, die sich seit 2022 abzeichnet. Rund 44 Prozent des nach Deutschland gelieferten Erdgases stammten im vergangenen Jahr per Pipeline aus Norwegen, so WirtschaftsWoche. Hinzu kommen Flüssigerdgas-Lieferungen, deren norwegischer Anteil laut Energiewirtschaftsverband BDEW bei 4,1 Prozent lag, weit hinter den USA mit 87,6 Prozent.

Equinor gehört zu 67 Prozent dem norwegischen Staat, Uniper ist derzeit fast vollständig in deutscher Hand. Der Deal ist damit auch ein Geschäft zwischen zwei staatsnahen Akteuren, das die energiepolitische Nähe zwischen Berlin und Oslo weiter vertieft und Equinors Serie ähnlicher Verträge mit deutschen Versorgern wie RWE oder LichtBlick fortsetzt. Zum Vergleich: In Deutschland wurde im vergangenen Jahr laut Bundesnetzagentur Erdgas mit einem Energiegehalt von insgesamt 864 Terawattstunden verbraucht, die neue Liefermenge bleibt also ein Baustein unter vielen, aber ein langfristig gesicherter.

Uniper braucht Stabilität vor der Teilprivatisierung

Für Unipers Vorstandschef Michael Lewis ist der Vertrag mehr als Tagesgeschäft. „Mit dieser Vereinbarung stärken wir die langfristige Gasversorgung Deutschlands und vertiefen zugleich unsere Zusammenarbeit mit Equinor“, erklärte Lewis laut Unternehmensmitteilung, zitiert von Handelsblatt. Die Aussage zielt auch nach innen: Ein Konzern, der binnen weniger Jahre wieder privates Kapital anziehen soll, braucht belastbare, langfristige Lieferbeziehungen als Argument für Investoren.

Über das finanzielle Volumen des Vertrags machte Uniper keine Angaben, die Konditionen gelten als marktüblich. Der Verzicht auf Details lässt offen, wie stark sich der Deal später in der Bilanz niederschlägt. Uniper zählt zu den größten Gasgroßhändlern Europas und beliefert neben Stadtwerken auch große Industriekunden sowie Kraftwerksbetreiber, für die Versorgungssicherheit über Jahrzehnte ein zentrales Kalkül ist.

Kritik: Der Vertrag bindet Deutschland an fossile Infrastruktur

Umweltverbände sehen den Abschluss deutlich kritischer. Die Deutsche Umwelthilfe warnt grundsätzlich vor langlaufenden Gasimportverträgen, weil sie sogenannte Lock-in-Effekte erzeugen und den notwendigen Rückgang des Gasverbrauchs erschweren könnten. Der BUND argumentiert ähnlich: Neue Fünfzehn-Jahres-Bindungen an fossile Lieferanten stünden im Widerspruch zu einer konsequenten Dekarbonisierung.

Ein Rechtsgutachten im Auftrag des Bundestags weist zudem darauf hin, dass die Kombination aus strategischer Gasreserve und weiteren Langfristverträgen zu Überkapazitäten führen und Fehlanreize für den fortgesetzten Gaseinsatz setzen könne. Belegt ist damit eine Debatte, nicht deren Ausgang. Selbst Versorger, die ähnliche Verträge mit Equinor abgeschlossen haben, betonen inzwischen öffentlich, dass norwegisches Erdgas nur eine Übergangslösung auf dem Weg zu mehr erneuerbaren Energien sein könne.

Business Punk Check

Fakt ist: Der Vertrag sichert Deutschland ab 2027 für 15 Jahre norwegisches Pipelinegas und bestätigt Norwegens Spitzenposition unter den Lieferanten. Fakt ist auch, dass Uniper den Deal wenige Jahre vor der geplanten Teilprivatisierung verkündet, was sich als Stabilitätssignal an künftige Investoren lesen lässt, ohne dass Uniper diesen Zusammenhang selbst so benennt.

Offen bleibt, ob 15 Jahre fossile Bindung mit Deutschlands Klimazielen vereinbar sind. Die Kritik von Umweltverbänden ist dokumentiert, ihre Prognosen sind aber Einschätzungen, keine belegten Fakten.

Auf einen Blick

  • Uniper und Equinor haben einen Fünfzehn-Jahres-Vertrag über jährlich mehr als 30 Terawattstunden Erdgas ab 2027 unterzeichnet.
  • Norwegen bleibt mit rund 44 Prozent Anteil an den deutschen Pipeline-Importen der wichtigste Erdgaslieferant Deutschlands.
  • Der Abschluss fällt in die Phase vor Unipers geplanter Teilprivatisierung, bei der der Bund seine Anteile bis 2028 deutlich reduzieren soll.
  • Umweltverbände wie BUND und Deutsche Umwelthilfe kritisieren langlaufende Gasverträge wegen möglicher Lock-in-Effekte für fossile Infrastruktur.

Quellen: WirtschaftsWoche, Handelsblatt, Reuters, Zeit, Equinor, N-tv

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