Business & Beyond Uber fährt Big Brother: Eltern schauen jetzt live mit

Uber fährt Big Brother: Eltern schauen jetzt live mit

Uber macht Teenager-Fahrten zum Livestream: Eltern können künftig während der Fahrt direkt ins Auto schauen. Das soll für mehr Sicherheit sorgen – wirft aber neue Fragen zu Privatsphäre und Überwachung auf.

Uber baut seine Teenager-Accounts um eine Funktion aus, die ungewöhnlich weit geht: Eltern und Erziehungsberechtigte können Fahrten ihrer Kinder künftig per Livevideo verfolgen. Das Feature ist zunächst in neun US-Märkten verfügbar und soll in den kommenden Wochen landesweit ausgerollt werden.

Die Uber-Fahrt wird zum Livestream

Für die Übertragung nutzt Uber die Selfie-Kamera des Smartphones des Fahrers. Sobald ein Stream verfügbar ist, erhält das mit dem Teenager-Account verknüpfte Eltern- oder Erziehungsberechtigten-Konto eine Benachrichtigung. Entscheidet sich die Person zuzuschauen, werden sowohl Fahrer als auch Teenager darüber informiert. Aus der bisherigen Fahrtverfolgung auf der Karte wird damit eine Art virtueller Beifahrersitz. Der Livestream ist allerdings nicht automatisch bei jeder Fahrt verfügbar: Fahrer müssen den Zugriff auf die Kamera erlauben.

Zuschauen dürfen nur verknüpfte Eltern

Auf den Livestream können ausschließlich Eltern oder Erziehungsberechtigte zugreifen, deren Account mit dem Teenager-Konto verbunden ist. Nach Ende der Fahrt stoppt der Stream automatisch, anschließend können Fahrer, Teenager und Eltern nicht mehr auf das Video zugreifen. Einen Haken gibt es trotzdem: Andere Personen im Fahrzeug können offenbar nicht verhindern, ebenfalls im Kamerabild aufzutauchen. Freunde, Geschwister oder andere Fahrgäste werden so möglicherweise Teil eines Livestreams, den sie selbst nicht aktiviert haben.

Verschlüsselt heißt nicht automatisch privat

Uber erklärt, die Videoübertragung sei verschlüsselt. Offen bleibt allerdings, ob es sich um eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung handelt, bei der auch Uber selbst technisch keinen Zugriff auf die Daten hätte. Entscheidend ist deshalb die Unterscheidung zwischen dem Livezugriff der Eltern und einer möglichen Verarbeitung oder Speicherung durch Uber. Auch wenn das Video nach der Fahrt für die Beteiligten nicht mehr abrufbar ist, bleibt offen, ob vorübergehend Daten auf Uber-Systemen existieren und unter welchen Bedingungen das Unternehmen darauf zugreifen könnte.

Erst neun Märkte, dann die ganzen USA

Aktuell ist die Funktion in neun US-Märkten verfügbar, darunter Atlanta, Cleveland und Rhode Island. In den kommenden Wochen soll der Livestream in den gesamten USA verfügbar werden. Ob und wann das Feature nach Europa kommt, ist nicht bekannt. Eine Einführung dürfte hier besonders interessant werden: Minderjährige, Videoaufnahmen und unbeteiligte Mitfahrer werfen Fragen nach Einwilligung und Datenschutz auf. Für eine rechtliche Bewertung wären allerdings die genaue technische Umsetzung und die jeweiligen nationalen Regeln entscheidend.

Teenager sind längst ein globales Uber-Geschäft

Uber führte Teenager-Accounts in den USA 2023 ein und hat das Angebot inzwischen auf mehr als 50 Länder ausgeweitet. Zu den Schutzmechanismen gehören Echtzeit-Ortung, RideCheck und eine PIN-Verifizierung. Dabei muss der Teenager dem Fahrer einen individuellen Code nennen, bevor die Fahrt beginnen kann. Uber setzt zudem auf erfahrene und gut bewertete Fahrer. Der Livestream erweitert dieses Sicherheitspaket nun um eine deutlich invasivere Komponente: den direkten Blick ins Auto.

Mehr Sicherheit – und mehr Überwachung

Für Eltern klingt die Idee zunächst beruhigend: Statt nur einen Punkt auf einer Karte zu verfolgen, können sie überprüfen, ob im Auto alles in Ordnung ist. Doch die zusätzliche Kontrolle bringt neue Risiken mit sich. Eine Kamera zeigt nur einen Ausschnitt und kann dadurch falsche Sicherheit vermitteln. Jugendliche könnten sich zudem unter Druck gesetzt fühlen, jederzeit beobachtbar sein zu müssen. Besonders problematisch sind Mitfahrer, die ohne eigene Zustimmung im Bild erscheinen können. Hinzu kommt die Kombination sensibler Informationen wie Abholort, Ziel, Fahrtzeit, Bewegungsprofil und möglicherweise Videodaten. Auch ein kompromittiertes Elternkonto könnte zum Sicherheitsrisiko werden.

Die Kamera ersetzt keine Sicherheitsregeln

Eltern und Jugendliche sollten deshalb festlegen, wann der Livestream tatsächlich genutzt wird – etwa bei einem konkreten unguten Gefühl statt bei jeder Fahrt. Wichtiger bleiben grundlegende Checks: Stimmen Kennzeichen, Fahrzeug und Fahrername mit den Angaben in der App überein? Wird die PIN korrekt abgefragt? Bei einem unguten Gefühl sollte der Teenager Eltern oder andere Vertrauenspersonen informieren und bei akuter Gefahr den Notruf wählen. Der Livestream kann zusätzliche Transparenz schaffen, aber keine sichere Fahrt garantieren. Uber muss deshalb nicht nur zeigen, dass die Technik funktioniert, sondern auch überzeugend erklären, wie Zugriff, Verschlüsselung und der Schutz unbeteiligter Fahrgäste geregelt sind. Das Feature zeigt damit, wie schmal der Grat zwischen digitaler Kindersicherheit und digitaler Überwachung werden kann.

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