AnlagePunk Rekordquartal ohne Kursfeuerwerk: Nvidia schlägt die Erwartungen und rutscht trotzdem ab

Rekordquartal ohne Kursfeuerwerk: Nvidia schlägt die Erwartungen und rutscht trotzdem ab

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Nvidia knackt fast die 100-Milliarden-Dollar-Marke pro Quartal und übertrifft alle Erwartungen. Trotzdem bleibt die Anlegerreaktion verhalten: Der KI-Boom hat einen Preis.

Ein Konzern, der in drei Monaten 96,2 Mrd. Dollar umsetzt und trotzdem an der Börse zeitweise ins Minus rutscht: Das ist die paradoxe Lage, in der sich Nvidia gerade befindet. Der Chiphersteller hat für das zweite Quartal seines Finanzjahres 2027 Zahlen vorgelegt, die laut Handelsblatt sämtliche Analystenschätzungen übertrafen. Der Gewinn je Aktie stieg auf 2,22 Dollar, erwartet waren 2,09 Dollar.

Der Umsatz lag laut finanzen.net ebenfalls über der Konsensschätzung von 42 befragten Analysten, die im Schnitt mit 92,28 Mrd. Dollar gerechnet hatten. Im Vorjahresquartal hatte Nvidia noch 46,74 Mrd. Dollar umgesetzt, der Umsatz hat sich also mehr als verdoppelt. Dennoch reagierten Investoren nicht mit dem erwarteten Jubel, sondern mit Nervosität: Im nachbörslichen Handel rutschte die Aktie laut finanzen.net zeitweise um 1,19 Prozent ab, bevor sie sich später ins Plus drehte.

Die 100-Milliarden-Marke ist zum Greifen nah

Für das laufende dritte Quartal stellt Nvidia laut heise einen Umsatz von 108 Mrd. Dollar in Aussicht, deutlich über den von Handelsblatt zitierten LSEG-Analystenschätzungen von rund 104 Mrd. Der Löwenanteil des Wachstums kommt aus dem Geschäft mit KI-Rechenzentren, das allein 89 Mrd. Dollar beisteuerte.

Bemerkenswert: Kleinere Betreiber wuchsen zuletzt mit 25 Prozent schneller als die großen Cloud-Hyperscaler mit 13 Prozent, was auf eine Verbreiterung der Nachfragebasis über die üblichen Tech-Giganten hinaus hindeutet. Das Edge-Computing-Geschäft, in dem Nvidia seine Gaming-Grafikkarten mittlerweile verbucht, legte sequenziell um 13 Prozent auf 7,2 Mrd. Dollar zu, bleibt aber ein Nebenschauplatz gegenüber dem Rechenzentrumsgeschäft.

Der operative Cashflow bricht ein, während der Gewinn steigt

Ein Detail, das in den Jubelmeldungen oft untergeht: Der operative Cashflow hat sich laut heise binnen eines Quartals mehr als halbiert, von 50,3 auf 24,1 Mrd. Grund sind offene Forderungen von 22,3 Mrd. Dollar, die Finanzchefin Colette Kress mit „verlängerten Zahlungsfristen bei umfangreichen, mehrere Quartale umfassenden Verträgen mit bestimmten Investment-Grade-Kunden“ erklärte. Für Anleger, die auf Vermögensaufbau über Substanzwerte setzen, ist das ein Warnsignal: Wachstum auf Kredit an die eigenen Kunden ist etwas anderes als Wachstum durch Bareinnahmen. Die Bruttomarge bleibt mit 75 Prozent zwar hoch, doch die Kapitalbindung wächst mit.

Hinzu kommen 5,8 Mrd. Dollar Mittelabfluss durch neue Lagerbestände der Vera-Rubin-Systeme, die laut Nvidia inzwischen in voller Serienproduktion laufen. Auch beim Nettogewinn zeigt sich Bremsspur: Er legte gegenüber dem Vorquartal nur um etwa zwei Prozent zu, weil die Buchgewinne aus Beteiligungen wie an Intel und Anthropic zuletzt deutlich geringer ausfielen als im Quartal zuvor.

AMD und Intel laufen dem Aktienkurs davon

Im Wettbewerbsvergleich zeigt sich ein überraschendes Bild: Nvidias Aktie legte im bisherigen Jahresverlauf laut Handelsblatt um 14,2 Prozent zu, während sich die Kurse von AMD und Intel mehr als verdoppelt haben. Das mag paradox wirken, da Nvidia beim Umsatz uneinholbar führt.

Es zeigt aber, dass die Börse bei einem bereits hoch bewerteten Marktführer weniger Überraschungspotenzial nach oben sieht als bei Herausforderern, die von einem niedrigeren Niveau aus aufholen. Zusätzliche Fantasie liefern Gerüchte über Gespräche mit dem KI-Start-up Hugging Face, das laut Berichten von Business Insider und The Information, zitiert im Handelsblatt, mit über 13 Mrd. Dollar bewertet werden könnte.

Business Punk Check

Fakt ist: Nvidia liefert Rekordzahlen und eine Prognose über den Erwartungen. Fakt ist auch: Der operative Cashflow schrumpft, weil Kunden länger auf Rechnungen zahlen dürfen.

Das ist keine Bilanzfälschung, aber eine Einordnung wert, wenn Vermögensaufbau-Strategien auf angeblich risikoarme Tech-Riesen setzen. Ob die verlängerten Zahlungsfristen ein einmaliger Effekt großer Verträge sind oder ein strukturelles Muster werden, lässt sich aus den vorliegenden Zahlen nicht abschließend beantworten. Diese Frage dürfte die nächsten Quartale prägen.

Auf einen Blick

  • Nvidia meldete für das zweite Quartal des Finanzjahres 2027 einen Umsatz von 96,2 Mrd. Dollar und übertraf damit die Analystenerwartungen deutlich.
  • Für das dritte Quartal stellte der Konzern einen Umsatz von 108 Mrd. Dollar in Aussicht, mehr als die von Analysten erwarteten rund 104 Mrd. Dollar.
  • Der operative Cashflow sank binnen eines Quartals von 50,3 auf 24,1 Mrd. Dollar, bedingt durch verlängerte Zahlungsfristen bei Großkunden.
  • Berichten zufolge führte Nvidia Gespräche über eine mögliche Übernahme des KI-Start-ups Hugging Face mit einer Bewertung von über 13 Mrd. Dollar.

Quellen: heise, Handelsblatt, Google News Wirtschaft (DE)

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