Tech & Trends 16,7 Milliarden Dollar Vergleich: Meta zwingt Teenager künftig nach zwei Stunden offline

16,7 Milliarden Dollar Vergleich: Meta zwingt Teenager künftig nach zwei Stunden offline

KI-unterstützt · redaktionell geprüft

Meta zahlt bis zu 16,68 Mrd. Dollar an 29 US-Bundesstaaten und muss Instagram sowie Facebook für Minderjährige grundlegend umbauen, während der Konzern jedes Fehlverhalten bestreitet.

Zwei Stunden Zeitlimit pro Tag, Funkstille zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens: Was wie eine strenge Erziehungsregel klingt, wird für Millionen jugendliche Instagram- und Facebook-Nutzende in den USA künftig zur Plattform-Realität. Möglich macht das ein Vergleich, den Meta mitten in einem laufenden Bundesprozess in Kalifornien geschlossen hat. Der Konzern zahlt laut t3n bis zu 16,7 Mrd.

Dollar an 29 klagende Bundesstaaten, ohne ein Fehlverhalten einzuräumen. Es ist einer der größten Verbraucherschutz-Vergleiche der US-Geschichte außerhalb der Tabakindustrie-Verfahren der Neunzigerjahre. Die Einigung kam zustande, während die Hauptverhandlung bereits lief und Instagram-Chef Adam Mosseri im Zeugenstand ausgesagt hatte, wie WirtschaftsWoche berichtet.

Zeitlimits und Nachtsperren greifen tief ins Produkt ein

Der Vergleich bleibt nicht bei Geld stehen. Laut WirtschaftsWoche gilt für Nutzende unter 18 Jahren künftig standardmäßig ein Zeitlimit von zwei Stunden täglich sowie eine Zugangssperre zwischen Mitternacht und sechs Uhr, die nur Eltern aufheben können. Schließen sich weitere Plattformen ähnlichen Regeln an, verschärft sich die Auflage für Meta auf eine Stunde täglich und eine Sperre von 22 bis 7 Uhr.

Zusätzlich fallen Likes und Reaktionszahlen für Minderjährige weg, Zwangspausen nach 15 Minuten Scrollen werden eingeführt und Beauty-Filter, die soziale Vergleichsdynamiken befeuern, sind für Jugendliche künftig tabu. Eine unabhängige Stelle soll laut heise über die Einhaltung wachen. Meta muss zudem auf 90 Prozent der Meldungen über potenziell schädliche Inhalte binnen sechs Stunden reagieren und Jugendlichen einen nicht-personalisierten Feed anbieten, wie WirtschaftsWoche ergänzt. Die Altersüberprüfung soll verbessert werden, um Nutzende unter 13 Jahren zuverlässiger zu identifizieren.

Generalstaatsanwälte sprechen von jahrelanger Täuschung

Die politische Rhetorik rund um den Vergleich ist deutlich. Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta erklärte laut t3n, man setze „echte Veränderungen, echte Transparenz und echte, durchsetzbare Schutzmaßnahmen“ durch. Virginias Generalstaatsanwalt Jay Jones ging laut WirtschaftsWoche weiter und warf Meta vor, die Öffentlichkeit „jahrelang absichtlich über die süchtig machenden und schädlichen Designfunktionen getäuscht“ zu haben.

Marktstratege Art Hogan bezeichnete die Auflagen gegenüber demselben Medium als potenziellen Einschnitt für das gesamte Geschäftsmodell der Branche, weil Algorithmen und Monetarisierung angepasst werden müssten. Meta selbst hält dagegen: „Social-Media-Sucht“ sei keine anerkannte psychiatrische Diagnose, so das Unternehmen laut Trending Topics. Professorin Carolina Rossini von der University of Massachusetts relativierte den Vergleich gegenüber WirtschaftsWoche: Geld entschädige für vergangene Schäden, ändere aber nichts am Produkt, das weiterhin Schaden verursache.

Der Fall reiht sich in eine wachsende Klagewelle ein

Der Vergleich beendet nur einen Teilstrang der juristischen Belastung. In New Mexico wurde Meta laut Trending Topics bereits zu 942 Mio. Dollar verurteilt, ein Verfahren in Nashville läuft seit dem Sommer, rund 30 weitere Bundesstaaten haben eigene Klagen eingereicht. Zusätzlich zahlt Meta 459 Mio.

Dollar im Zusammenhang mit dem Cambridge-Analytica-Skandal, wie t3n berichtet. Florida und New Mexico haben sich dem aktuellen Vergleich nicht angeschlossen; Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier nannte die Zahlungen laut WirtschaftsWoche „Peanuts“ im Vergleich zu den angerichteten Schäden. Auch Alphabet, ByteDance und Snap stehen wegen ähnlicher Vorwürfe vor Gericht, ein kalifornisches Gericht hat Meta und Google in einem gesonderten Fall bereits für haftbar erklärt, wie Trending Topics schreibt.

Business Punk Check

Fakt ist: Meta zahlt bis zu 16,7 Mrd. Dollar und verpflichtet sich zu konkreten Produktänderungen, ohne Schuld einzugestehen. Die vereinbarte Summe entspricht laut WirtschaftsWoche etwa drei bis vier Monatsgewinnen des Konzerns, ursprünglich hatten Kläger bis zu 1,4 Billionen Dollar gefordert.

Investoren reagierten laut Trending Topics mit einem Kursplus von vier Prozent im vorbörslichen Handel. Ob die neuen Zeitlimits und Nachtsperren das Grundproblem lösen oder nur symbolisch wirken, bleibt eine offene Frage, die auch europäische Regulierer interessieren dürfte.

Auf einen Blick

  • Meta zahlt laut t3n bis zu 16,7 Mrd. Dollar an 29 US-Bundesstaaten, ohne Fehlverhalten einzuräumen.
  • Jugendliche unter 18 erhalten künftig tägliche Zeitlimits von zwei Stunden sowie nächtliche Zugangssperren, wie WirtschaftsWoche berichtet.
  • Likes-Anzeigen, Schönheitsfilter und endloses Scrollen werden für Minderjährige eingeschränkt oder verboten.
  • Der Vergleich deckt laut Trending Topics nur einen Teil der Klagewelle ab, weitere Verfahren in New Mexico, Nashville und rund 30 Bundesstaaten laufen weiter.
  • Investoren bewerteten die Einigung positiv, Meta-Aktien stiegen laut Trending Topics vorbörslich um vier Prozent.

Quellen: t3n, WirtschaftsWoche, heise, Trending Topics

Das könnte dich auch interessieren