Tech & Trends Vom Discounter zur Datenmacht: Schwarz-Gruppe baut ihr Cloud-Imperium für 12 Milliarden aus

Vom Discounter zur Datenmacht: Schwarz-Gruppe baut ihr Cloud-Imperium für 12 Milliarden aus

Lidl-Mutter Schwarz baut nahe Rostock offenbar ihr zweites XXL-Rechenzentrum. Zwölf Milliarden Euro, Wahlkampf-Timing und ein Angriff auf US-Cloud-Riesen: Das steckt dahinter.

Ein Discounter-Konzern baut Deutschlands digitale Infrastruktur. Die Schwarz-Gruppe, bekannt durch Lidl und Kaufland, plant in Dummerstorf bei Rostock ein Rechenzentrum, dessen Servertechnik allein in der ersten Ausbaustufe rund zwölf Milliarden Euro kosten soll, wie Tagesschau berichtet. Damit würde das Projekt das bereits gigantische Vorhaben in Lübbenau (Brandenburg) mit elf Milliarden Euro Investitionsvolumen übertreffen. Bekannt wurde der Plan zunächst über einen Vorabbericht der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, der sich auf mehrere mit der Sache vertraute Personen stützte. Offiziell wollte sich zunächst niemand äußern, weder die Schwarz-Gruppe noch die Staatskanzlei in Schwerin gaben Stellungnahmen ab.

Die Digitalsparte Schwarz Digits mit Sitz im baden-württembergischen Bad Friedrichshall treibt damit eine Strategie voran, die weit über den Handel hinausgeht: eine europäische Cloud-Alternative zu US-Playern wie Amazon, Microsoft und Google. Die offizielle Verkündung ist für Donnerstag angesetzt. Laut Presseeinladung der Staatskanzlei wollen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und der Komplementär der Schwarz-Gruppe, Gerd Chrzanowski, gemeinsam eine „Großansiedlung in Mecklenburg-Vorpommern“ vorstellen. Dass es sich dabei um das Rechenzentrum in Dummerstorf handelt, gilt nach übereinstimmenden Medienberichten als gesichert, auch wenn die Details bis zur Pressekonferenz offiziell unter Verschluss blieben. Regierungssprecher Andreas Timm bestätigte lediglich, es gehe um eine mehrere Milliarden Euro schwere Investition, ohne die konkrete Summe zu nennen.

Zwei Milliarden-Projekte, eine Machtansage

Das Rechenzentrum in Lübbenau stellt nach Konzernangaben mit bis zu 100.000 KI-Chips fast ein Zehntel der gesamten deutschen Rechenzentrumskapazität. Sollte Dummerstorf diesen Umfang übertreffen, entstünde binnen kürzester Zeit ein zweiter Standort, der Deutschlands KI-Infrastruktur spürbar verschieben würde. Ein Unternehmenssprecher wollte die Zwölf-Milliarden-Zahl nicht bestätigen, deutete aber an, der Projektstart erfordere ein geringeres Investitionsvolumen. Diese Vorsicht passt zum sonstigen Kommunikationsstil des Konzerns, der Details grundsätzlich erst zum offiziellen Termin bekannt gibt.

Bemerkenswert ist die Ausgangslage: Grundstücke sind laut Insiderangaben bereits gekauft, Baugenehmigungen liegen vor, auch die Umweltbehörden sollen zugestimmt haben. Verträge mit den Rostocker Stadtwerken zur Nutzung der Abwärme seien unter Dach und Fach. Das Projekt ist also keine vage Absichtserklärung, sondern in fortgeschrittener Umsetzung. Diese Vorarbeit unterscheidet Dummerstorf von vielen anderen angekündigten Großprojekten, die oft jahrelang in Genehmigungsverfahren feststecken, bevor überhaupt der erste Spatenstich erfolgt.

