Business & Beyond VW-Sparkurs: Blume will alles auf den Kopf stellen – Lies droht mit Blockade

VW-Sparkurs: Blume will alles auf den Kopf stellen – Lies droht mit Blockade

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Oliver Blume nennt Werksschließungen die letzte Option, Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies nennt sie fatal. zwischen Wolfsburg und Hannover eskaliert der Machtkampf um VWs Zukunft.

Zehntausende Jobs, vier Werke, eine Landesregierung mit Vetorecht: Der Umbau bei Volkswagen ist längst kein internes Sparprogramm mehr, sondern ein offener Machtkampf zwischen Konzernspitze und Politik. Während VW-Chef Oliver Blume die Belegschaft auf harte Einschnitte einstimmt, positioniert sich Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies als Gegenspieler.

Der Ton zwischen Wolfsburg und Hannover hat sich merklich verschärft, seit beide Seiten ihre Positionen öffentlich zuspitzen statt intern zu verhandeln.

Blumes Sparplan trifft auf vier Standorte mit unsicherer Zukunft

Bei der Betriebsversammlung in Wolfsburg wurde Blume konkret: Für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm gebe es derzeit keine „wettbewerbsfähige Belegung“ für die 2030er-Jahre, sagte er laut WirtschaftsWoche. Schließungen bezeichnete er als „letzte und teuerste Lösung“, die er vermeiden wolle. Laut Redemanuskript, das dem Handelsblatt vorliegt, entfällt etwa die Hälfte des zusätzlichen Anpassungsbedarfs auf Deutschland, der Rest verteilt sich auf rund 170 Gesellschaften weltweit.

Zusätzlich zum laufenden Abbauprogramm mit 50.000 Stellen stehen nach Berichten weitere Jobs zur Disposition. Blume begründet den Kurs mit Zöllen, neuer Konkurrenz und geopolitischem Druck auf die gesamte Autoindustrie. Vor mehr als 10.000 Beschäftigten sprach er von einer Lage, die „mehr als kritisch“ sei. Der Konzern habe zwar wachsende Marktanteile, das reiche aber noch nicht aus, um die strukturellen Probleme zu lösen, so Blume laut WirtschaftsWoche.

Lies warnt vor Verlust der Konzerngröße als Standortvorteil

Der niedersächsische Ministerpräsident widerspricht der Blume’schen Logik direkt. Werksschließungen seien „keine Zukunftslösung“, sagte Lies dem Deutschlandfunk laut WirtschaftsWoche. Die Größe des Konzerns zu hinterfragen, wäre „wirklich fatal“. Sein Land hält als Großaktionär ein Vetorecht bei zentralen Entscheidungen. Nach Berichten von Spiegel sieht Blumes Plan „Group Target Picture 2030“ vor, genau dieses Mitspracherecht faktisch einzuschränken.

Lies setzt stattdessen auf Wachstum im E-Mobilitätsmarkt, bessere Synergien zwischen den Konzernmarken und schlägt sogar Rüstungsproduktion vor, um Werksauslastung zeitweise zu sichern. Er räumt zugleich ein, dass sich der Konzern in einer „extrem schwierigen Zeit“ befinde, wie er dem Deutschlandfunk laut Spiegel sagte. Die Frage, ob VW zu viele Modellvarianten und Ausstattungsoptionen pflegt, sieht Lies als ebenso relevant wie die Standortdebatte selbst.

Betriebsrat spricht von beschädigtem Vertrauen in den Vorstand

Auch innerhalb der Belegschaft wächst der Widerstand. Die Kommunikation aus der Chefetage sei „desaströs“ und zu oberflächlich, kritisierten Mitarbeitende laut WirtschaftsWoche bereits vor Blumes Auftritt. In Wolfsburg hielten Gewerkschafter bei der Versammlung Plakate mit Aufschriften wie „Unsere Jobs sind nicht Eure Bilanzkorrektur“ hoch, wie das Handelsblatt schildert.

Auf den Plätzen der Vorstände lagen laut Teilnehmerberichten vorsorglich geräuschdämpfende Ohrstöpsel bereit, die letztlich ungenutzt blieben. Der Gesamt- und Konzernbetriebsrat um Daniela Cavallo lehnt betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen nach eigenen Angaben strikt ab und fordert verbindliche Standortzusagen. Acht weitere Betriebsversammlungen in Braunschweig, Emden, Zwickau, Chemnitz, Dresden, Kassel-Baunatal, Salzgitter und Hannover sollen in den kommenden Tagen folgen, bei denen sich Blume erneut den Fragen der Belegschaft stellen muss.

Business Punk Check

Fakt ist: Blume nennt vier Werke ohne wettbewerbsfähige Auslastung für 2030, Lies und der Betriebsrat fordern dagegen belastbare Zusagen für alle Standorte. Offen bleibt, ob die genannten 50.000 zusätzlichen Stellen eine feste Zielgröße sind oder, wie Blume selbst relativiert, nur ein Szenario unter mehreren.

Die Vetorecht-Frage macht aus einem Sparprogramm einen Machtkonflikt um die Kontrolle über Europas größten Autokonzern. Wer hier am Ende nachgibt, entscheidet auch, wie viel politischen Einfluss Landesregierungen künftig auf DAX-Konzerne behalten.

Auf einen Blick

  • Oliver Blume nennt Werksschließungen in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm als letzte Option, sieht aber keine wettbewerbsfähige Auslastung für die 2030er-Jahre.
  • Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies bezeichnet Werksschließungen als „keine Zukunftslösung“ und warnt vor dem Verlust der Konzerngröße als Standortvorteil.
  • Zusätzlich zum laufenden Abbau von 50.000 Stellen stehen laut Berichten weitere Einschnitte im Raum, deren genaue Höhe offen bleibt.
  • Der Gesamt- und Konzernbetriebsrat um Daniela Cavallo lehnt betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen ab und fordert verbindliche Standortzusagen.
  • Blumes Umbauplan „Group Target Picture 2030“ soll laut Spiegel auch das Vetorecht des Landes Niedersachsen einschränken.

Quellen: WirtschaftsWoche, Handelsblatt, Spiegel, Zeit, Ad-hoc-news, Tagesschau

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