Business & Beyond Saudis in der Ölzange: Flucht durch den Suezkanal

Saudis in der Ölzange: Flucht durch den Suezkanal

Saudi-Arabien muss seine Ölströme erneut umbauen. Hormuz bleibt eingeschränkt, im Roten Meer lauern die Huthis – jetzt werden Suez und die SUMED-Pipeline zum teuren Rettungsweg.

Nach dem Ausweichen von der Straße von Hormuz Richtung Rotes Meer folgt bereits der nächste Schwenk. Das Öl fließt weiter, doch der Umweg kostet mindestens fünf Dollar pro Barrel extra und verlängert Transporte nach Asien um Wochen.

Suez wird zum Öl-Bypass

Das neue Manöver läuft über Ägypten. Tanker liefern saudisches Rohöl nach Ain Sukhna am Roten Meer, von dort geht es durch die SUMED-Pipeline zum Mittelmeerhafen Sidi Kerir. Anschließend wird das Öl auf andere Schiffe verladen – oder der Tanker fährt leer durch den Suezkanal und nimmt seine Ladung auf der anderen Seite wieder auf. Im August liefen bereits mehr als 1,9 Millionen Barrel pro Tag durch SUMED, nach weniger als 650.000 im Juni. Die Exporte aus Sidi Kerir erreichten rund 2,1 Millionen Barrel täglich und damit etwa das Dreifache des Durchschnitts im ersten Halbjahr.

Zwischen Huthis und Hormuz

Viel Auswahl bleibt Riad nicht. Die Huthi-Rebellen erklärten im Juli eine Blockade gegen saudisch verbundene Schiffe und bedrohen vor allem die Passage Bab al-Mandab. Saudi-Arabien reduzierte dort daraufhin seine Transporte. Gleichzeitig bleibt Hormuz eingeschränkt. Durch die Meerenge liefen vor dem Konflikt rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gasverkehrs.

Der Golf kommt wieder ins Spiel

Trotz der Gefahr fährt Saudi-Arabien auch die klassische Golfroute wieder hoch, wo es möglich ist. An Terminals wie Ras Tanura wurde im August zeitweise deutlich mehr Kapazität genutzt. An einem Tag standen dort rund sieben Millionen Barrel Ladekapazität bereit. Die Strategie ist klar: keine Route aufgeben, solange sie irgendwie funktioniert.

Tanker-Trick für Asien

Auch für asiatische Kunden gibt es einen Plan B. Aramco nutzt verstärkt Ship-to-Ship-Transfers außerhalb von Hormuz, unter anderem vor Fujairah und Sohar. Im August sollen so mindestens vier Millionen Barrel an chinesische Raffinerien wie Sinopec und PetroChina gegangen sein. Weitere Ladungen von Arab Medium und Arab Heavy sind für September vorgesehen.

Die Pipeline als Trumpf

Dazu kommt die East-West-Pipeline von Abqaiq nach Yanbu. Sie kann bis zu sieben Millionen Barrel täglich transportieren, rund fünf Millionen davon für den Export. Damit bleibt sie der wichtigste saudische Bypass für Hormuz. Im Raum steht sogar eine Erweiterung um weitere zwei Millionen Barrel pro Tag.

Drei Wege – und eine saftige Rechnung

Saudi-Arabien jongliert damit zwischen Persischem Golf, East-West-Pipeline und Suez/SUMED. Trotzdem lagen die Rohölexporte im August mit rund 3,23 Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorkrisenniveau. Umwege, Umladungen und Sicherheitsrisiken treiben gleichzeitig die Kosten hoch. Für Asien bedeutet das längere Lieferzeiten, höhere Frachtraten und mehr Risikoaufschläge. Saudi-Arabien hält sein Öl in Bewegung – aber der Preis dafür wird immer happiger.

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