Digitale Souveränität als Geschäftsmodell

Mit dem Cloudangebot Stackit positioniert sich Schwarz Digits explizit als digital souveräne Alternative für den öffentlichen Sektor und regulierte Branchen, wie n-tv berichtet. Der Strom soll aus erneuerbaren Energien stammen, die Abwärme soll die Stadt Rostock nutzen. Das ist die grüne Verpackung eines geopolitischen Arguments: Wer europäische Daten auf europäischen Servern mit europäischem Strom verarbeitet, verkauft nicht nur Rechenleistung, sondern Unabhängigkeit von US-Konzernen. Gerade der Fokus auf erneuerbare Energien ist in Mecklenburg-Vorpommern nicht nebensächlich, da der Ausbau von Windkraft im Bundesland seit Jahren politisch umstritten ist und im laufenden Wahlkampf immer wieder für Konflikte sorgt. Offen bleibt, wie viele Arbeitsplätze entstehen.

Rechenzentren gelten als kapitalintensiv, aber personalarm im Betrieb, das dürfte auch in Dummerstorf gelten. Für eine Region, die auf sichtbare wirtschaftliche Impulse hofft, ist das eine ambivalente Botschaft: Milliardeninvestition ja, aber vermutlich kein Jobmotor im klassischen Sinn. Details dazu, ebenso wie zur konkreten Höhe der zugesagten Landesförderung, sollten laut NDR erst am Donnerstag bekannt werden.

Der Wahlkampf-Faktor

Der Zeitpunkt der Ankündigung ist politisch brisant. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig steckt mitten im Landtagswahlkampf und muss laut n-tv fürchten, von der AfD unter Spitzenkandidat Leif-Erik Holm überholt zu werden. Mit rund 29 Prozent in Umfragen schneidet ihre SPD in Mecklenburg-Vorpommern zwar überdurchschnittlich gut ab, eine Milliarden-Ansiedlung kurz vor der Wahl ist dennoch ein Geschenk für ihre Kampagne.

Laut NDR hat die Landesregierung zudem eine Förderung zugesagt, deren Höhe erst am Donnerstag bekannt werden soll. Die gemeinsame Bühne mit dem Schwarz-Komplementär Chrzanowski liefert Schwesig genau das Bild, das sie im Wahlkampf braucht: eine Ministerpräsidentin, die Großinvestitionen ins Land holt, während in anderen Themenfeldern wie der Energiepolitik der Gegenwind aus dem rechten Lager wächst.

Auf einen Blick

  • Die Schwarz-Gruppe plant in Dummerstorf bei Rostock ein Rechenzentrum, dessen Servertechnik in der ersten Ausbaustufe rund zwölf Milliarden Euro kosten soll.
  • Grundstücke sind laut Insiderangaben bereits gekauft, Baugenehmigungen liegen vor, Verträge mit den Rostocker Stadtwerken zur Abwärmenutzung sind abgeschlossen.
  • Das Projekt könnte das laufende Rechenzentrum in Lübbenau mit elf Milliarden Euro Investitionsvolumen und knapp einem Zehntel der deutschen Rechenzentrumskapazität übertreffen.
  • Die Ankündigung fällt in den Landtagswahlkampf von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, deren SPD in Umfragen bei rund 29 Prozent liegt.

Business Punk Check

Zwölf Milliarden Euro für Server, verpackt in grünen Strom und Wahlkampf-Charme: Die Schwarz-Gruppe inszeniert sich als Retterin der digitalen Souveränität, aber offiziell bestätigt hat der Konzern die zentrale Zahl nicht. Ein Sprecher wich aus, die Fakten stammen aus Insiderkreisen und einem FAZ-Bericht.

Was zählt: Grundstücke, Genehmigungen und Stadtwerke-Verträge existieren bereits, das ist mehr als eine Pressemitteilung. Für Entscheider in der Tech-Branche bedeutet das eine reale Machtverschiebung in Richtung europäischer Cloud-Anbieter, sofern Schwarz Digits die technologische Tiefe liefert, die Stackit bislang nur ansatzweise gezeigt hat. Wer auf digitale Souveränität setzt, bekommt hier einen ernsten Kandidaten. Wer skeptisch bleibt, sollte fragen, ob ein Discounter-Konzern Microsoft und Amazon wirklich gefährlich werden kann, oder ob am Ende ein teures Prestigeprojekt mit Wahlkampf-Bonus übrig bleibt.

Quellen: T Online, Tagesschau, n-tv.de, Ndr, KI-unterstützt

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